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Fußball Boris Völker nicht mehr Trainer bei Phoenix Kisdorf
Sport Fußball

Fußball: SSC Phoenix Kisdorf wirft Boris Völker raus

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19:37 02.01.2022
Von Markus Weber
Boris Völker und die Fußballer des SSC Phoenix Kisdorf gehen seit dem 1. Januar getrennte Wege. Der Verein kündigte dem Trainer zum Jahresende.
Boris Völker und die Fußballer des SSC Phoenix Kisdorf gehen seit dem 1. Januar getrennte Wege. Der Verein kündigte dem Trainer zum Jahresende. Quelle: Nils Göttsche
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Kisdorf

Boris Völker ist seit dem 1. Januar nicht mehr Trainer der Landesliga-Fußballer des SSC Phoenix Kisdorf. Nachdem der Vorstand des reinen Fußballklubs Anfang Dezember die Entscheidung verkündet hatte, den bis zum 30. Juni 2023 datierten Vertrag mit Völker zum Sommer 2022 auflösen zu wollen, überschlugen sich im Umfeld die Ereignisse. Was darin gipfelte, dass die Kisdorfer Verantwortlichen am Silvestermorgen endgültig die Reißleine zogen. Sie überstellten dem Trainer die vorzeitige Kündigung. Zum 31. Dezember. Per E-Mail. „Ich dachte, ich steh’ im Wald“, erinnert sich Völker an dem Moment, als er sein elektronisches Postfach geöffnet und die Nachricht des Vorstandes gelesen hatte. „Das ist einfach nur super schlecht.“

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Schreiben von Boris Völker sorgte für Umdenken

Jens Fischer, zweiter Vorsitzender des SSC Phoenix Kisdorf, begründet, warum die Kisdorfer ihrem langjährigen Trainer nun doch sechs Monate früher als geplant den Stuhl vor die Tür gestellt haben. „Unser Wunsch war, mit Boris bis zum Sommer weiterzumachen und ihn dann vernünftig zu verabschieden“, erklärt Fischer. Doch ein Schreiben, das am 28. Dezember beim Vorstand eingegangen war und in dem Völker seinen Austritt als Spieler aus der Ü 32-Mannschaft verkündet hat, sorgte bei den Vereinsverantwortlichen für ein Umdenken. „Boris hat mit einem abrechnenden Satz verdeutlicht, dass er den aktuellen Vorstand für untauglich hält, einen Verein zu führen“, verrät der Zweite Vorsitzende. „Er hat uns praktisch das Vertrauen entzogen, und da blieb uns doch als Vorstand keine andere Wahl, als die vorzeitige Kündigung auszusprechen.“ Völker dementiert diese Aussage nicht, sondern kommentiert sie wie folgt: „Wenn man im Vorstand nicht mit Kritik umgehen kann, dann ist das eben so, wie es jetzt gekommen ist.“

Völker weilte im Urlaub und telefonisch nicht erreichbar

Dass die Kündigung per E-Mail erfolgen musste, bedauert Fischer, sah aber keine andere Möglichkeit. Denn: „Wir haben mehrfach versucht, telefonisch mit Boris Kontakt aufzunehmen. Doch unsere Anrufe wurden immer weggedrückt.“ Völker, der die letzten Tage des Jahres im Urlaub weilte, beteuert hingegen, keine verpassten Anrufe auf seinem Handy erhalten zu haben.

Ingo Lilienthal übernimmt bis zum Sommer

Wie geht es nun weiter? Ingo Lilienthal, bisher Assistent von Völker, wird das Landesliga-Schlusslicht bis zum Sommer trainieren. „Das wird keine leichte Aufgabe werden“, erklärt das 53-jährige Kisdorfer Urgestein. Da wäre zum einen die tabellarische Situation: Die Kisdorfer trennen nach gut der Hälfte der Spielzeit bereits fünf Punkte vom rettenden Ufer. Ein drohender Ausverkauf dürfte die Angelegenheit für Lilienthal zusätzlich erschweren.

10 Spieler haben Kündigung abgegeben

Thore Kreuzaler und Lasse Oosting (beide SG Dänisch-Müssen) haben den Verein bereits verlassen. Weitere Spieler haben aus Loyalität zu Boris Völker zum 31. Dezember ihre Kündigung eingereicht. „Es haben zehn Spieler gekündigt“, bestätigt Jens Fischer. Darunter befinden sich Leistungsträger wie Malcolm Schauer, Daniel Buhrke, Marcel Boldt und Kapitän Tobias Wittke. „Ich stehe wegen Knieproblemen in der Rückrunde ohnehin kaum zur Verfügung“, sagt der Spielführer, der, wie der Großteil seiner Mitspieler, die Entwicklung sehr bedauert. „Die Entscheidung zum Sommer hin einen Schnitt zu machen, konnten wir verstehen. Wir empfanden den Zeitpunkt aber als etwas unglücklich.“ Wittke räumt auch noch einmal mit einem in und um Kisdorf kursierendem Gerücht auf, dass viele Akteure des Kaders nicht mehr zu Boris Völker standen. „Die Mannschaft hat immer hinter dem Trainerteam gestanden und ist mit ihm die letzten Jahre gewachsen.“

Dienstag erfolgt eine Bestandsaufnahme

Was für eine Informationsflut von allen Seiten über die Spieler in den vergangenen Wochen hereingebrochen war, erklärt Danny Schramm. „Als Spieler konnte man kaum noch filtern, was wirklich gewesen ist und was nicht“, sagt der Torwart, der nicht gekündigt hat und Dienstagabend dabei sein wird, wenn Vorstand, Trainer und die Kisdorfer Fußballer zusammenkommen, um eine Bestandsaufnahme vorzunehmen und zu beschließen, wie es weitergeht. „Dass es weitergeht, ist für die Mannschaft und den Verein das Wichtigste“, meint Schramm.

Gewinner gibt es keine

Doch egal, mit welchem Ergebnis dieses Treffen am Dienstag ausgehen wird: Vieles deutet daraufhin, dass am Ende nur Verlierer übrig bleiben: der SSC Phoenix Kisdorf, der Stand heute wohl kaum eine wettbewerbsfähige Mannschaft in die Rückrunde schicken kann und auch einen Imageschaden davontragen dürfte. Und Boris Völker, dem man in der Vergangenheit gewünscht hätte, dass er sich so manchen öffentlichen Kommentar verkniffen hätte. „Der SSC Phoenix Kisdorf ist nicht mehr mein Herzensverein“ ist nach über zwei Jahrzehnten am Strietkamp als Spieler und Trainer zum Beispiel einer dieser Sätze, die nicht gerade dazu taugen, dass Vereinsverantwortliche und nun Ex-Trainer sich irgendwann mal wieder in die Augen blicken werden. Was Jens Fischer sehr bedauert. Er räumt selbstkritisch ein, dass nicht alles so verlaufen ist, wie er es sich und seine Vorstandskollegen gewünscht haben: „Boris hat neuneinhalb Jahre sehr gute Arbeit geleistet, dies hätten wir gerne im Sommer im großen Rahmen auch gebührend gewürdigt. Leider ist es uns aber nicht gelungen, wie so oft wenn Menschen und Emotionen zusammen kommen, bei einer Sachlichkeit zu bleiben.“

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