Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Holstein Kiel Großer Andrang, teures Bier: So lange warten Fans im Holstein-Stadion
Sport Holstein Kiel Großer Andrang, teures Bier: So lange warten Fans im Holstein-Stadion
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:51 13.11.2019
Von Jonas Bickel
KN-Reporter Jonas Bickel testete die Wartezeiten rund ums Bier beim Heimspiel von Holstein Kiel gegen den HSV. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Dicht an dicht stehen Menschen nebeneinander und treten sich fast gegenseitig auf die Füße. Es riecht nach Bier und Wurst. Mittendrin bin ich. Es ist Halbzeitpause beim Nordderby zwischen Holstein Kiel und dem Hamburger SV. Ich war auf der Osttribüne, will mir nun ein Bier und eine Bratwurst holen. Also warte ich auf dem kleinen Platz vor der Osttribüne an einem Essensstand. Andere waren vor mir da, haben ihre Stehplätze schon Minuten vor dem Halbzeitpfiff verlassen – und das Tor zum 1:0 verpasst.

Holstein Kiel: Teuerstes Bier im deutschen Profifußball

Vier Minuten muss ich warten, dann stapfe ich mit einer dampfenden Bratwurst zum Getränkestand. Fünf von ihnen gibt es vor der Osttribüne, sie sind dicht umringt. Von allen Seiten stehen Menschen an, es haben sich mehrreihige Kreise um die Stände gebildet. An meinem Stand arbeiten vier Mitarbeiter im Akkord. Trotzdem dauert es sieben Minuten, bis ich endlich bestellen kann."Ein Bier, bitte!"

Das Bier bei Holstein Kiel ist teuer. 0,4 Liter Flensburger Pilsener kosten vier Euro. Das macht zehn Euro pro Liter – so viel bezahlt man laut einer Erhebung des Magazins "Sponsors" bei keinem anderen Verein der drei Profiligen in Deutschland fürs Bier. Dazu kommen pro Bierbecher zwei Euro Pfand – seit 2017 gibt es im Holstein-Stadion Mehrwegbecher. Die Bratwurst für drei Euro ist dagegen eine der günstigsten im deutschen Profifußball.

Pfandbecher können an Getränkeständen abgegeben werden

Rechtzeitig zum Wiederanpfiff komme ich auf der Tribüne an. Es funktioniert also, Bier und Bratwurst innerhalb von 15 Minuten zu kaufen. Knapp war es dennoch. Außerdem ist mein Platz im Stehblock weg. Jetzt stehe ich hinter einem Zwei-Meter-Riesen – die Sicht aufs Spielfeld ist dadurch leider etwas eingeschränkt.

So lange wartet man am Bierstand im Holstein-Stadion.

Fünf Minuten nach Spielende verlasse ich die Tribüne und will meinen Pfandbecher zurückgeben. Das ist an fast allen Getränkeständen rund ums Stadion möglich. Zumindest in der Theorie. Ich stelle mich an den Stand, der am nächsten am Tribünenabgang ist. Der Stand ist umringt mit Menschen. Nach zwei Minuten folgt die Ernüchterung: "Wir haben kein Kleingeld mehr", ruft eine junge Angestellte in die Runde. "Das kann doch nicht wahr sein", schallt es von links neben mir zurück.

Stimmen Sie ab!

Wie lange warten Sie im Holstein-Stadion durchschnittlich, um ein Getränk zu bekommen bzw. den Pfandbecher abzugeben?
Ergebnis ansehen
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.
Wie lange warten Sie im Holstein-Stadion durchschnittlich, um ein Getränk zu bekommen bzw. den Pfandbecher abzugeben?
So haben unsere Leser abgestimmt
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.

Holstein-Stadion: Lange Wartezeiten bei Becherrückgabe

Also gehe ich weiter zum nächsten Stand. Hier dauert es fünf Minuten, bis ich vorne an der Theke stehe. Ich halte meinen Becher über die Theke – und warte. Vier Mitarbeiter nehmen Becher entgegen, ich werde gekonnt ignoriert. Ein Mann, der zwei Minuten nach mir vorne am Stand ankam, gibt seine Becher vor mir ab. Also wedle ich noch energischer mit meinem Becher. Endlich bin ich auch dran und bekomme meine zwei Euro wieder. Die Abgabe-Prozedur dauerte insgesamt rund zehn Minuten.

Bierbecher-Spende für Jugendarbeit der KSV

Wer nicht so lange warten will, hat eine Alternative. Rund 30 rote Spenden-Boxen sind um das Holstein-Stadion verteilt. Auch an den Aufgängen zur Osttribüne stehen sie. Wer seinen Bierbecher hier reinwirft, spendet die zwei Euro Pfand der Jugendarbeit der KSV. Vergangene Saison kamen so laut Vereinsangaben 7622 Euro zusammen.

Der Trend scheint aber zum Stapeln zu gehen. Im Stadion trinkt mein Stehnachbar sein Bier aus einem Becherstapel: Vier Becher aufeinander gesteckt, im oberen das Bier. Nach Spielende balancieren einige Fans bis zu elf Becher auf einmal zu den Ständen. Ist man mit einer Gruppe im Stadion, muss so immer nur einer zur Abgabe gehen. Das entlastet die Stände und spart Nerven.

Einwegbecher vor dem Stadion

Lange Wartezeiten und etwas unorganisierte Stände: Das ist das Fazit des Tests. Dafür wird die Umwelt durch die Mehrwegbecher geschont. Im Stadion liegen außerdem fast keine Becher mehr auf dem Boden. Doch als ich das Stadion verlasse, erstreckt sich vor mir plötzlich ein Meer aus zerknüllten Plastikbechern. Denn auf dem Stadionvorplatz werden auch Getränke verkauft – in Einwegbechern.

Mehr zu Holstein Kiel lesen Sie hier.

40 solide Minuten in Bielefeld, jetzt 90 überzeugende gegen den Hamburger SV: Young-Jae Seo ist einer der Gewinner der vergangenen Tage bei Fußball-Zweitligist Holstein Kiel. Jetzt will der Südkoreaner mehr - schließlich geht es auch um seine Zukunft bei den Störchen.

Marco Nehmer 12.11.2019

Unter den Zuschauern der Heimspiele von Holstein Kiel befindet sich bei jeder Partie eine Gruppe sehbehinderter Fans. Damit die blinden Besucher das Geschehen auf dem Rasen verfolgen können, kommentieren Reporter für sie das Spiel. Nun wurde das Projekt vom DRK für den Bürgerpreis nominiert.

Steffen Müller 12.11.2019

Beleidigungen, Bierduschen, Provokationen: Die Situation auf der Osttribüne des Holstein-Stadions während des Fußball-Zweitligaspiels zwischen Holstein Kiel und dem Hamburger SV (1:1) sorgt für Ärger in der Kieler Fanszene. Viele HSV-Anhänger hatten sich unter die Störche-Fans gemischt.

Marco Nehmer 25.12.2019