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Holstein Kiel Vom Schönspieler zum Startelfspieler?
Sport Holstein Kiel Vom Schönspieler zum Startelfspieler?
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07:28 25.09.2019
Von Marco Nehmer
Tolles Solo, feine Flanke: David Atangas bislang beste Szene für die KSV führte gegen Hannover zum Anschlusstreffer. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Eine Szene wie eine Befreiung. Freitagabend, Auftritt David Atanga. Der Ghanaer kommt nach 53 Minuten beim Stand von 0:2 gegen Hannover 96 für Makana Baku ins Spiel – und glänzt zehn Minuten später mit seiner besten Szene im Störche-Trikot. Zuspiel Salih Özcan, Atanga dreht schon bei der Ballannahme auf, spitzelt den Ball um den desorientierten Julian Korb herum, zieht wie eine Dampflok an ihm vorbei, setzt sich nach links in den Strafraum ab – und flankt den Ball präzise auf die Stirn von Jae-Sung Lee. 1:2, wieder Hoffnung. Auch und vor allem dank ihm, David Atanga.

Dabei hatten ihn einige fast schon abgeschrieben. Zu verschnörkelt, ein Schönwetter-Fußballer, brotlose Kunst – Atangas Auftritte seit seinem Wechsel im Sommer aus Salzburg zur KSV gaben nur selten Anlass, in ihm einen potenziellen Leistungsträger zu sehen. "Seitdem ich hier bin, habe ich meiner Meinung nach noch kein richtig überzeugendes Spiel gemacht", sagt auch Atanga selbstkritisch. "Aber ich denke, es wird besser."

Ein Gefühl, dass der 22 Jahre alte Außenstürmer nicht exklusiv haben dürfte. Seine 38 Spielminuten gegen Hannover haben Lust auf mehr geweckt. Und die Fantasie, dass es doch noch etwas werden könnte mit Atanga und Holstein.

Der Tiefpunkt vom Millerntor

Das sah vor wenigen Wochen noch ganz anders aus. 26. August, der Tiefpunkt. Holstein Kiel spielt beim FC St. Pauli – und David Atanga kassiert das, was gemeinhin als Höchststrafe interpretiert wird. Zur zweiten Hälfte wird er von Trainer André Schubert für Lion Lauberbach ein-, und in der 85. Minute für Salim Khelifi wieder ausgewechselt.

Einen Monat später ist die Situation eine neue. Schubert ist weg, Ole Werner ist da. Neue Impulse, eine neue Chance. Für den Klub, für die Mannschaft – und für Atanga. Am Freitagabend war im Holstein-Stadion durchaus spürbar, dass der Trainerwechsel etwas mit den Störchen gemacht hat. "Man hat gemerkt, dass jeder durchziehen will", sagt Atanga. "Der Spirit war da, jeder war bereit, bis zum Abpfiff zu laufen. Wir haben am Ende leider ohne Erfolg aufs zweite Tor gedrückt."

Steckbrief

Name: David Atanga

Geburtsdatum: 25. Dezember 1996

Geburtsort: Bolgatanga/Ghana

Position: Außenstürmer

Größe: 1,80 Meter

Bisherige Vereine: RB Salzburg (2015 bis 2019), SpVgg Greuther Fürth (2018 bis 2019/Leihe), SKN St. Pölten (2018/Leihe), SV Mattersburg (2017/Leihe), 1. FC Heidenheim (2016/Leihe), FC Liefering (2015 bis 2016/Leihe), Red Bull Ghana (bis 2015).

Erfolge: Österreichischer Meister (2015, 2016, 2018), Österreichischer Cupsieger (2016).

So gingen die Störche mit einem guten Gefühl, aber null Punkten vom Platz. Sieben Spiele, fünf Zähler – die Situation spitzt sich zu. "Der Blick auf die Tabelle gefällt niemandem. Das will ich nicht sehen, das will der Verein nicht sehen, und das wollen auch meine Mitspieler nicht sehen. Die Fans sowieso nicht", sagt Atanga mit Nachdruck. "Wir haben jetzt in Fürth die Chance, einen Schritt nach vorne zu machen."

Drei Vorlagen für Fürth gegen die KSV

Am Sonntag (13.30 Uhr) sind er und seine Kollegen gefordert – und zwar ausgerechnet bei Atangas Ex-Klub, der SpVgg Greuther Fürth. Beim Kleeblatt war der Offensivmann in der vergangenen Saison als Leihspieler unter Vertrag, machte in 31 Ligaspielen ein Tor und steuerte sieben Vorlagen bei – allein drei davon beim 4:1-Heimsieg gegen Holstein Kiel.

Nun wird er also auf der anderen Seite stehen – nach seiner überzeugenden Leistung ist sogar die Startelf möglich. "Natürlich wäre es etwas Besonderes, in Fürth von Anfang an zu spielen", sagt Atanga. "Ich kenne die Mannschaft gut, freue mich sehr auf das Spiel. Ich habe zu vielen Spielern noch Kontakt, wir schreiben oft miteinander."

Und vielleicht kann er auch seinem Trainer den einen oder anderen Tipp geben. Schließlich hat er die Spielidee von Stefan Leitl aus nächster Nähe kennengelernt. "Er lässt sehr druckvoll in der gegnerischen Hälfte spielen. Sie bewegen sich auch im Mittelfeld gut", sagt Atanga über die Fürther, die derzeit Tabellensechster im Unterhaus sind. Regionen, von denen Holstein als 16. momentan nur träumen kann. Aber das Feuer ist zurück. Auch bei David Atanga.

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