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Fußball SVHU-Trainer Jürss über Pokal-Höhenflug und Punktspiel-Tristesse
Sport Fußball

SV Henstedt-Ulzburg: Höhenflug im Pokal, Tristesse in der Punktrunde

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20:01 04.01.2022
Von Nils Göttsche
Angespannt am Spielfeldrand: SVHU-Trainer Christian Jürss.
Angespannt am Spielfeldrand: SVHU-Trainer Christian Jürss. Quelle: Nils Göttsche/Archiv
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Henstedt-Ulzburg

Das Jahr 2021 verlief für die Fußballerinnen des SV Henstedt-Ulzburg turbulent. Nach langer Pause wegen der Corona-Pandemie gelang der Elf von Trainer Christian Jürss der Aufstieg in die Zweite Bundesliga. Es folgten der Gewinn des Landespokals sowie der erstmalige Vorstoß ins Viertelfinale des DFB-Pokals. In der Zweitliga-Punktrunde gelang mit sechs Punkten aus den ersten sechs Spielen ein guter Start – doch dann gab es sechs Niederlagen in Serie, die den SVHU fast schon abgeschlagen an das Tabellenende abrutschen ließen. Am 10. Januar wird die kurze Winterpause vorbei sein, dann beginnt die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte.

Herr Jürss, was fällt Ihnen zum Juni 2021 ein?

Christian Jürss: Wir hatten sieben Partien zu absolvieren. Und das nach der Corona-Pause, ohne richtig im Rhythmus zu sein. Das war sehr anspruchsvoll für alle Beteiligten, mental, körperlich und auch in Sachen Trainingssteuerung.

Trotzdem hat ihre Mannschaft in diesen Wochen alle Ziele erreicht.

Ja, das stimmt. In der Qualifikation zur Aufstiegsrunde haben wir uns erst im Entscheidungsschießen gegen Hannover 96 durchgesetzt, mit zwei Siegen gegen Viktoria Berlin haben wir den Aufstieg perfekt gemacht. Im Landespokal mussten wir dreimal ran, mit dem Sieg im Finale gegen Holstein Kiel.

Personell wurde es ein schmerzhafter Monat...

Richtig. Alina Witt fehlte uns mit ihrer Verletzung am Sprunggelenk ohnehin schon. Dann zogen sich Malin Hegeler und Lina Clausen kurz nacheinander Kreuzbandrisse zu. Hochs und Tiefs waren extrem und gaben sich die Hand.

Wie bewerten Sie den Auftakt in die Zweitligasaison?

Nach einer kurzen Pause und einer ebenso kurzen Vorbereitung sind wir Mitte August ganz gut gestartet. Am zweiten Spieltag gab es gegen FC Bayern München II mit 3:1 die ersten drei Punkte. Dennoch hatten wir Anpassungsschwierigkeiten. Wir mussten den Trainingsaufwand steigern, für die Auswärtsfahrten geht fast immer ein ganzes Wochenende drauf. Man kommt sonntags spät zurück, muss aber trotzdem am nächsten Morgen bei der Arbeit sein. Geografisch gesehen haben wir die längsten Wege, die kürzesten Fahrten sind nach Wolfsburg, Meppen und Gütersloh.

Im Spätsommer wurde bekannt, dass Torjägerin Alina Witt an Krebs erkrankt ist.

Das hat in der Mannschaft Spuren hinterlassen. Es besteht eine kleine Chance, dass sie in den letzten Saisonwochen auf den Fußballplatz zurückkehren wird. Das wäre für alle schön, aber über allem steht bei Alina natürlich die Gesundheit.

In vielen Spielen gaben Kleinigkeiten den Ausschlag für den Gegner. Was muss ihr Team tun, damit es sich auch mal belohnt?

Vor allem müssen wir die groben Fehler ohne Gegnerdruck abstellen, dann werden wir auch bessere Ergebnisse erzielen. Zum Ende der Hinrunde haben wir nach einigen schwachen Vorstellungen bessere Partien abgeliefert.

Was in der Zweiten Bundesliga nicht immer funktionierte, lief im DFB-Pokal nahezu perfekt. Sie stehen, auch mit ein wenig Losglück, mit ihrem Team im Viertelfinale.

Das ist ein absolutes Highlight. Mit dem 1. FFC Turbine Potsdam kommt am 2. März viel Frauenfußball-Historie zu uns. Das wird ein einzigartiges Erlebnis für uns. Ich denke, es ist unwahrscheinlich, dass der SV Henstedt-Ulzburg noch einmal im DFB-Pokal unter die letzten acht Mannschaften kommen wird. Die Partie werden wir nach dem Umzug vom Schäferkampsweg an unserer neuen Heimspielstätte im Beckersbergstadion austragen.

Wird sich die personelle Situation in der Rückserie entspannen, die am 13. Februar mit dem Nachholspiel gegen RB Leipzig beginnt?

Mit Malena Watzlawik haben wir eine Verstärkung schon in der letzten Partie vor der Winterpause gegen VfL Wolfsburg II einsetzen können. Wir hoffen, dass Malin Hegeler im März zurückkehrt.

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Wie gehen Sie mit Ihrem Team die Rückrunde an?

Wir machen uns über den möglichen Abstieg aus der Zweiten Liga keinen Kopf, sondern schauen von Spiel zu Spiel und nicht auf die Tabelle. Mit dem HSV, der wahrscheinlich in die Zweite Bundesliga aufsteigen wird, erwächst uns ein starker Konkurrent. Wir haben aber gezeigt, dass sich junge Spielerinnen bei uns entwickeln können und wir in Schleswig-Holstein eine gute Anlaufstelle für Talente sind.

Zum Ende dieser Spielzeit läuft Ihr Kontrakt aus, der Vertrag ihrer Co-Trainerin Saskia Breuer wurde bereits im beiderseitigen Einvernehmen aufgelöst.

Dass Saskia nicht mehr dabei ist, bedauere ich sehr. Was mich angeht, gab es noch keine Gespräche, die werden aber kommen. Die Spartenleitung der Frauen wurde gerade übergangsweise von Sandra Hülbert und Sebastian Günther übernommen. Klar ist, dass ich meine A-Lizenz gemacht habe, um im leistungsorientierten Fußball zu arbeiten.