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Holstein Kiel Kinsombi erteilt sich Torjubel-Erlaubnis
Sport Holstein Kiel Kinsombi erteilt sich Torjubel-Erlaubnis
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06:46 07.11.2019
Von Marco Nehmer
Blickt am Sonnabend seiner jüngeren Vergangenheit ins Auge: David Kinsombi, der vor seinem Wechsel zum HSV bis zum Sommer in Kiel gespielt hatte. Quelle: imago/Philipp Szyza
Hamburg/Kiel

David Kinsombi ist ein Zeitreisender. Ein wenig muss er sich zumindest dieser Tage so fühlen. Am vergangenen Sonntag spielte er, der Mittelfeldspieler vom Hamburger SV, in der Zweiten Fußball-Bundesliga beim SV Wehen Wiesbaden vor, erzielte beim 1:1 sogar ein Tor. Gegen jenen Klub, für den er – ein Kind der Region, geboren in Rüdesheim – in der Jugend sieben Jahre lang gekickt hatte. Am Sonnabend (13 Uhr, im KN-Liveticker) gibt es nun die erneute Begegnung mit der Vergangenheit. Nächster Halt auf Kinsombis Es-war-einmal-Tour: Holstein Kiel. Sein Sprungbrett.

„Ich habe auch bei meinen vorigen Stationen viel mitgenommen. In Frankfurt bin ich als 18-Jähriger unter Routiniers reingeworfen worden, in Magdeburg war ich zum ersten Mal allein von zuhause weg“, sagt Kinsombi, trotz seiner Erfahrung immer noch erst erstaunliche 23 Jahre alt. Kiel allerdings habe, so Kinsombi, gerade für seine Außenwahrnehmung eine Sonderrolle: „Es war eine Schlüsselstation.“

Seine Entwicklung bei den Störchen war rasant, sein Weg von einigen wenigen Rückschlagen und vielen Triumphen gesäumt. So etwas schweißt zusammen – weit über eine Karrierestation hinaus. „Ich habe in Kiel den einen oder anderen Freund dazugewonnen“, sagt Kinsombi, dessen Wechsel an die Elbe im April – da spielte der HSV noch um die Rückkehr in die Bundesliga – öffentlich wurde

Drei Millionen Ablöse: "Damit habe ich nichts zu tun"

Kinsombi, vom Kapitän zum Königstransfer. Drei Millionen Euro blätterten die Hamburger für ihn hin. Viel Geld, viel Verantwortung? „Das sind Dinge, mit denen ich eigentlich nichts zu tun habe“, sagt Kinsombi, der einfach nur Fußball spielen will.

Wie in Kiel, als er binnen kürzester Zeit im Sommer 2017 zum Stammspieler avancierte, sich erst unter Markus Anfang unverzichtbar machte, knapp am Durchmarsch in die Bundesliga vorbeischrammte, und dann auch unter Tim Walter zur tragenden Säule wurde, von Rafael Czichos mit gerade einmal 22 Jahren die Kapitänsbinde übernahm.

Bis zu seinem Schienbeinbruch im Winter machte Kinsombi zeitweise den Unterschied, glänzte in den beiden unvergessenen Spielen gegen den HSV mit drei Toren und einer Vorlage. Vor allem das Rückspiel, das 3:1 am 23. Dezember 2018, war ein beeindruckendes Kunstwerk der Willenskraft.

"Fußball, Kampf - wir sind zu allem bereit"

„Wir hatten diese Galligkeit, dem HSV ein Bein stellen zu wollen und zeigen zu können, was wir drauf haben“, blickt Kinsombi auf einen denkwürdigen Tag zurück. Und mit den Lehren aus seiner KSV-Vergangenheit auf das, was am Sonnabend auf ihn und den HSV zukommt, voraus: „Wir wissen, dass wir auf eine besondere Atmosphäre treffen. Und wir wollen einfach ein geiles Spiel abliefern – mit allem, was dazugehört. Fußball, Kampf – wir sind zu allem bereit.“

Zu allem, wirklich zu allem bereit. Auch zum Jubeln. Wie in Wiesbaden bei seinem Ex-Klub, als es aus Kinsombi, der in Hamburg mit einem Muskelfaserriss in der Vorbereitung einen denkbar schlechten Start erwischt hatte, beim Führungstreffer herausplatzte. „Wenn man sich ein Trikot überstreift, mit den Jungs ackert und letztendlich ein Tor schießt, dann sollte es keinem verwehrt sein, sich darüber zu freuen“, sagt er.

Ob er am Ende auch über die drei Punkte jubeln darf? Holstein ist dem Pokal-Aus und der knappen Niederlage (1:2) in Bielefeld zum Trotz in Form, hat in Stuttgart und bei der Arminia gezeigt, dass man mit den Schwergewichten der Liga mithalten kann. „Sie haben es in den vergangenen Wochen gut gemacht, haben einen positiven Trend gezeigt“, sagt auch Kinsombi anerkennend. Und er betont: „Holstein hat einen spielerischen Ansatz, aber er ist gepaart mit großem Kampfgeist. Das ist für keinen Gegner leicht.“

Unruhe? Zweifel? Nein, beteuert Kinsombi

Dass der Tabellenführer sich strecken muss, scheint klar. Das furiose 6:2 gegen den VfB Stuttgart verblasst ein wenig durch das Aus im Pokal und den späten Punktverlust bei Underdog Wiesbaden. „Wer vor der Saison gedacht hat, dass man durch die Saison spazieren kann und nach Belieben die Punkte einfährt, der hat sich definitiv vertan“, sagt Kinsombi.

Unruhe? Zweifel? Nein, beteuert David Kinsombi. „Was vergangen ist, ist vergangen. Die jüngsten Ergebnisse haben keinen Einfluss auf die Stimmung“, sagt er. „Wir wissen, dass am Sonnabend eine neue Aufgabe auf uns zukommt. Darauf konzentrieren wir uns.“

Eine Aufgabe, die für ihn eine spezielle wird. Willkommen zurück, Kapitän – wenn auch nur für 90 Minuten.

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