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Holstein Kiel So kommentieren Reporter die Heimspiele für Blinde
Sport Holstein Kiel So kommentieren Reporter die Heimspiele für Blinde
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16:55 12.11.2019
Von Steffen Müller
Seit fünf Jahren zählen Hermann Penschuck, Andreas Schlisske und Albrecht von Felbert (v.l.) zum Kommentatoren-Team. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

"Fünf Meter hinter der Mittellinie, Freistoß für den HSV aus der eigenen Hälfte, Jung schlägt den Ball in den Strafraum, aber die Kieler können klären." Hermann Penschuck hebt die Stimme, das Mikrofon vor seinem Mund bebt. Die Anspannung in der nervenaufreibenden Schlussphase im Zweitligaspiel zwischen Holstein und dem Hamburger SV ist dem 66-Jährigen anzumerken. Doch nicht nur Penschuck ist nervös, drückt der KSV die Daumen, dass im dritten Aufeinandertreffen mit dem Nordrivalen der dritte Sieg gelingt.

Mit Kopfhörern auf der Osttribüne

Direkt hinter ihm im Block U auf der neuen Osttribüne sitzen acht Zuschauer und haben Kopfhörer auf. Aufmerksam verfolgen sie jedes Wort, das Penschuck und sein Kollege Albrecht von Felbert in ihre Headsets sprechen. Penschuck und von Felbert sind Blindenreporter.

Blindenreporter bei Holstein Kiel seit 2014

Seit September 2014 bietet die KSV den Service für Sehbehinderte, organisiert werden die Reportagen vom Deutschen Roten Kreuz. Seitdem kommen zu jedem Heimspiel zwischen vier und acht blinde Fußballfans, um die Stadionatmosphäre aufzusaugen und dabei über Kopfhörer wie bei einer Radioberichterstattung live zu verfolgen, wie sich die KSV schlägt. Jetzt wurde das Projekt für den schleswig-holsteinischen Bürgerpreis nominiert.

Seit 2014 kommentieren Reporter die Heimspiele von Holstein Kiel für sehbehinderte Zuschauer. Das Interesse ist in den Jahren immer größer geworden.

Für Penschuck und von Felbert ist ihre Kommentatoren-Arbeit Ehrensache. Sie sind seit Projekt-Beginn dabei, haben sich nach einem öffentlichen Aufruf beim DRK gemeldet. Um sich in ihrer Aufgabe zurechtzufinden, erhalten sie vom DFB regelmäßig Fortbildungen.

Ausgiebige Vorbereitung ist wichtig

Einer der Fans ist Niels Luithardt. Schon als Kind ging der Mathe- und Physikstudent regelmäßig ins Stadion, früher schilderte der Vater seinem blinden Sohn die Geschehnisse auf dem Rasen, heute machen das Hermann Penschuck, Albrecht von Felbert oder einer der acht weiteren Reporter, die abwechselnd die Heimspiele kommentieren. "Ich bin froh, dass es dieses Angebot gibt", sagt Luithardt, der eine Dauerkarte besitzt und mit Fan-Schal und Mütze auf der Tribüne sitzt. "Ich habe das Gefühl, dass ich alles sehr gut mitbekomme."

Damit die sehbehinderten Besucher nachvollziehen können, was sich auf dem Spielfeld tut, ist für die Blindenreporter eine umfangreiche Vorbereitung nötig. "Wenn ich weiß, dass ich ein Spiel kommentiere", sagt Albrecht von Felbert, "beschäftige ich mich eine Woche lang jeden Tag etwa eine Stunde mit der Partie." Gegenspieler, taktische Ausrichtung, Stimmung in den Mannschaften, Tabellenkonstellation. Penschuck und von Felbert wollen auf alles eingestellt sein.

Gute Kenntnisse über HSV-Spieler

Als sie eine Stunde vor dem Anpfiff die Aufstellungen bekommen, sind sie erleichtert. "Keine Überraschungen. Beide Teams spielen so, wie wir es erwartet haben." Und die Vorbereitung zahlt sich aus. Nachdem jeder blinde Gast und die Begleitpersonen per Handschlag begrüßt wurden ("Man kennt sich") und die Kopfhörer verteilt sind, beginnen die Kommentatoren ihre Übertragung mit einer Gegner-Einschätzung. Penschuck hält viel von HSV-Stürmer Lukas Hinterseer, von Felbert warnt vor dem Techniker Sonny Kittel. Sämtliche Hamburger Spieler werden auch aus großer Entfernung im gegenüberliegenden Strafraum erkannt.

Tipps aus dem Handbuch für Blindenreporter

Während des Spiels wechseln sich Penschuck und von Felbert alle fünf Minuten mit dem Kommentieren ab, als Unterstützer steht ihnen mit Andreas Schlisske ein dritter Kollege zur Seite, der hier und da souffliert. Bei der Übergabe wird gemeinsam gefachsimpelt. "Holstein Kiel muss wieder mehr nach vorne machen, oder wie siehst du das, Hermann?"

Blindenreporter nominiert für den Bürgerpreis

Für ihr gesellschaftliches Engagement kommt den Blindenreportern eine große Ehre zuteil. Das DRK-Projekt ist für den schleswig-holsteinischen Bürgerpreis in der Kategorie "Alltagshelden" nominiert worden, der morgen verliehen wird. "Das ist eine schöne Anerkennung, dass unsere Arbeit wahrgenommen wird", sagt Kommentator Albrecht von Felbert, der wie seine Kollegen eine Aufwandsentschädigung von zehn Euro pro Spiel bekommt. Seit der Service vor fünf Jahren startet, steigt das Interesse. Zunächst kamen zwei bis drei Sehbehinderte zu den Spielen, mittlerweile sind bis zu acht.

Das unterscheidet die Blindenreporter von den Kollegen aus dem Radio. "Wir müssen das Feld besser überblicken, zeigen, wo Platz ist, mehr Meterangaben machen", beschreibt Penschuck. "Verortungspunkt" heißt das in der Fachsprache, die im Handbuch für Blindenkommentatoren aufgeführt ist. "Einwurf Holstein, neun Meter von der Torauslinie entfernt, Lee kommt an den Ball, passt zurück auf Wahl, der kurz hinter der Mittellinie steht."

Neutralität für HSV-Fan

Geraten wird den Kommentatoren auch, sich neutral zu verhalten. Schließlich nehmen auch Gäste-Fans das Angebot wahr. Am Sonnabend sitzt ein HSV-Anhänger mit Kopfhörern ausgestattet auf der Tribüne, der die Kommentatoren in der Halbzeit für ihr Fachwissen und die Neutralität lobt.

Ganz unparteiisch können Penschuck und von Felbert allerdings nicht bleiben. Schon bevor sie vor fünf Jahren angefangen haben, die Spiele zu kommentieren, waren sie als Fans regelmäßig im Stadion. "Den Pfiff nehmen wir gerne", sagt von Felbert, als die vermeintliche HSV-Führung in der 4. Minute wegen Abseits zurückgenommen wird. Beim späten Ausgleich sind sie dann aber doch als Experten unterwegs und analysieren sachlich. "Um das Tor hat Holstein gebettelt, das Unentschieden ist nicht unverdient."

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