Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Holstein Kiel Die Holstein-Kiel-DNA verblasst
Sport Holstein Kiel Die Holstein-Kiel-DNA verblasst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:05 02.09.2019
Von Marco Nehmer
Chance vertan: Makana Baku (links) und Salih Özcan trauern einem verpassten Ball hinterher. Im Offensivspiel der Störche klemmt es. Quelle: Sascha Klahn
Kiel

Die Störche-DNA der vergangenen Spielzeiten? In lichten Momenten zwar noch sichtbar. Von diesen Momenten aber gab es am Sonntag gegen Erzgebirge Aue so wenige wie noch nie seit dem Amtsantritt von Trainer André Schubert. Das 1:1 war zum Sterben noch zu viel. Zum Leben aber deutlich zu wenig.

Wohlgemuth: "Wir standen ohne Bereitschaft und Esprit auf dem Platz"

Sportdirektor Fabian Wohlgemuth legte den Finger nach Spielende deutlich wie selten in die klaffende Wunde der KSV, die erst fünf Punkte auf dem Konto hat, als 15. im Keller steckt. "Wir sind ein Stück weit entfernt von der Bilanz, die wir uns vorgestellt haben. Insgesamt war die Art und Weise heute enttäuschend", sagte Wohlgemuth mit ernstem Blick. "In der ersten Halbzeit haben wir es, wie schon in den vier Spielen vorher, nicht gut gemacht. Da müssen wir uns schon fragen, warum wir ohne Bereitschaft und Esprit auf dem Platz stehen."

Diese Bereitschaft, der Geist des Störche-Fußballs anderer Tage, ist irgendwo abhandengekommen. Ohne den funktioniert das Spiel der KSV aber nicht. "Wir müssen daran arbeiten, wieder zu unserer Holstein-Kiel-Spielweise zurückzukommen", mahnte Wohlgemuth. Denn gegen Aue hatte es nicht nur an Leidenschaft gefehlt, sondern auch an der gewohnten Dominanz, die Holstein aus der Erbmasse der Saison unter Tim Walter mit in die neue Spielzeit übernommen hat.

Zum fünften Mal 0:1 im Rückstand

Die Spielanteile waren weitgehend ausgeglichen, die Schubert-Elf stand mit ihrer Dreierkette recht tief, ließ den Sachsen die lange Leine, brachte nur in den seltensten Fällen genügend Spieler für vielversprechende Offensivaktionen vor den Ball. "Es war ein bisschen träge, es gab kaum Vollgas", sagte Kapitän Hauke Wahl und sprach von einer fünfzehnminütigen Phase, "in der bei uns gar nichts lief".

Erst nach dem Seitenwechsel wurde es besser – in Folge des Gegentors (48.). Zum fünften Mal in fünf Saisonspielen kassierte Holstein das 0:1. Zum fünften Mal brauchte die KSV erst den Rückstand, um sich zu steigern. "Das machen wir nicht extra. Ich weiß nicht, woran es liegt", sagte Torwart Dominik Reimann, der beim Schuss von Jan Hochscheidt nicht gut ausgesehen hatte. "Wir müssen lernen, dass wir von der ersten Minute an mehr investieren, damit wir gar nicht erst in Rückstand geraten", sagte Wahl.

Grundsätzlich investiert die KSV viel, sehr viel sogar. Aber sie scheint ihre Mittel falsch einzusetzen. Ein Blick in die Zahlen belegt den teils absurd hohen Aufwand, den die Störche betreiben: Sie haben die zweitmeisten Ballkontakte der Liga (713 pro Spiel), spielen die zweitmeisten Pässe (488 pro Spiel), haben die fünftbeste Passquote (85 Prozent), liegen auch bei den gewonnenen Zweikämpfen auf Platz fünf mit 51,69 Prozent. Einsame Spitze ist Holstein bei der Laufleistung, hat als erste Mannschaft der Liga die 600-Kilometer-Marke geknackt. Bei den Torschüssen schließlich liegt die KSV auf Platz drei mit insgesamt 84 Versuchen. Trotzdem stehen nur fünf Tore zu Buche. 16,8 Schüsse pro Tor – eine haarsträubende Quote. Bei der Effizienz steht Holstein Kiel deshalb ligaweit auf Platz 17.

Aue war dem Sieg statistisch näher

Das hat mit mehreren Faktoren zu tun. Einerseits mit der individuellen Schussqualität, die nicht ausreicht. Andererseits, und das ist eher ein mannschaftstaktisches Problem, mit der Schussposition. Die Störche schaffen es nicht, eine Abwehrreihe derart auseinanderzuziehen, dass sich gute Abschlusswinkel ergeben. Schüsse bleiben hängen, sind aus der Not heraus geboren.

Auch hierzu eine Zahl: Gegen Aue lag der Expected-Goals-Wert, also der Wert der zu erwartenden Tore, wenn man die Trefferwahrscheinlichkeit aller Abschlüsse addiert, bei 1,4. Trotz zweier Aluminiumtreffer. Aue hätte demnach 3,7 Tore erzielen müssen, hätte das Spiel also gut und gerne, auch ohne den verschossenen Strafstoß, für sich entscheiden können. Denn auch fünf Mann gegen den Ball auf der letzten Linie – Schubert stellte das System einmal mehr um – konnten nicht verhindern, dass die Veilchen gefährlich durchkommen. Es passt also buchstäblich vorne und hinten nicht.

André Schubert hatte in der Saisonvorbereitung mantraartig betont, dass es Monate dauern würde, bis alles sitzt. Nur: Im Moment sitzt noch gar nichts, allenfalls in Ansätzen. Keine Leidenschaft, wechselnde Systeme, keine feste erste Elf, Spieler in gewöhnungsbedürftigen Rollen (gegen Aue Daniel Hanslik auf Rechtsaußen, Stefan Thesker im Mittelfeld), Probleme mit und gegen den Ball – die Liste der Defizite ist lang. Nur gut, dass jetzt Pause ist.

"Jetzt haben wir zwei Wochen, um uns auf das nächste Spiel vorzubereiten", sagte Wohlgemuth. "Wir können in dieser Zeit noch einmal Abläufe stabilisieren." Tage, die wie ein Segen sind. Holstein Kiel hat sie schwer nötig.

Mehr zu Holstein Kiel erfahren Sie hier.

Fußball-Zweitligist Holstein Kiel hat nach fünf Spielen „nur“ fünf Punkte auf dem Konto und steckt im Tabellenkeller fest. Natürlich ist der eher mäßige Saisonstart auch ein Thema für den Holstein-Talk bei Fritten-Andy auf dem Kieler Blücherplatz. Gesprächsgast Niklas Jakusch äußert sich dazu.

Andreas Geidel 02.09.2019

Holstein Kiel verleiht einen echten Kieler. Noah Awuku schließt sich bis Saisonende dem Chemnitzer FC an. Der Stürmer kam mit 13 Jahren vom FC Kilia Kiel zur KSV, wo er seit 2017 zum Profikader gehört. Beim Drittligisten Chemnitz soll der Rechtsfuß Spielpraxis sammeln.

Alexander Hahn 02.09.2019

Einen schlechten Tag erwischten die Holstein Women, die in der Fußball-Regionalliga Nord beim SV Werder Bremen II mit 2:4 verloren und im dritten Spiel die erste Saisonniederlage kassierten. „Eine völlig verdiente Niederlage, die wir uns selbst zuzuschreiben haben“, meinte KSV-Trainer Bernd Begunk.

Michael Felke 02.09.2019