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Holstein Kiel So ein Holstein-Duo gab es lange nicht
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12:40 04.02.2020
Von Marco Nehmer
Auf den Knien ins Glück: Fabian Reese (li.) und Finn Porath (Mitte) rutschen sich nach dem 2:0 in Karlsruhe entgegen. Phil Neumann (re.) feiert mit. Quelle: imago/Eibner
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Kiel

Das gab es eine gefühlte Ewigkeit nicht. Oder genauer: sieben Jahre, neun Monate und 18 Tage. Es ist der 15. April 2012, als Holstein Kiel beim ZFC Meuselwitz spielt. 29. Spieltag der Fußball-Regionalliga Nord. Die Störche gewinnen 3:1, heften sich damit an die Fersen von RB Leipzig und Halle. Die Torschützen zum 2:1 und 3:1: Christian Jürgensen und Florian Meyer.

Bis zum Sonnabend waren sie – Jürgensen ist gebürtiger Flensburger, Meyer ist in Preetz zur Welt gekommen – die letzten waschechten Schleswig-Holsteiner, die für die KSV im Doppel in einem Ligaspiel treffen konnten. Ihre Nachfolger: Fabian Reese und Finn Porath, Kieler Zweitliga-Tor-Duo beim 2:0 in Karlsruhe.

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Reese, in der Landeshauptstadt geboren, von Kindesbeinen an ein Storch bis zu seinem Wechsel zu Schalke 04, avancierte im zweiten Spiel nach seiner Rückkehr mit atemberaubend guten ersten 45 Minuten samt Premierentreffer zum 1:0 (26.) und tollem Assist für Porath vor dem 2:0 (31.) zum Holstein-Helden des Tages.

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„Es freut mich riesig, dass ich ein Tor und eine Vorlage beisteuern konnte“, sagte der 22-Jährige mit leuchtenden Augen. „Das ist das, was ich für meinen nächsten Schritt brauche.“ Man darf sich also auf noch mehr von ihm freuen. Der Knoten ist geplatzt, bevor er sich überhaupt festziehen konnte.

Reese, der neue Hoffnungsträger. Und: der neue Sympathieträger. Der Außenstürmer gab im Wildpark sieben Schüsse ab, setzte immer wieder zum Dribbling an, glänzte mit seiner engen Ballführung und großem Einsatz. Zu fein, sich schmutzig zu machen? Nicht Fabian Reese, der mannschaftsdienlich ackerte. Bei seiner Auswechslung in der 83. Minute war sein ehemals weißes Trikot mit der Nummer 11 völlig verdreckt und durchnässt. Die mitgereisten Fans dankten es ihm mit lautem Beifall.

„Ich hatte schon am Mittwoch bei meinem ersten Spiel im Holstein-Stadion eine Gänsehaut“, sagte Reese. „Ich habe seit der U8 für Holstein gespielt. Wenn man es dann heute geschafft hat, dass die Fans der ersten Mannschaft die eigene Leistung mit Standing Ovations honorieren, dann ist das ein sehr schönes Gefühl. Es macht mich glücklich und stolz.“

"Am Anfang war ich ein bisschen nervös"

Auch Finn Porath, in Eutin geboren und seit dem Sommer nach beendeter Leihe vom Hamburger SV in die Dritte Liga zur SpVgg Unterhaching ein Storch, war stolz nach seinem Treffer – und glücklich, dass er endlich wieder einmal von Beginn an ran durfte. Sein letzter Startelf-Einsatz? Beim Saisonauftakt im Juli gegen Sandhausen (1:1). Lange Monate musste er warten.

„Wenn es sich jemand mal verdient hat, dann Finn“, sagte Trainer Ole Werner, als Preetzer ebenfalls Teil der beachtlichen Schleswig-Holstein-Fraktion. „Er trainiert seit dem ersten Tag auf einem sehr hohen Niveau, bietet sich immer wieder an.“ Mit Erfolg. Porath gehörte bis zu seiner Auswechslung zu den stärksten Kielern auf dem Platz. Auch wenn er seine Zeit brauchte.

„Am Anfang war ich ein bisschen nervös“, gab Porath zu. „Es gibt einem aber Sicherheit, dass man bei unserem Trainer genau weiß, was man zu tun hat.“ Es war nicht nur das Spiel, das bei Porath, wie Reese Jahrgang 1997, für Nervosität sorgte. Es war auch die Position: Werner beorderte den zentralen Mittelfeldspieler auf den Flügel.

Wahl, Reese und der "Heimkehr-Effekt"

„Klar spiele ich lieber in der Mitte“, sagte Porath, „aber ich freue mich über jede Minute, die ich spielen darf.“ Dabei ist ihm der Flügel nicht fremd. Beim HSV und in Unterhaching hatte er dort hin und wieder gespielt. Und so war Porath nach einigen Aktionen auch drin im Spiel. „Er hat sich reingeknallt und Mentalität gezeigt. Finn hat es super angenommen und sich mit einem Tor belohnt“, sagte Kapitän Hauke Wahl anerkennend.

Seine Tor-Premiere löste beim Schützen unterdessen ein Déjà-vu aus. „Mein erstes Tor für Unterhaching habe ich auch per Kopf gemacht“, sagte Porath, das 1,79-Meter-Kopfball-Ungeheuer, lachend. „Vielleicht soll es einfach so sein.“ Auch ohne Tor wäre sein Auftritt eine Bewerbung für weitere Einsätze gewesen. Aber es war „das i-Tüpfelchen auf einer guten Leistung“, wie Werner sagte.

Der Durchbruch? Möglicherweise. Für Porath wie für Reese. Für den schon gegen Darmstadt überzeugenden Reese hatte Kapitän Wahl dann noch ein paar Worte übrig, die Hoffnung machen, dass die Gala keine Eintagsfliege war: „Das ist so ein bisschen der Heimkehr-Effekt, den es bei mir auch gab. Er fühlt sich extrem wohl und ist eine große Verstärkung für uns.“

Das machen Christian Jürgensen und Florian Meyer heute

Christian Jürgensen, genannt "Jürgi", spielt noch immer Fußball im Norden. Der Verteidiger steht seit seinem Weggang 2013 in seiner Heimatstadt unter Vertrag beim ETSV Weiche, seit der Fusion mit Flensburg 08 als SC Weiche Flensburg 08 bekannt.

Im Sommer wird der dann 35-Jährige allerdings seine Karriere beenden - um beim Regionalligisten Harald Uhr als Geschäftsführer abzulösen. Auch unter Jürgensen wird das Ziel der Flensburger weiterhin die Dritte Liga sein.

Bis zum Saisonende ist er aber erst einmal noch Aktiver. An seiner Seite: Florian Meyer. Auch der heute 32-Jährige ging 2013 zu Weiche, spielt dort noch heute, kommt in der laufenden Spielzeit aber auch wegen Verletzungen nicht über drei Einsätze hinaus. Im vergangenen Jahr verlängerte Meyer seinen Vertrag um drei Jahre bis 2022.

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Am Montagmorgen begrüßte Holstein Kiel-Experte Andreas Geidel bei Fritten-Andy auf dem Blücher KN-Reporter Marco Nehmer. Natürlich ging es in dem Gespräch auch um den KSV-Winterneuzugang Fabian Reese, der am Sonnabend im Auswärtsspiel beim Karlsruher SC als Torschütze und Vorbereiter überzeugte.

Andrè Haase 03.02.2020

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Marco Nehmer 01.02.2020

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