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Holstein Kiel Holstein Women suchen die Unabhängigkeit
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07:00 04.09.2019
Von Jan-Phillip Wottge
Teamansprache von Trainer und Manager Bernd Begunk vor dem Training an die Holstein Women. Quelle: Frank Peter
Kiel

Für bundesweite Schlagzeilen sorgte im April 2018 die Nachricht, dass Holstein Kiel seine Frauenfußball-Abteilung vor die Tür setzen will, „um sich ganz der Arbeit im Herrenbereich und im männlichen Nachwuchs zu widmen“. Das Medienecho war gewaltig. 

Kieler Frauenteams solidarisierten sich, Hilfe kam auch aus der Politik. Holstein Kiel vollzog schließlich die Rolle rückwärts und strebte für die Zukunft Schritt für Schritt eine wirtschaftliche Unabhängigkeit des Frauenteams an.

Schock-Nachricht von Holstein Kiel kam ohne Vorwarnung

„Diese Nachricht hat uns damals alle geschockt, weil sie ohne Vorwarnung kam. Wir wurden einfach vor vollendete Tatsachen gestellt“, erinnert sich Victoria Bendt. Die 27-jährige Torhüterin ist ein Holstein-Urgestein, kickt seit 14 Jahren für den Verein, erlebte sportliche Höhen und Tiefen. Der April 2018 stellte alles in den Schatten: „Man bekam das Gefühl, dass man uns nie richtig wollte.“

Das Team von Coach Bernd Begunk sollte an den VfB Kiel, wo die Frauen ihre Heimspiele austrugen, abgeschoben werden. Der Knackpunkt: Sie hätten in der A-Klasse starten müssen.

„Der Leistungsfußball in Kiel wäre auf einen Schlag beendet worden. Wir wussten nicht, wie wir damit umgehen sollten“, erklärte die 23-jährige Samanta Carone, die immerhin seit elf Jahren bei den Störchen spielt.

Andere Frauenteams solidarisierten sich mit Holstein Women

Doch der öffentliche Druck durch die Solidaritätsbekundungen der Kieler Fußballerinnen unter dem Motto „Aufstehen für Vielfalt. In Kiel sind wir ein Team“ sowie durch die Medien und auch aus der Politik sorgten für die Wende und ein Umdenken.

„Wir haben viel Zuspruch erfahren. Die Politikerin Aminata Touré hat sich sehr für uns eingesetzt“, sagt KSV-Coach Begunk. Die Konsequenz: Die Frauen durften bleiben, sollten aber künftig den Spielbetrieb aus eigenen Mitteln finanzieren.

Doch das ist auch gut ein Jahr nach der Fast-Trennung nicht der Fall. Der Verein zahlt weiter Unterhalt. „Es ist nicht leicht, Sponsoren für den Frauen-Fußball zu akquirieren. Umso wichtiger ist es, dass wir treue Sponsoren haben“, betonen Carola Bendt und Marian Thiessen, die für Finanzen und Organisation des Frauenteams verantwortlich sind.

Und Begunk stellt nochmals klar: „Der Etat für ein Regionalligateam bei den Frauen ist weitaus geringer als für ein Oberligateam bei den Herren.“

Vieles hat sich für die Holstein Women verbessert

Und dennoch hat sich einiges zum Positiven gewendet. „Die Kommunikation hat sich deutlich verbessert“, erkärt Begunk. „Wir werden gehört, stehen im ständigen Austausch mit Holsteins Führungsspitze um Steffen Schneekloth und Wolfgang Schwenke. Man kennt uns jetzt.“ 

Zudem trainieren alle Frauen-Fußballteams Regionalliga-Frauen, U 23, U 17) seit dem Sommer 2018 auf dem PTSK-Kunstrasenplatz. Und: Alle Frauen-Teams sind nun einheitlich gekleidet. Eine Linie ist deutlich erkennbar. 

Was fehlt noch? „Wir müssen unsere U 17 in den Wettbewerb bringen“, fordert Begunk, „sonst verläuft unsere Nachwuchsförderung im Sand. Es gibt jedoch aktuell keinen vernünftigen Spielbetrieb.“ Und auch Victoria Bendt hat einen Wunsch: „Die Frauenteams von Holstein bräuchten einen Ankerplatz. So etwas wie einen eigenen Raum, wo man sich trifft und besprechen kann, ohne dass man anschließend alles wieder wegräumen muss.“

Sonnabend kommt der 1. FC Köln zur ersten Runde im DFB-Pokal

Am Sonnabend um 14 Uhr steht der Sport im Vordergrund. Bundesligist 1. FC Köln kommt zum Zweitrundenspiel im DFB-Pokal auf die Waldwiese. Klar ist: Selbst eine Pokalsensation dürfte nicht so ein bundesweites Medienecho auslösen wie der (Fast-)Rauswurf aus dem eigenen Klub.

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