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Holstein Kiel Ole Werners Zahlen-Zeugnis: Was seit dem Trainerwechsel besser läuft
Sport Holstein Kiel Ole Werners Zahlen-Zeugnis: Was seit dem Trainerwechsel besser läuft
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14:08 19.11.2019
Von Marco Nehmer
Ein besonnener Analytiker, der dabei ist, die richtige Mischung für die Mannschaft zu finden: KSV-Cheftrainer Ole Werner. Dass er aber noch Arbeit vor sich hat, haben das HSV-Spiel und der Union-Test gezeigt. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Ein Märchen in der Länderspielpause? Nein, nichts als die Werner-Wahrheit: Mit dem späten Gegentreffer des Hamburger SV zum 1:1-Endstand hat Holstein Kiel am vergangenen Spieltag den Sprung auf Platz drei verpasst. So bleiben die Störche weiter Fünfter – in der virtuellen Ole-Werner-Tabelle. Seit der ehemalige U23-Coach das Cheftrainer-Amt beim Fußball-Zweitligisten innehat, läuft einiges anders bei der KSV.

Zehn Zähler hat Werner mit den Störchen geholt, in sieben Spielen die Punkteausbeute von Vorgänger André Schubert (fünf Punkte in sechs Spielen) verdoppelt. Dass Holstein in den zwei Monaten seit dem Trainerwechsel nur um vier Plätze auf Rang zwölf geklettert ist, dünne zwei Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz 16 hat, spricht für die extrem ausgeglichene Liga. Umso wichtiger, auf dem Platz zu funktionieren. Gelingt das der KSV mittlerweile besser als unter dem glücklosen Schubert?

Klar ist: Holstein Kiel hat nach dem sechsten Spieltag, Schuberts letztem Arbeitstag als Trainer der Störche (0:3 in Heidenheim), eine andere Handschrift bekommen. Eine effizientere Handschrift. Ein bisschen weniger von dem, was es im Überfluss gab. Und deutlich mehr von dem, wovon Mangel herrschte.

Weniger Ballbesitz, höhere Effektivität

Unter Schubert häufte Holstein im Schnitt 60,3 Prozent Ballbesitz an, der überwiegend nutzlos verpuffte. Unter Werner überlässt die Mannschaft in gewissen Spielphasen dem Gegner den Ball, wenngleich die DNA weiter die einer spielstarken Truppe ist. Der Extremfall war sicherlich der 1:0-Sieg der KSV in Stuttgart, als Holstein lediglich auf 37,7 Prozent Spielanteile kam. Eine bewusste Entscheidung im Sinne des Matchplans. Unter Werner, der hier flexibler als Schubert ist, sinnvolle Anpassungen vornimmt, kommt die KSV im Schnitt auf 50 Prozent Ballbesitz.

Weniger Dominanz, dafür zwingender in den Bereichen, in denen es wirklich drauf ankommt: vor den beiden Toren. Zehn Gegentore hat die KSV unter Schubert kassiert, unter Werner – bei einem Spiel mehr – nur noch acht. Dabei ging es zuletzt fast ausschließlich gegen die Topteams der Liga.

Werner konnte die durchschnittlich zugelassenen Torschüsse aufs eigene Tor auf 10,43 drücken – das sind vier Schüsse weniger pro Spiel als in der kurzen Ära Schubert. Zugleich sind auch die eigenen Abschlüsse von 17 auf 13,71 gesunken. Trotzdem ist der Ertrag höher: 1,43 Tore pro Spiel unter Werner gegenüber 0,83 unter Schubert. Frappierend: Für einen Treffer braucht die Werner-KSV 9,59 Abschlüsse. Vorher waren es mehr als doppelt so viele (20,48).

Holstein Kiel: Eine große Baustelle bleibt

Holstein gelingt es unter Ole Werner besser, den Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten – Ausnahmen wie gegen den HSV bestätigen hierbei die Regel. Die Konter-Absicherung greift besser, die Räume sind effektiver besetzt. Dass die KSV bedeutend weniger läuft als noch unter Schubert, nämlich im Schnitt mehr als vier Kilometer weniger pro Spiel, zeugt weniger von mangelnder Fitness. Vielmehr ist der Zugriff auf den Gegner optimiert.

Trotzdem ist längst noch nicht alles gut. Wenn die Mannschaft den Gegner nicht clever genug anläuft – das hat auch das 0:3 im Test bei Union Berlin gezeigt –, bekommt die KSV Probleme. Dazu funktioniert auch das Herausspielen von Chancen noch nicht wie gewünscht. Werner spricht in diesem Zusammenhang gern vom „Übertrag“ im letzten Drittel.

Es ist die große Baustelle. Und für Tiefenbohrungen auf dieser Baustelle bleibt kaum Zeit: Bis Weihnachten geht es für die Störche Schlag auf Schlag. Am Sonnabend geht es zum SV Wehen Wiesbaden (13 Uhr, im KN-Liveticker), dann zum Auswärtsspiel nach Dresden (30.11.). Danach kommt der VfL Osnabrück (7.12.), und dann geht es nochmal auf zwei weite Touren nach Nürnberg (15.12.) und Sandhausen (22.12.).

Fünf Spiele, viermal in der Fremde. Und die Tabellensituation verzeiht keine Fehler. Wie viele Punkte sich Holstein Kiel bis Heiligabend noch unter den Weihnachtsbaum legen kann – das wird am Ende die entscheidende Zahl sein.

Zahlen im Überblick

Punkte

Bis zum sechsten Spieltag (unter Schubert): 5 (0,83 pro Spiel)

Nach dem sechsten Spieltag (unter Werner): 10 (1,43 pro Spiel)

Tore gesamt

Bis zum sechsten Spieltag: 5 (0,83 pro Spiel)

Nach dem sechsten Spieltag: 10 (1,43 pro Spiel)

Gegentore gesamt

Bis zum sechsten Spieltag: 10 (1,67 pro Spiel)

Nach dem sechsten Spieltag: 8 (1,14 pro Spiel)

Torschüsse pro Spiel

Bis zum sechsten Spieltag: 17

Nach dem sechsten Spieltag: 13,71

Torschüsse des Gegners pro Spiel

Bis zum sechsten Spieltag: 14,67

Nach dem sechsten Spieltag: 10,43

Torschüsse pro Tor

Vor dem sechsten Spieltag: 20,48

Nach dem sechsten Spieltag: 9,59

Ballbesitz

Bis zum sechsten Spieltag: 60,3 Prozent

Nach dem sechsten Spieltag: 50 Prozent

Passquote

Bis zum sechsten Spieltag: 82,3 Prozent

Nach dem sechsten Spieltag: 77,4 Prozent

Zweikampfquote

Bis zum sechsten Spieltag: 49 Prozent

Nach dem sechsten Spieltag: 50 Prozent

Laufleistung pro Spiel

Bis zum sechsten Spieltag: 118,95 Kilometer

Nach dem sechsten Spieltag: 114,67 Kilometer

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