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Holstein Kiel Uwe Stöver: Es ging immer nur um Ole Werner
Sport Holstein Kiel Uwe Stöver: Es ging immer nur um Ole Werner
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09:32 19.11.2019
Von Marco Nehmer
Uwe Stöver ist seit Anfang Oktober der Geschäftsführer Sport bei Holstein Kiel. Quelle: Pat Scheidemann
Kiel

Herr Stöver, Sie sind seit der vergangenen Länderspielpause im Amt. Jetzt ist wieder Pause. Wie fällt Ihr Fazit des sportlich Erreichten aus?

„Wir hatten zwischen den beiden Länderspielpausen vier anspruchsvolle Spiele. Unterm Strich sind sieben Punkte okay, aber es hätten durchaus neun oder zehn sein können oder sogar müssen. Wir haben zuletzt gegen den HSV zwei Punkte weniger geholt, als wir hätten holen müssen. Wir haben es aber aufgearbeitet. Es bleibt gar nicht viel Zeit, um Trübsal zu blasen.“

Nach der Länderspielpause geht es nach Wiesbaden und dann nach Dresden. Ist der Druck noch höher, dort punkten zu müssen?

„Der Druck ist gleichbleibend hoch und wird es bis zum Ende der Saison sein. Jetzt geht es darum, gegen Mannschaften zu bestehen, die tabellarisch nicht weit von uns weg sind. Wir haben bis Weihnachten von fünf Spielen noch vier Auswärtsspiele. Es ist weiterhin anspruchsvoll.“

Drei Top-Spiele, das wichtige Heimspiel gegen Bochum, dazu mit der Trainerentscheidung Ihre erste wegweisende Amtshandlung – es gibt entspanntere Einstände.

„Der Monat war natürlich ereignisreich und intensiv. Es galt, in der Kürze der Zeit nicht nur die Trainerfrage zu klären, sondern auch Grundlagen zu schaffen und sich ein Bild vom Kader zu machen.“

Wie viele schlaflose Nächte hat Ihnen die Trainerfrage bereitet?

„Nicht eine einzige. Es galt für mich, eine Bewertung der Situation vornehmen zu können. Wenn man so viele Gespräche führt, dann braucht das seine Zeit. Die haben wir uns genommen. Ich glaube, dass es in dieser Konstellation zur Mannschaft und zum Verein passt. Das ist ein ganz wesentlicher Faktor neben den anderen Dingen, die ich gesehen habe.“

Welche Dinge waren das?

Ole Werners Auffassung über seine Arbeit. Was will er erreichen, wie will er es erreichen? Wie kommuniziert er mit der Mannschaft, welche Anerkennung findet er? Welche fachlichen Qualitäten bringt er mit? Wie belastbar ist er für eine solche Situation? Wer Ole Werner kennt, der weiß, dass er jemand ist, der kaum aus der Fassung zu bringen ist. Es gab viele Dinge, die für ihn gesprochen haben. Und es gab viele Dinge, die gegen andere Kandidaten gesprochen hätten.“

Steckbrief: Uwe Stöver

Geburtstag: 8. Februar 1967.

Geburtsort: Wuppertal.

Stationen als Fußballprofi: 1989 – 1993 Bayer Leverkusen, 1993 – 1995 VfL Bochum, 1995 – 1999 1. FSV Mainz 05.

Stationen als Trainer: 1998 –1999 Mainz 05 A-Jugend, 2000–2001 Mainz 05 (Amateure), 2001 1. FC Kaiserslautern A-Jugend, 2001 – 2003 Kaiserslautern (Amateure), 2003 – 2007 Leiter des FCK-Nachwuchsleistungszentrums.

Stationen als Manager: November 2007 – März 2009 Geschäftsführer Sport bei Wehen Wiesbaden, 2009 – 2015 Geschäftsführer Sport beim FSV Frankfurt, Dezember 2015 – Mai 2016 Sportdirektor bei Holstein Kiel, Mai 2016 – Juni 2017 Sportdirektor beim 1. FC Kaiserslautern, Oktober 2017 – April 2019 Geschäftsleiter Sport beim FC St. Pauli.

Sie haben sich also erst gar nicht mit Alternativen wie Markus Kauczinski beschäftigt?

„Es ging immer nur darum, ob wir das mit Ole hinbekommen oder nicht. Das war die Kernfrage. Ich habe mich weder mit Markus Kauczinski noch mit irgendeinem anderen Trainer getroffen, unterhalten, Angebote unterbreitet oder sonst etwas. Die Spekulationen waren an den Haaren herbeigezogen.“

Haben Sie sich durch das Bekenntnis der Mannschaft zu Werner unter Druck gesetzt gefühlt?

„Ich finde, dass vor allem die Führungsspieler, von denen man so etwas auch erwarten muss, eine Meinung haben sollten. Ich hatte mich mit Hauke Wahl vorher schon unterhalten. Es war für mich daher nichts Neues. Es ist nur noch einmal seinerseits öffentlich zum Ausdruck gebracht worden.“

Nichts Neues ist auch, dass Sie weiterhin Werners Doppelbelastung mit der Fußballlehrer-Ausbildung managen müssen.

„Man muss dieses Thema durchspielen. Ich habe Gespräche geführt mit dem Trainer- und Funktionsteam. Haben sie die Qualität, dass wir das hinbekommen? Welche Vorgaben muss der Trainer machen für die Zeit seiner Abwesenheit? Die schwierigen Phasen kommen ja erst noch. Zwischen dem 20. Januar und dem 6. April gibt es sieben Abstellungen. In diesem Zeitraum wird die Doppelbelastung für Ole Werner noch einmal deutlich höher sein als sie es bis Weihnachten ohnehin schon ist. Ab 20. Januar werden wir alle noch stärker gefordert sein, um diese besondere Herausforderung zu meistern.

Sehen Sie die Mannschaft dafür gerüstet?

„In erster Linie finde ich, dass die Mannschaft auch wirklich eine Mannschaft ist. Die Spieler verstehen sich untereinander. Es gibt ältere Spieler, die schon etwas mehr erlebt haben. Aber es sind auch sehr viele junge Spieler dabei. Die gilt es zu entwickeln – und zwar so schnell wie möglich. Das hat Holstein Kiel in den vergangenen Jahren immer ganz gut hinbekommen. Wir hoffen, dass wir es wieder hinbekommen.“

Was fehlt der Mannschaft noch?

„Die Mannschaft hat eine Struktur. In den vergangenen Jahren war die Achse an gestandeneren Spielern aber etwas größer, die Hierarchie war klarer. Wir müssen schauen, wie sich die Dinge entwickeln. Der Auftrag, den ich bekommen habe, ist die weitere Etablierung in der Zweiten Liga. Ich glaube, dass es in dieser Saison anspruchsvoller wird als in den Jahren zuvor, auch bedingt dadurch, dass eben viele junge Spieler dabei sind, die sich auf diesem Niveau erst beweisen müssen. Es ist ambitioniert und wird es möglicherweise auch bis zum Ende sein.“

Muss man also auf dem Markt nochmal aktiv werden?

„Wir werden die Dinge ganz in Ruhe bewerten. Wir werden uns in der kommenden Woche mit dem Trainer- und Scoutingteam zusammensetzen und unseren Kader und seine Leistungsfähigkeit bewerten. Wir werden daraus Erkenntnisse für die Zukunft ziehen.“

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Können Sie ausschließen, dass im Winter Leistungsträger abgegeben werden?

„Ich habe mich im Laufe der Jahre davon freigemacht, Dinge auszuschließen. Ich kann im Fußball gar nichts ausschließen. Wenn ich hier als Verantwortlicher des FC Bayern sitzen würde, könnte ich Ihnen sagen: Das kann ich ausschließen. Wir können das aber nicht. Wenn ein Verein aus der Premier League kommt und zwölf Millionen Euro für einen Spieler hinlegt, kann ich schlecht nein sagen.“

Sind Umbrüche für einen Klub wie Holstein Kiel unvermeidbar?

„Der Verein und die handelnden Personen haben sich das in den vergangenen Jahren sicherlich auch nicht so gewünscht. Aber das ist der Lauf der Dinge, wenn Spieler sich ins Rampenlicht spielen. Dagegen kann man sich nur sehr selten wehren. Ich habe das in nahezu allen Vereinen erlebt, in denen ich war. In Frankfurt waren es Mathew Leckie und Sascha Mölders, beim 1. FC Kaiserslautern erst Jean Zimmer, Marius Müller und Bödvarsson, später dann auch Julian Pollersbeck und Robin Koch.

Kann man solche Spieler auf dem umkämpften Markt überhaupt noch für sich entdecken?

„Man steht mit vielen anderen Vereinen in Konkurrenz um diese Spieler. Das Becken Dritte Liga und Regionalliga ist aber immer noch groß. Man kann noch etwas machen auf dem Transfermarkt – man muss halt nur wissen, wo.“

Muss man eventuell auch mal nach Skandinavien schauen?

„Die räumliche Nähe zu den Nordländern ist für uns natürlich relevant. Aber das heißt nicht, dass wir nur auf dem Markt unterwegs sind.“

Sehen Sie den Klub im Bereich Scouting denn gut aufgestellt?

„Es ist schon so, dass wir im Scouting vielleicht noch einmal Dinge überdenken und gegebenenfalls erweitern müssen. Die Erst- und Zweitligisten sind in diesem Bereich in den vergangenen Jahren unheimlich gewachsen und können entsprechende Länder und Ligen damit abdecken. Das wird ein Ansatz sein, darüber vermehrt nachzudenken. Da haben wir noch Entwicklungspotenziale.“

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