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Holstein Kiel Das Notprogramm reicht nicht
Sport Holstein Kiel Das Notprogramm reicht nicht
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07:50 19.09.2016
Von Thomas Pfeiffer
Kontraste nach dem Abpfiff: Während sich die Osnabrücker Spieler über ihren Auswärtscoup freuen, sind die Kieler Saliou Sané (2. v. re.) und Kingsley Schindler konsterniert. Im Hintergrund feiern die Veilchen-Fans. Quelle: Sonja Paar
Kiel

Manchmal sind es Kleinigkeiten, Sekundenbruchteile, die ein Fußballspiel entscheiden. So wie am Freitagabend in der 72. Minute der Drittliga-Partie zwischen Holstein Kiel und dem VfL Osnabrück: Das Standbein von Rafael Czichos verliert den Grip, der KSV-Kapitän rutscht aus. Statt seiner muss Kollege Niklas Hoheneder im eigenen Sechzehner Christian Groß irgendwie noch stoppen. „Ich muss runter und berühre ihn leicht“, beschreibt der Österreicher die Szene. „Den Elfmeter kann man geben, muss man nicht.“ Schiedsrichter Bastian Börner gibt ihn, Bastian Schulz verwandelt, es bleibt das einzige Tor der Begegnung. Die dritte Niederlage im siebten Saisonspiel ist besiegelt, Markus Anfangs Heimdebüt als Profitrainer misslungen.

 Hernach folgte die Zeit der alten Weisheiten, aus dem Sport und dem richtigen Leben. Beispielsweise, dass ein Spiel 90 Minuten dauert. Die Betonung dieser Tatsache ist durchaus berechtigt, denn die Störche spielten nur in den zweiten 45 Minuten jenen Fußball, den sie von sich selbst erwarten. Warum, das wusste niemand. „Nach gutem Beginn haben wir irgendwie das Fußballspielen eingestellt. Das war nach dem Auftritt in Paderborn eigentlich nicht zu erwarten“, gehörte auch Markus Anfang zu den Ratlosen. „Wir brauchen aber zwei Halbzeiten, so ist es, ganz einfach.“

 Einfach ist auch das Fazit aus diesem Spiel: Wenn die KSV-Profis das vom Klub vorgegebene Ziel (oberes Tabellendrittel, Aufstieg binnen drei Jahren) erreichen wollen, dann müssen sie ihr durchaus hohes Potenzial tunlichst lückenlos auf dem Platz umsetzen. 35 Minuten währende Aussetzer kann sich kein Team erlauben, das diese Liga am oberen Ausgang verlassen möchte.

 Immerhin stimmte die Moral. Auch nach dem Rückstand und dem kurz darauf folgenden Platzverweis für Hoheneder versuchten die Störche alles, um wenigstens einen Punkt zu retten. Dafür ließ Anfang seine Männer sogar auf jenes Notprogramm umschalten, dass ihm eigentlich zuwider ist: hohe und lange Bälle. „Aber da muss man auch etwas Glück haben.“

 Da das ausblieb, konzentrieren sich die Konsequenzen im Hinblick auf das am Dienstag (19 Uhr) beim MSV Duisburg anstehende Auswärtsspiel auf weitere, bekannte Wahrheiten: aus Fehlern lernen, nach dem Hinfallen wieder aufstehen. „Sich nur am Gegner zu orientieren, reicht nicht. Wir werden aus diesem Spiel lernen und das Gelernte hoffentlich in den nächsten Partien umsetzen“, fordert Anfang, der indes ebenso wie seine Spieler aus der Niederlage kein Drama machen will. „Wir werden hier nicht jedes Team mit 4:0 aus dem Stadion fegen. Wir haben noch 31 Spiele vor uns und müssen die richtigen Lehren aus dem 0:1 ziehen“, befand Dominic Peitz. Und an Zuversicht wieder einmal nicht zu überbieten ist Tim Siedschlag: „Wir schauen nicht auf die Tabelle des siebten Spieltags. Wir wissen, dass wir eine richtig gute Mannschaft haben, und wollen aus Duisburg drei Punkte mit nach Hause nehmen.“

 Gut gebrüllt, Löwe Siedo. Allerdings werden die Zebras nach ihrer ersten Saisonniederlage (0:3 in Wiesbaden), die sie die Tabellenführung kostete, ebenfalls intensiv darüber nachdenken, was sie am Dienstag besser machen müssen…

Drama und Ernüchterung im Heimdebüt des neuen Holstein-Trainers Markus Anfang. Im zweiten, heftig umkämpften Spiel des Hoffnungsträgers mussten die Störche eine bittere 0:1 (0:0)-Niederlage gegen den VfL Osnabrück hinnehmen.

Thomas Pfeiffer 16.09.2016

Nein, seine berufliche Premiere verursacht ihm keine feuchten Hände. „Es geht nicht um mich, sondern um den Verein“, sagt Markus Anfang vor seinem Heim-Debüt als Profitrainer heute Abend (19 Uhr) gegen den VfL Osnabrück. Heute folgt gegen die Veilchen ein Spiel, das in die Kategorie „Wahrsager“ passt.

Thomas Pfeiffer 16.09.2016
Holstein Kiel Osnabrück gegen Holstein Heimliche Ambitionen

Und jährlich grüßt das Murmeltier. Seit dem letzten Abstieg aus der Zweiten Fußball-Bundesliga im Jahr 2011 versucht der VfL Osnabrück, sich im oberen Drittel der dritten Klasse zu etablieren, mit der „heimlichen“ Option auf den Aufstieg. Am Freitag um 19 Uhr trifft Osnabrück auf Holstein Kiel.

Thomas Pfeiffer 15.09.2016