2:0 bei den Würzburger Kickers - Holstein Kiel und der erfolgreiche Plan D
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2:0 bei den Würzburger Kickers - Holstein Kiel und der erfolgreiche Plan D

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18:20 20.10.2020
Von Marco Nehmer
Geniestreich nach Brechstangen-Art: Jae-Sung Lee (vorne) feiert das 1:0 durch Janni Serra (hinten) nach langem Ball von Kapitän Hauke Wahl.
Geniestreich nach Brechstangen-Art: Jae-Sung Lee (vorne) feiert das 1:0 durch Janni Serra (hinten) nach langem Ball von Kapitän Hauke Wahl. Quelle: Patrick Nawe/Holstein Kiel
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Würzburg

Wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt – frei nach Günter Netzer – von irgendwo 'ne Brechstange her. Sonntag, 22. Minute im Spiel zwischen den Würzburger Kickers und Holstein Kiel. Die Störche müssen einmal mehr einen Angriff abbrechen. Das Zentrum ist dicht. Alexander Mühling spielt den Ball nach hinten auf Hauke Wahl, der den Kopf hochnimmt, den vom linken Flügel zum Sprint hinter die Kette ansetzenden Jae-Sung Lee sieht. Langer, präziser Ball übers halbe Feld in den Lauf des Südkoreaners, der die Kugel mit seiner überragenden Technik unter Kontrolle und vor den Fünfer zum heranrauschenden Janni Serra bringt. Kopf, Tor – 1:0. Aus dem Nichts. Aber mit System. Ein Qualitätsmerkmal für Spitzenteams der Zweiten Fußball-Bundesliga.

Zu denen gehört, daran gibt es nach dem vierten Spieltag eigentlich keinen begründeten Zweifel mehr, Holstein Kiel in seiner aktuellen Verfassung. In der Lage, nicht nur Plan A umzusetzen. Sondern auch Plan B. Oder eben Plan D – wie dreckig. Nichts anderes war der 2:0-Sieg bei den Kickers. „Solche Spiele gibt es, da muss man den Kampf annehmen“, sagte Joshua Mees, der gegen den unangenehmen, aber dann doch beschränkten Aufsteiger seine Pflichtspielpremiere im KSV-Trikot feierte, zur Halbzeit aber schon raus musste. „Ich habe ihn runtergenommen, weil er mit Gelb vorbelastet war“, erklärte sein Trainer Ole Werner.

Lesen Sie auch den Kommentar zum Spiel: Die Tür steht den Störchen weit offen

Mees, der auf dem linken Flügel den verletzten Fin Bartels vertrat, war gallig, griffig, wandelte hin und wieder am Rande des Erlaubten. Eine Mentalität, die er von seinem vorigen Arbeitgeber Union Berlin mitgebracht haben dürfte. Und mit der die Köpenicker 2019 in die Bundesliga aufgestiegen sind. Schön spielen ist gut. Erfolgreich spielen noch besser. „Spielerisch hat nicht alles so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben“, sagte Mees. „Aber darauf kommt es auch nicht immer an.“

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Worauf es stattdessen ankommt: Effektivität. In den vergangenen Jahren ist Holstein allzu oft das bessere Team gewesen, hatte darüber aber das Toreschießen vergessen. In Würzburg lief es diesmal anders. Ein Blick in die Daten des Statistik-Blogs „Five Thirty Eight“ gibt Aufschluss: Die KSV kam am Sonntag auf einen Expected-Goals-Wert von 1,0. Erzielt hat sie aber zwei Treffer statt des einen, der durch die addierte Torwahrscheinlichkeit ihrer Abschlüsse statistisch zu erwarten gewesen wäre.

Auf der anderen Seite erreichten die Kickers nur einen xG-Wert von 0,7. Womit sich aus Kieler Sicht ein beeindruckender Trend fortsetzte: Beim 1:0 gegen den SC Paderborn hatte man den Gegner bei 0,9 gehalten, Braunschweig kam beim 0:0 auf 0,5. Und selbst Fortuna Düsseldorf hatte beim 2:1-Sieg der Störche lediglich einen Wert von 1,0. Holsteins Kontrahenten kommen also kaum in vielversprechende Abschlusspositionen. Ausweis einer herausragenden Defensivarbeit der Elf von Trainer Ole Werner.

Das spielerische Spektrum der Spitzenteams

Auch in Würzburg arbeitete der Abwehrverbund wieder einmal nahe am Optimum. Ein einziges Mal wurde es kurz heikel, als die Kickers einen Einwurf schnell ausführten, die KSV ausnahmsweise auf dem falschen Fuß erwischten. Der Abschluss von Mitja Lotric – geblockt (36.). Ansonsten: Konzentration am Limit, ideales Kettenverhalten, gutes Durchsichern – die Störche sind gerade ungekannt heiß darauf, das eigene Tor zu verteidigen. „Dass wir wieder zu null gespielt haben, ist natürlich überragend“, sagte Innenverteidiger Marco Komenda, der erneut ein starkes Spiel ablieferte.

Und so steht Holstein Kiel nach vier gespielten Partien, man darf es so sagen, zu Recht ganz oben. Der Tabellenführer hat zehn von zwölf möglichen Punkten eingefahren, ein einziges Gegentor kassiert, sich mit Ausnahme des Würzburg-Spiels immer wieder hochklassige Möglichkeiten erarbeitet mit einer variablen Spielanlage, wie sie nur wenige Mannschaften in dieser Zweiten Liga beherrschen. Holstein kann schön, Holstein kann aber auch ganz schön dreckig. Das spielerische Spektrum der Spitzenteams.

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