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Sport Holstein Kiel So geht es jetzt bei Holstein Kiel weiter
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07:30 09.10.2019
Von Marco Nehmer
Ein Bild aus alten Tagen, das schlagartig an Aktualität gewonnen hat: Uwe Stöver kehrt als Sportdirektor zu Holstein Kiel zurück, wird am Mittwoch offiziell vorgestellt. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Es wird noch einige Zeit dauern, bis der Rauch verzogen ist. Zu heftig war der Knall, der sich am Montag im Storchennest ereignet hat. Fabian Wohlgemuth ist nicht länger Sportdirektor von Holstein Kiel. Rückkehrer Uwe Stöver wird ab sofort den sportlichen Bereich beim Fußball-Zweitligisten verantworten. Die Klub-Verantwortlichen schweigen. So bleiben viele Fragen im Raum. Der Versuch einer Antwort auf die drängendsten unter ihnen.

Woran ist Wohlgemuth gescheitert?

Zunächst einmal: an den Ergebnissen seiner Arbeit. Platz 16 nach neun Spieltagen mit lediglich acht Punkten – das ist zu wenig. Fabian Wohlgemuth hat im Umbruch des Sommers falsche Entscheidungen getroffen. André Schubert, nach Wochen der Ungewissheit verpflichtet, war eine Fehlbesetzung auf der Position des Trainers. Eine merkwürdige Mannschaftsführung, eine erratische Taktik – es passte nicht.

Und: Wohlgemuth landete keinen Top-Treffer auf dem Transfermarkt. Im Sommer zuvor hatte er mit Jae-Sung Lee, Masaya Okugawa und Jonas Meffert allein in der finalen Phase der Wechselperiode drei Spieler verpflichtet, die allesamt einschlagen sollten. Diesjährige Last-Minute-Transfers wie Aleksandar Ignjovski oder Salim Khelifi konnten – bei allem Talent – das Niveau einer Mannschaft, der die Struktur fehlt, bislang nicht heben.

Dass Wohlgemuth direkt in der ersten sportlichen Krise gefeuert wird, lässt aber darauf schließen, dass mehr dahinter stecken könnte. Gab es atmosphärische Störungen innerhalb der Klubführung? Darüber lässt sich nur spekulieren. Wohl aber deuten sowohl das sphinxhafte Schweigen des Aufsichtsrats als auch die Bezeichnung Stövers als "absoluter Wunschkandidat" – und einen solchen hat man nicht, wenn man einen spontanen Schnellschuss tätigt – darauf hin, dass Wohlgemuths Ende schon länger im Raum gestanden haben muss.

Was ist von Stöver zu erwarten?

Mit Wohlgemuth wird man nun eine Abfindungs-Vereinbarung treffen, und dann ist das Kapitel erledigt. Ob damit auch der Jugendstil erledigt ist, hängt vor allem an den Planungen des neuen starken Mannes im Amt des Geschäftsführers Sport, Uwe Stöver. Seine Transfer-Historie zeigt: Er hat ein Händchen für Qualität, setzt dabei aber anders als Wohlgemuth bevorzugt auf Profis, die schon etwas vorzuweisen haben.

Zum Ende seiner ersten Zeit als KSV-Sportdirektor zwischen Januar und Mai 2016 verpflichtete er Dominick Drexler, holte danach in Kaiserslautern Spieler wie die heutigen Hamburger Ewerton und Christoph Moritz, zuletzt beim FC St. Pauli (bis April 2019) etwa Henk Veerman, Marvin Knoll oder Alexander Meier. Möglich, dass sich die Verantwortlichen genau das von Kaderplaner Stöver versprechen, um die Störche fit für den Abstiegskampf zu machen. Die ersten Wintertransfers werden es zeigen.

Darf Ole Werner weitermachen?

Wohlgemuth hat den U23-Trainer zur Interimslösung gemacht. Wohlgemuth hat die Interimslösung zur Bis-auf-Weiteres-Lösung gemacht. Werden diese Entscheidungen nun vom neuen Sportdirektor wieder einkassiert? Zunächst wird sich Uwe Stöver selbst ein Bild von der Situation machen. Er kennt den Trainer aus seiner ersten Amtszeit, als Werner bereits die zweite Mannnschaft der KSV coachte. Kaum denkbar, dass Stöver umgehend einen neuen Trainer präsentiert. Zumal die Mannschaft offenbar gern mit Ole Werner weiterarbeiten würde. Die Bilanz – ein Sieg, zwei Pleiten – spricht nicht unbedingt für ihn. Wohl aber, dass sich die Störche gefestigter präsentieren.

Und wenn doch ein neuer Trainer kommt? Dann wohl auch hier eher die erfahrene, konservative Lösung. Vor seiner Zeit in Kiel hatte Stöver beim FSV Frankfurt Benno Möhlmann zu seinem Coach gemacht, beim FCK ersetzte er Tayfun Korkut durch Norbert Meier. Und auf St. Pauli holte er Markus Kauczinski – mit dem er gemeinsam im April freigestellt wurde. Stöver hielt in der sportlichen Krise an Kauczinski fest. Am Ende flogen beide – nach einem 1:2 in Kiel. Was diese Episode, unabhängig von der Person Kauczinskis, zeigt: Stövers Loyalität.

Was passiert in den nächsten Tagen?

Am Mittwoch um 13 Uhr stellt sich zunächst einmal Stöver der Öffentlichkeit vor. Vielleicht kommt dann etwas Licht ins Dunkel, was die Begleitumstände seines erneuten Engagements an der Förde angeht. Die Mannschaft wird derweil, nachdem der Dienstag frei war, eine Doppel-Einheit absolvieren – unter der Leitung von Fabian Boll und Patrick Kohlmann. Der Grund: Ole Werner ist noch bis Mittwoch zum Trainerlehrgang in Hennef.

Am Donnerstag geht es dann für den Störche-Tross – in Abwesenheit der Nationalspieler – nach Niedersachsen. Und zwar zum VfL Wolfsburg. Testspiel auf dem A-Platz des Trainingsgeländes an der Volkswagen-Arena, Anpfiff 16 Uhr. Warum die "Neuauflage" der Bundesliga-Relegation von 2018 erst am Dienstagnachmittag offiziell kommuniziert wurde? Auch das ist, so hört man, eine Folge des Bebens von der Förde, das alles andere in den Hintergrund gerückt hat. Die Eruptionen dieses Bebens werden wohl noch eine ganze Weile zu spüren sein.

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