Ex-Sportchef im Interview - Fabian Wohlgemuth spricht über Aus bei Holstein
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Holstein Kiel Wohlgemuth spricht über Aus bei Holstein
Sport Holstein Kiel Wohlgemuth spricht über Aus bei Holstein
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14:03 26.04.2020
Von Marco Nehmer
Ist der neue sportliche Macher beim SC Paderborn: Fabian Wohlgemuth, im Oktober 2019 in Kiel entlassen.
Ist der neue sportliche Macher beim SC Paderborn: Fabian Wohlgemuth, im Oktober 2019 in Kiel entlassen. Quelle: dpa
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Kiel/Paderborn

Er ist wieder da. Fabian Wohlgemuth, im Oktober 2019 in den Nachwehen der Entlassung von Trainer André Schubert selbst seines Amtes als Sportdirektor von Holstein Kiel enthoben, schlägt am 1. Mai ein neues Kapitel auf. Der 41-Jährige wird neuer Sportchef beim Fußball-Bundesligisten SC Paderborn. Zeit für einen Blick nach vorn, aber auch zurück auf seine Zeit an der Förde – und die Umstände seiner Entlassung.

Herr Wohlgemuth, Ihr Vertrag mit der KSV ist aufgelöst, in wenigen Tagen treten Sie Ihre neue Stelle in Paderborn an. Sind die Kisten schon gepackt?

Fabian Wohlgemuth: Die meisten Kisten sind schon wieder ausgepackt. Es kommt auf jeden Tag an, um die verbleibenden Chancen (der SC Paderborn bangt als Tabellenletzter um den Klassenerhalt, d. Red.) zu nutzen. Viel Zeit zum Stimmen der Instrumente haben wir nicht. Es geht gleich in die Vollen.

Können Sie es noch abwarten, nach mehr als einem halben Jahr nun endlich wieder ins Geschäft einzusteigen?

Für mich ging es weniger um die Sorge, auf der Strecke zu bleiben, als vielmehr um den Wunsch, sich aktiv mit den eigenen Ideen einzubringen. Ich mache meinen Beruf sehr gern. Insofern kam das Angebot aus Paderborn zur rechten Zeit.

Öffentlich waren Sie seit Ihrer Freistellung kaum in Erscheinung getreten. Was haben Sie in dieser Zeit gemacht?

Ich konnte einiges in Sachen Familie nachholen. Zeit mit Frau und Kindern – ein Luxus, den man im Spielbetrieb nur selten hat. Der Abstand zum Tagesgeschäft hat mir auch die Möglichkeit gegeben, mein Netzwerk intensiver zu pflegen, viele Fußballspiele zu schauen und mich fachlich auf den neusten Stand zu bringen.

Ihr Ende in Kiel kam für viele Beobachter überraschend. Wie blicken Sie auf die Umstände Ihrer Beurlaubung zurück?

Mein Ausscheiden in Kiel war auch für mich eine wirkliche Überraschung. Sicher haben wir uns zeitweise in Tabellenregionen außerhalb unserer eigenen Erwartung bewegt. Nach dem erneut notwendigen Total-Umbruch im vergangenen Sommer war allerdings nicht unbedingt damit zu rechnen, dass alles von Beginn an rund laufen würde. Auf Dinge, die sich nicht ändern lassen, blicke ich aber grundsätzlich nicht zurück – schon gar nicht im Groll. Ich schaue nach vorn.

Sie haben in Kiel viel bewegt und Strukturen verändert. Haben Sie auch Fehler gemacht?

Wer bewegt und verändert, macht Fehler. Das liegt in der Natur der Sache. Am Ende geht es darum, das Ziel nie aus den Augen zu verlieren. Holstein Kiel, das war eine wichtige berufliche Erfahrung, die jetzt aber inhaltlich und emotional für mich abgeschlossen ist.

Die Entscheidung für André Schubert als Cheftrainer hatten Sie mit dessen Entlassung und der Installation von Ole Werner korrigiert. Sehen Sie sich angesichts der Entwicklung der Mannschaft unter Werner bestätigt?

Vorzeitige Entlassungen sind immer bedauerlich. Mitunter braucht es aber die Konsequenz, eine eingeschlagene Richtung zu korrigieren. Die derzeitige Entwicklung stimmt. Ich freue mich aufrichtig für Ole Werner und sein Team.

Was gehört zu Ihren wichtigsten Erkenntnissen aus der Kieler Zeit?

Da gibt es sicher einiges. Dort habe ich zum Beispiel gelernt, wie wichtig Teamarbeit und Vertrauen neben der fachlichen Kompetenz für den Gesamterfolg und die Nachhaltigkeit einer Mission sind.

Welche Bedeutung messen Sie der Station Kiel für Ihre Karriere bei?

In Kiel hat man mir großes Vertrauen entgegengebracht. Gemeinsam mit meinem Team bin ich dort von Beginn an in die volle Verantwortung gegangen. So etwas ist natürlich prägend.

Nun geht es von der beruflichen in die sportliche Zwangspause: Der Ball ruht in der Bundesliga. An Arbeit dürfte es Ihnen beim SCP trotzdem nicht mangeln, oder?

Dass wir mit Hochdruck an einer weiteren Optimierung unserer Möglichkeiten arbeiten, erklärt sich von selbst – auch wenn bis zur Wiederaufnahme des Spielgeschehens noch einige Tage vergehen werden. Wir müssen in der neuen Konstellation schnell zusammenwachsen und gemeinsam Antworten auf die aktuellen Herausforderungen finden.

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