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Holstein Kiel Lee köpft Holstein Kiel zum 1:0 Sieg
Sport Holstein Kiel Lee köpft Holstein Kiel zum 1:0 Sieg
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15:51 20.10.2019
Von Andrè Haase
Pascal Stenzel (von links) vom VfB Stuttgart, Janni Serra von Holstein Kiel, Roberto Massimo vom VfB Stuttgart, Salih Özcan von Holstein Kiel und Santiago Ascacibar vom VfB Stuttgart in Aktion. Quelle: Tom Weller/dpa
Stuttgart

Störchen gelingt mit 1:0-Sieg fetter Überraschungs-Coup - Werner feiert, Walter wütend

Jubel, Trubel, Heiterkeit: Fußball-Zweitligist Holstein Kiel schlug am Sonntag kräftig auf die Pauke, landete vor 51.176 Zuschauern beim Aufstiegsfavoriten VfB Stuttgart einen aufgrund der zweiten Halbzeit nicht unverdienten 1:0 (0:0)-Auswärtserfolg und sammelte damit fette Big Points im Abstiegskampf. Das Tor des Tages erzielte Jae-Sung Lee (55.) per Kopfball. Ein Treffer, der Holsteins Ex-Trainer Tim Walter die zweite Heimniederlage in Folge und damit vor dem Gang zum HSV einen heißen Herbst bescherte.

T-Shirt-Wetter am Neckar bei frühlingshaften 20 Grad, tolle Kulisse in der Mercedes-Benz-Arena mit rund 800 Schlachtenbummlern von der Förde. Unter den Zuschauern unter anderem: Markus Kauczinski, gut bekannt mit Tim Walter und bei seiner letzten Station beim FC St. Pauli im Arbeitsteam mit dem aktuellen Geschäftsführer Sport der Störche, Uwe Stöver. Der sagte vor dem Anpfiff bei „Sky“ mit Blick auf die anhaltenden Spekulationen, Kauczinski könne in Kiel Interimstrainer Ole Werner beerben: „Das ist ein reiner Freundschaftsbesuch. Markus wohnt ja nicht einmal 100 Kilometer von Stuttgart entfernt.“

Sowohl Werner als auch Walter überraschten mit ihren Anfangsformationen. Im Störche-Trikot agierte der groß gewachsene Phil Neumann als Rechtsverteidiger der Viererkette, während der beim 1:1 im Test in Wolfsburg und zuletzt im Training überzeugende Philipp Sander gänzlich im Kader fehlte. Auf der Gegenseite feierte Roberto Massimo sein Startelf-Debüt für den VfB.

Auf dem Rasen indes entwickelte sich das in Durchgang eins erwartete Treiben. Die durchweg dominanten Schwaben inszenierten ihre Angriffe mit Geduld, erarbeiteten sich ein Ballbesitzplus (70:30 Prozent) und die Chancenmehrheit (6:2). Die Störche mühten sich zwar um defensive Kompaktheit. Individuelle Schnitzer im Aufbau- und Stellungssspiel (Salih Özcan, „Jojo van den Bergh/Passquote: 29 Prozent) erschwerten aber die eigene Abwehrarbeit immens. Zudem waren die Stuttgarter die deutlich kopfball- und zweikampfstärkere sowie handlungsschnellere Mannschaft.

Dass es trotzdem 0:0 zur Pause hieß, verdankten die Störche auch ihrem zuletzt kritisierten Keeper Ioannis Gelios, der sowohl gegen Philipp Förster (11.) als auch Nicolas Gonzalez (45.) seine Klasse verriet. Zum Retter in höchster Kieler Not avancierte zweimal im Sekundentakt Neumann als Schuss-Blocker gegen Marc-Oliver Kempf (9.). Glück kam hinzu, als VfB-Sturmtank Silas (36.) die Kugel gegen das Aluminium schmetterte. Drei Minuten zuvor hatten die VfB-Anhänger erstmals ein Pfeifkonzert gegen ihre Farben intoniert.

Für die selten vor dem gegnerischen auftauchenden Nordlichter hatte zweimal Janni Serra die Möglichkeit zur Führung. Zuerst flog sein Volley-Versuch (12.) über das VfB-Tor, dann fehlten nach seinem Kopfball nach Lee-Ecke (24.) nur Zentimeter zum 1:0.

Zurück aus der Halbzeitpause überschlugen sich zunächst die Ereignisse. Ex-Nationalspieler Holger Badstuber unterband einen Konterversuch der Kieler in Höhe der Mittellinie mit einem Foul gegen Serra und sah dafür seine zweite Gelbe und damit die Ampelkarte (53.).

Jae-Sung Lee (55.) trifft per Kopf zum 1:0

Nur 120 Sekunden später schlug van den Bergh eine vergleichsweise harmlose Flanke in den Stuttgarter Strafraum. Dort entpuppte sich aber Jae-Sung Lee als König der Lüfte, übersprang Insua und köpfte den Ball per Bogenlampe über Gregor Kobel zum überraschenden Kieler 1:0 ins Netz.

Der Kieler Block hüpfte und tanzte, die Stuttgarter setzten auch in Unterzahl auf Offensive. Und boten damit den Gästen urplötzlich Räume an, die von denen auch entsprechend genutzt wurden. Das große ABER: Der bis dahin kaum positiv in Erscheinung getretene Alexander Mühling (58., 66.), van den Bergh und Lee (68.) ließen prächtige Einschusschancen in schneller Folge aus. Dann stürmte KSV-Joker David Atanga (70.) unbehelligt auf Kobel zu – und scheiterte ebenfalls.

Sollte sich dieser Chancenwucher rächen? Die Hoffnung auf die dicke Überraschung stieg von Minute zu Minute. Auch, weil sich die Holstein-Sorgenkinder der ersten Halbzeit eminent gesteigert hatten und das Zweikampfverhalten jetzt gehobenes Zweitliga-Niveau besaß. Und auch deshalb, weil der Stuttgarter Sturm nur noch höchst selten Gefahr ausstrahlte. Zum Pechvogel mutierte Atanga, der 14 Minuten nach seiner Einwechslung verletzungsbedingt wieder das Feld verlassen musste.

Doch auch er konnte schlussendlich jubeln. Obwohl zunächst der eingewechselt Finn Porath nach Konter, dann Lee in der Nachspielzeit die endgültige Entscheidung verpassten. Denn um 15.24 Uhr. Das erlösende Signal: Das blaue Kieler Wunder war perfekt perfekt.

VfB Stuttgart: Kobel – Stenzel, Kempf, Badstuber, Insua – Ascacibar – Massimo (56. Gomez), Castro (64. Mangala)– Förster – Silas (79. Coulibaly), Gonzalez.,

Holstein Kiel: GeliosNeumann, Schmidt, Wahl, van den Bergh – Meffert – Mühling, Lee - ÖzcanBaku (65. Atanga/79. Porath), Serra (85. Thesker).

Schiedsrichter: Benedikt Kempkes (Thür) – Tore: 0:1 Lee (55.) – Zuschauer: 54.176 – Gelbe Karten: Badstuber, Ascacibar/van den Bergh, Schmidt – Gelb-Rote Karte: Badstuber (53.) wegen wiederholten Foulspiels.

DER LIVETICKER ZUM NACHLESEN

Es geht um Fußball. Um Punkte. Und die können sie beide gebrauchen. Holstein Kiel, um sich aus dem Zweitliga-Keller zu befreien. Und der VfB Stuttgart, um den Aufstieg im Blick zu behalten. Aber dieses Spiel hat noch mehr zu erzählen. Das weiß auch KSV-Trainer Ole Werner - der einen klaren Plan hat.

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