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Holstein Kiel Ole Werner steht vor Woche der Wahrheit
Sport Holstein Kiel Ole Werner steht vor Woche der Wahrheit
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06:18 23.09.2019
Von Marco Nehmer
Immer am Tigern durch die Coaching-Zone: Ole Werner (li.) machte bei seinem Einstand eine gute Figur. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Der letzte Eindruck zählt. Das weiß jeder Schüler, der zum Halbjahresende noch einmal seine Zeugnisnoten aufbessern will. Und auch Holstein Kiel profitiert in der Rückbetrachtung der 1:2-Niederlage am Freitagabend gegen Hannover 96 ein wenig vom psychologischen Effekt des letzten Eindrucks. Der ungekrönte Schlussspurt legt nahe: Die Störche können Zweitliga-Fußball. Trotzdem war längst nicht alles gut beim Einstand von Interimstrainer Ole Werner.

"Wir haben nach dem 0:2 mutiger gespielt – das wurde aber auch Zeit", sagte etwa Jonas Meffert, der auf der Sechs wie viele seiner Kollegen ein allenfalls durchschnittliches Spiel machte. Es wurde Zeit, weil vorher gerade nach vorne kaum etwas zusammenlief. Wie auch Dominik Schmidt, der als Routinier vor der Rekordkulisse von 15034 Zuschauern – so viele waren es zuletzt 1978 – in der Innenverteidigung den Vorzug vor Phil Neumann erhalten hatte, befand: "Die ersten 50 Minuten waren nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben."

Einfachste Bälle versprangen, das Zentrum war komplett in 96-Hand, vielversprechende Ansätze versanken in einem fatalen Treibsand aus fehlendem Zutrauen und technischem Unvermögen – offenbar zwei Seiten derselben Medaille. "Du brauchst für das Spiel mit Ball eine gewisse Sicherheit. Die hat uns in den ersten 50 Minuten gefehlt", sagte Interimscoach Werner. "Das hat nichts mit der Qualität der Spieler zu tun."

Struktur, die an "Zaungast" Anfang erinnert

Die zweifellos vorhandene Qualität aber kam erst in den Schlussminuten so richtig zum Tragen, als Welle um Welle auf das Tor des Bundesliga-Absteigers aus Hannover zurollte. Allein in der dreiminütigen Nachspielzeit scheiterten Alexander Mühling, Salim Khelifi, Darko Todorovic und Jae-Sung Lee entweder an 96-Keeper Ron-Robert Zieler oder am eigenen Unvermögen. 1:2, Abpfiff. Gut gekämpft. Aber lange Zeit, das ist eben der zweite Teil der Wahrheit, nicht gut gespielt.

"Man hat gesehen, dass wieder Struktur drin war", sagte Sportdirektor Fabian Wohlgemuth über die Störche, die mit einer Grundordnung auftraten, die an die Ära des ebenfalls im Stadion anwesenden Markus Anfang erinnerte. "Aber es war zu spüren, dass nach wie vor das Selbstbewusstsein fehlt. Dazu kommt auch das fehlende Spielglück."

Damit waren weniger die eigenen offensiven Ansätze gemeint. Sondern das, was sich wieder einmal hinten abspielte. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass sich die KSV die Bälle selbst ins Netz legt. Flanke Miiko Albornoz, Hauke Wahl geht mit dem Kopf zum Ball, hinter ihm fliegt Werners überraschende Nummer eins Ioannis Gelios im Blindflug durch den Strafraum. Der Ball springt von Wahls Kopf in eine Gasse, in die Ex-Storch Marvin Ducksch seelenruhig trabt und einnickt (43.). Ein absurdes Gegentor. Und auch das 0:2 durch Cedric Teuchert (52.) ist ein Werk, an dem die Störche Besitzansprüche anmelden dürften.

"Meine Person spielt derzeit nur eine untergeordnete Rolle"

Erst danach schaltete die KSV vom Absteiger- in den Zweitliga-Modus. Für mehr als Lees 1:2 (63.) reichte es aber nicht. Nicht an diesem Tag. Nicht mit dieser Gesamtleistung. Es braucht mehr als eine halbe Stunde guten Fußballs, um in dieser Liga zu bestehen. Das ist die Erkenntnis des Spiels, und zugleich der Arbeitsauftrag für Werner.

"Wir haben es in drei Tagen geschafft, ein anderes Gesicht zu zeigen", sagte Werner selbst. "Jetzt haben wir eine lange Woche vor uns." Am Sonntag geht es nach Fürth (13.30 Uhr). Ein extrem wichtiges Spiel, wenn die KSV – als 16. mit nur fünf Punkten nach sieben Spielen jetzt so richtig unter Druck – nicht den Anschluss verlieren will. Und eine extrem wichtige Woche für Werner, wenn es für ihn über Fürth hinaus als Chefcoach weitergehen soll. "Es war ein durchwachsenes Debüt", sagte Wohlgemuth, "aber wir schauen nach vorn." Und dem Trainer jetzt genau auf die Finger. Der sagte, angesprochen auf seine Zukunft: "Meine Person spielt derzeit nur eine untergeordnete Rolle." Alles für den Erfolg. Der muss jetzt her. Für ihn, und für den Klub.

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