Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Holstein Kiel Was Holstein Kiel für die Spitze fehlt
Sport Holstein Kiel Was Holstein Kiel für die Spitze fehlt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
14:58 04.03.2020
Von Marco Nehmer
Nicht zu fassen: Alexander Mühling nach einer der vielen vergebenen Chancen. Wieder mal waren die Störche vor dem Tor nicht konsequent genug. Quelle: Noah Wedel
Anzeige
Hannover/Kiel

Die zweite Pleite in Folge – und das bei eigentlich herausragend guten Bedingungen. Auf dem Hannoveraner Rasen war nach dem Matsch-Desaster gegen Heidenheim endlich wieder an Fußball zu denken. Eine Disziplin, die die Störche beherrschen. Das zeigten sie auch. Aber eben nicht konsequent. Den Sprung heran an die Aufstiegsplätze? Verpasst. Die Realität heißt: Mittelklasse. Warum es derzeit für ganz oben nicht reicht.

Ein geschwächter Kader bei Holstein Kiel

In Hannover konnte Trainer Ole Werner zwar auf seinen Schlüsselspieler im letzten Drittel, Jae-Sung Lee, setzen. Aber der rechtzeitig nach starker Knöchelprellung fit gewordene Koreaner konnte das Sturm-Orchester nicht alleine dirigieren. Das Fehlen eines abschlussstarken Stürmers, wie es der erneut verletzte Janni Serra in dieser Saison zeitweise gewesen ist, kann die Mannschaft nicht auf Dauer kompensieren.

Anzeige

Dass mit Jonas Meffert vielleicht der wichtigste Spieler dieser Elf erneut fehlte, machte die Sache bei 96 nicht besser. Dazu waren die defensiven Außen mit und ohne Ball anfällig. Auf rechts spielt derzeit mit Darko Todorovic nur Rechtsverteidiger Nummer drei nach Jannik Dehm und Phil Neumann. Das kann auf Dauer nicht ohne Qualitätsverlust funktionieren.

Die Sache mit dem Murmeltier

Und täglich grüßt das Murmeltier: Einmal mehr spielte die KSV gut, in Phasen sogar sehr gut – und schmiss dabei erneut mit Chancen um sich. „Wenn du so viele klare Torchancen hast wie wir in der ersten Halbzeit, dann musst du hier punkten“, klagte Chefcoach Werner.

„Wir stehen dreimal alleine vorm Torwart in 90 Minuten. Wer so viele Chancen hat, muss mehr als ein Tor schießen.“ Einmal mehr fehlte es der Mannschaft an Konsequenz. Ein Wort, dass man in diesem Zusammenhang in dieser Saison schon viel zu oft gehört hat.

Aufwachen!

Auch das kommt einem irgendwie – vor allem aus der Hinrunde – bekannt vor: eine Überdosis Schlaf in den Augen. Holstein wirkte in der Anfangsphase fahrig. „Wir sind nicht gut reingekommen. Das 0:1 war deshalb auch verdient“, sagte Innenverteidiger Stefan Thesker zum 0:1 nach elf Minuten durch John Guidetti.

Das Tor war ein Mahnmal der Schläfrigkeit. Die Offensive lässt Hannover im Aufbau gewähren – überhaupt war das Pressing streckenweise dünn –, Diagonalball auf Sebastian Jung, der frei flanken darf – und Tor. Guidetti war Hauke Wahls Mann. Dass er aber an ihm dran gewesen wäre, kann man nicht behaupten. Überhaupt legte der Kapitän einen merkwürdigen Auftritt hin. Nicht da, einfach schläfrig halt.

Clever sind nur die anderen

Nach 20 Minuten war Holstein sowas von drin, hätte gut und gerne zwei Tore schießen müssen bis zur Pause. Hannover? Hatte gar keinen Zugriff mehr. „Sie stellen dreimal im Spiel das System um“, sagte Werner. „Das tust du nicht, wenn alles gut funktioniert.“ Das 1:1 durch Lee nach Ecke von Salih Özcan (68.) war überfällig.

Dass die Störche das Spiel danach doch noch aus der Hand gaben? Eine Frage der Cleverness. Abgezockt spielen? Irgendwie noch nicht die Sache dieser jungen Truppe. „Wenn du durch eine Standardsituation in der zweiten Halbzeit zum 1:1 kommst, dann darfst du dir diesen einen Punkt auf keinen Fall mehr nehmen lassen“, sagte Werner verärgert.

Ole Werner: Ein Trainer am Limit

Hannover traf zum 2:1 durch Einwechselspieler Philipp Ochs (80.), nach grobem Torwartfehler dann noch zum 3:1 (90.) durch Reservist Hendrik Weydandt. Erfolgreiche Impulse von der Bank. Ole Werner indes wechselte spät, brachte erst in der 81. Minute einen frischen Mann. Hat er zu zögerlich gehandelt? Das lässt sich nicht seriös beantworten.

Wohl aber steht auch Werner unter Beobachtung. Jetzt, wo er in die ganz heiße Phase seiner Fußballlehrer-Ausbildung eintritt. Direkt nach Abpfiff startete er durch nach Hennef. Übernächste Woche beginnen die Prüfungen. Werner kommt langsam ans Limit des Leistbaren. Übersteht er diese Phase erfolgreich, kann das neue Energie nach allen Seiten freisetzen. Und die Mannschaft womöglich den nächsten Schritt machen.

Mehr zu Holstein Kiel lesen Sie hier.

Den KN-Liveticker zum Nachlesen gibt es hier.

Nach zuletzt vier Niederlagen in Serie feierte Holstein Kiel II in der Fußball-Regionalliga Nord wieder einen Sieg. Die Jungstörche besiegten vor 204 Zuschauern Hannover 96 II durch Treffer von Justin Njinmah (63.) und Julius Alt (90.+4) mit 2:0 und kletterten auf den siebten Tabellenplatz.

03.03.2020

Am 19. Spieltag der A-Junioren-Bundesliga blamierten sich die Jungstörche bis auf die Knochen und gerieten im Nordderby gegen den HSV mit 1:9 (0:5) unter die Räder. Nach der zwölften Saisonpleite wird die Luft wieder dünner, das Polster auf die Abstiegsplätze schmolz auf drei Zähler zusammen.

Jürgen Schinke 03.03.2020

Holstein Kiel hat mit dem 1:3 bei Hannover 96 die Chance vergeben, an die oberen Ränge der Zweiten Liga heranzurücken. Stattdessen ist die KSV nunmehr etabliertes Mitglied der Mittelschicht. Um dort zu bleiben, braucht es Punkte. Das nächste Spiel wird auch zum Charaktertest, schreibt Marco Nehmer.

Marco Nehmer 03.03.2020