Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Holstein Kiel Nordduell um die Macht im DFL-Präsidium
Sport Holstein Kiel Nordduell um die Macht im DFL-Präsidium
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 21.08.2019
Von Marco Nehmer
Steffen Schneekloth (li., Präsident von Holstein Kiel) gegen HSV-Boss Bernd Hoffmann: Beide wollen dritter stellvertretender Sprecher des DFL-Präsidiums werden.
Anzeige
Kiel/Berlin

Das erste Nordderby der noch jungen Zweitliga-Saison steht an. Und es wird nicht auf dem Platz ausgetragen. Denn bevor Holstein Kiel gegen den FC St. Pauli (Montag, 20.30 Uhr) ran muss, bevor die Kiezkicker gegen den Hamburger SV spielen (16. September), und auch weit bevor wiederum der HSV am 13. Spieltag bei den Störchen gastiert, kommt es am Mittwoch zum Aufeinandertreffen gleich aller drei Klubs. Auf der Generalversammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in Berlin geht es um die Machtposten in der Schaltzentrale des Fußballs in der Republik.

Mittendrin: Holsteins Präsident Steffen Schneekloth, sein Pauli-Pendant Oke Göttlich, und schließlich HSV-Boss Bernd Hoffmann. Ein Trio ringt um die Macht im Ligaverband, die am Mittwoch verteilt wird, wenn Präsidium, Lizensierungsausschuss und Aufsichtsrat der DFL für die kommenden drei Jahre neu gewählt werden. Es geht um das Mitspracherecht bei richtungsweisenden Themen – TV-Verträge, oder der neue Grundlagenvertrag zwischen DFL und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) ab 2023.

Anzeige

Zur Person: Das ist Steffen Schneekloth

Der 55-jährige Rechtsanwalt ist seit Juni 2017 Präsident der KSV Holstein als Nachfolger des verstorbenen Roland Reime. Zuvor war Schneekloth mehr als zwei Jahrzehnte in der Spielerberater-Branche tätig, betreute unter anderem Profis wie den Ex-Storch und heutigen Werder-Spieler Fin Bartels. Nach seinem Ausstieg aus dem Geschäft kritisierte er die Praktiken innerhalb seines ehemaligen Berufsstands.

Bisher befindet sich nur einer der drei Nord-Rivalen im elitären Kreis der DFL-Entscheider innerhalb des Präsidiums: KSV-Präsident Schneekloth. Seit Oktober 2018 ist der Rechtsanwalt und frühere Spielerberater Teil des Gremiums. Als Nachfolger von Soeren Oliver Voigt, der durch den sportlichen Abstieg von Eintracht Braunschweig in die Dritte Liga aus dem Gremium ausgeschieden war, vertritt Schneekloth seitdem an der Seite von Rüdiger Fritsch (Präsident Darmstadt 98) die Interessen der Zweitligisten im Ligaverband.

Duell Steffen Schneekloth vs. Bernd Hoffmann um Stellvertreter-Posten

"Die Arbeit in diesem Gremium sowie die Zusammenarbeit mit den Vertretern der Zweiten Liga war offenbar so zielführend und vertrauensvoll, dass die Zweitliga-Vertreter Rüdiger Fritsch und mich vorgeschlagen und gebeten haben, auch im neuen Präsidium des DFL e.V. zur Verfügung zu stehen", erklärt Schneekloth. "Da ich mich als Mannschaftsspieler verstehe, habe ich daraufhin beschlossen, für dieses Amt zu kandidieren."

Vor allem kann Schneekloth seine Macht und damit das Gewicht Holsteins Kiels im Präsidium erweitern: Er steht als dritter stellvertretender Sprecher des DFL-Präsidiums zur Wahl, wäre damit im Rahmen der neuen Gremiumsstruktur hinter DFL-Geschäftsführer Christian Seifert, der als erster Sprecher fungiert, dem ohne Gegenkandidaten zur Wahl stehenden ersten stellvertretenden Sprecher, Schalkes Finanzvorstand Peter Peters, und der Nummer drei, entweder Klaus Filbry von Werder Bremen oder Oliver Leki vom SC Freiburg, der vierte Mann in der Hierarchie.

Holsteins Aufsichtsratsvorsitzendem Dr. Stefan Tholund zufolge würde Schneekloths Wahl dokumentieren, "dass Holstein Kiel auf der bundesweiten Bühne des Profifußballs angekommen ist und dort partnerschaftlich aufgenommen wird". Tholund betont: "Der Verein wäre noch besser vernetzt und würde davon profitieren."

Die starken Männer in Berlin

Wenn am Mittwoch die Vertreter der 36 Klubs der Ersten und Zweiten Bundesliga zusamenkommen, und mit ihnen Holstein Kiels Steffen Schneekloth, geht es nicht nur um die Neuvergabe der wichtigen Posten innerhalb der DFL, sondern auch um den Auftritt von Fritz Keller. Der von der Findungskommission nominierte DFB-Präsidentschaftskandidat wird sich den Profivereinen vorstellen. Ende September soll der 62 Jahre alte Präsident des SC Freiburg dann ins Amt gewählt werden. Kellers Auftritt fällt zeitlich und räumlich zusammen mit dem Abtritt des bisherigen DFL-Präsidenten Reinhard Rauball. Die Generalversammlung markiert das Ende der Amtszeit des Liga-Funktionärs. Das Amt des Präsidenten ist im Zuge der Strukturreform nicht mehr vorgesehen - was vor allem DFL-Geschäftsführer Christian Seifert stärken wird.

Doch Schneekloth hat einen mächtigen Gegenspieler: HSV-Macher Bernd Hoffmann. "Es geht um die Zukunft des Fußballs", lässt sich der Vorstandsvorsitzende der HSV Fußball AG im "Hamburger Abendblatt" zitieren. Starke Worte eines Mannes mit starker Lobby. Denn die stellvertretenden Sprecher werden – anders als die weiteren vier Präsidiumsmitglieder – nicht von den Teilversammlungen der Ersten und Zweiten Liga gewählt, sondern von allen 36 Vertretern. Als Funktionär eines Klubs, der in Erstliga-Dimensionen denkt, vor allem bei der Verteilung von TV-Geldern, dürfte Hoffmann wohl bei den Kollegen aus dem deutschen Oberhaus favorisiert sein.

Holstein Kiel: Steffen Schneekloth setzt auf das Kernthema Solidarität

Sollte Schneekloth Hoffmann in diesem Wahlgang unterliegen, kann er noch von der Teilversammlung der Zweitligisten wie bisher zum einfachen Präsidiumsmitglied bestimmt werden. Auf der Kandidatenliste befinden sich hier neben Schneekloth und Hoffmann noch Paulis Göttlich, Schneekloths bisheriger Kollege Fritsch sowie Jürgen Machmeier vom SV Sandhausen. Hoffmann wäre, um im Szenario zu bleiben, durch seine Wahl zum dritten stellvertretenden Sprecher von der Liste. Vier Kandidaten für zwei Plätze – es könnte klappen.

Schneekloth jedenfalls möchte die Arbeit im Präsidium, die er als "sehr konstruktiv und vertrauensvoll" beschreibt, gerne fortsetzen. Schließlich hat er eine Agenda: "Die Zweite Liga muss für die Bundesliga und die DFL GmbH weiter ein verlässlicher und berechenbarer Partner sein. Dafür ist der Zusammenhalt der Zweitliga-Vereine ein wichtiger Baustein", sagt Schneekloth, der zudem für den Aufsichtsrat kandidiert. "Ich möchte mich auch künftig dafür einsetzen, dass das so bleibt."

Es sei sein Anliegen, "dass die 36 Profiklubs unter dem Dach der DFL weiter den Gedanken der Solidarität leben". Zwischen diesem Anliegen und seiner Umsetzung durch Steffen Schneekloth steht aber heute erst einmal die Wahl. Sie wird auch ein Stück weit zum Nordderby mit bundesweiter Bedeutung.

Weitere Nachrichten über Holstein Kiel lesen Sie hier.

Andrè Haase 20.08.2019
Michael Felke 20.08.2019
Michael Felke 20.08.2019
Anzeige