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Holstein Kiel Wo Uwe Stöver jetzt anpacken will
Sport Holstein Kiel Wo Uwe Stöver jetzt anpacken will
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09:07 10.10.2019
Von Marco Nehmer
Konzentrierter Trainingsbeobachter: Uwe Stöver am Mittwoch während der Nachmittagseinheit der Störche. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Da ist er nun. Uwe Stöver, alter und neuer Sportdirektor von Holstein Kiel. Mittwochnachmittag, Stöver stellt sich auf der Geschäftsstelle des Fußball-Zweitligisten in Projensdorf der Öffentlichkeit vor. Händeschütteln, ein paar freundliche Worte – und dann geht es los. Fabian Wohlgemuth, am Montag völlig überraschend entlassen, ist Geschichte. Uwe Stöver, 52, soll die Zukunft gestalten. Und Holstein durch die Gegenwart retten. Denn die Lage ist prekär. Stöver weiß, worauf es jetzt ankommt.

Zielsetzung Klassenerhalt

„Wir müssen uns gegen den Tabellenplatz wehren“, sagt Stöver mit eindringlichen Worten, angesichts von nur acht Punkten nach neun Ligaspielen und dem damit verbundenen Rang 16. Schönreden? Nicht mit ihm. Das A-Wort, den Worst Case, führt er wie selbstverständlich im Munde. „Die Zielsetzung des Vereins ist die weitere Etablierung in der Liga. Aber bei diesem Tabellenstand ist das Abstiegskampf. Das muss man ganz realistisch sehen“, sagt er. Und betont: „Wir müssen schauen, dass wir alle Hebel in Bewegung setzen.“

Es ist der Kern seiner „Mission 2.0“, die er, der Rückkehrer, der zwischen Januar und Mai 2016 schon einmal in gleicher Funktion an der Förde gearbeitet hatte, nun angeht. Alles und alle mobilisieren, um dem sportlichen Niedergang zu entkommen. Stöver spricht ruhig, mit fester Stimme. Entschlossen will er sein, um Holstein Kiel im Unterhaus des deutschen Fußballs zu halten. „Dieser Verein ist in der Entwicklung. Um die weiterzuführen, ist es ganz wichtig, in dieser Liga zu bleiben.“

Stöver: "Ich denke in alle Richtungen"

Den Klub auf Kurs halten – das wurde seinem Vorgänger zuletzt offenbar nicht mehr zugetraut. Die Hintergründe? Weiter im Dunkeln. Stöver bringt zumindest etwas Licht in den zeitlichen Ablauf. Und der zeigt: Hinter den Kulissen muss das Schicksal von Fabian Wohlgemuth mindestens seit einer Woche besiegelt gewesen sein. „Ich bin am Dienstagnachmittag voriger Woche angerufen worden“, sagt Stöver. Es habe einen Beschluss des Aufsichtsrats gegeben, die Zusammenarbeit mit seinem Vorgänger zu beenden – verbunden mit einem Gesprächsangebot an ihn, den Vor-Vorgänger Wohlgemuths. Dieses Gespräch sei dann am Donnerstag erfolgt. „Wir haben in den Kernfragen schnell zueinander gefunden“, sagt Stöver.

Am Montag dann: Vertragsunterzeichnung in Kiel – und seine Unterschrift unter einer Auflösungsvereinbarung mit seinem letzten Arbeitgeber, dem FC St. Pauli, wo er im April gemeinsam mit Trainer Markus Kauczinski entlassen worden war. Der Verdacht liegt nahe, dass Stöver an diesen bei der Besetzung des Trainerpostens denken könnte. Schließlich hatte Stöver in Hamburg an seinem Coach festgehalten, bis schließlich beide gehen mussten.

Möglich jedenfalls scheint derzeit alles bei den Störchen. Auch, dass Interimstrainer Ole Werner weiter an Bord bleibt. Aber, es ist eben nur eine Option von vielen, wie Stöver klarstellt. „Ich denke in alle Richtungen“, sagt er.

Ist die Mannschaft nicht bereit für Abstiegskampf?

Er kenne Werner seit seiner ersten Zeit in Kiel, so Stöver. „Wenn ich sehe, was er in der U23 mit wenig Budget, mit vielen Nachwuchsspielern gemacht hat, dann ist das aller Ehren wert. Ich habe eine ganz hohe Meinung von Ole“, sagt Stöver. Aber: „Wir haben auch eine Fürsorgepflicht dem Trainer gegenüber.“ Soll heißen: Verträgt sich der Abstiegskampf mit der Ausbildung zum Fußballlehrer, in der Ole Werner noch bis zum Frühjahr steckt? „Das sind Fragen, auf die es Antworten zu finden gilt“, sagt Stöver. „Ich brauche aber ein bisschen Zeit, um zu einer fundierten Entscheidung zu kommen.“

Gleiches gelte für den Kader. Und die Frage, an welchen Stellschrauben man im Winter drehen könnte. „Die Mannschaft ist sehr jung und spielerisch veranlagt“, sagt Stöver. „Aber für den Abstiegskampf können wir uns nicht nur darauf verlassen.“ Vieles dürfte demnächst also auf den Prüfstand kommen. Für das übergeordnete Ziel, auf das Uwe Stöver den Verein einschwören will: den Klassenerhalt. Denn um nichts anderes geht es.

Wohlgemuth hat Hilfe angeboten

Es ist ihm dann noch ein Anliegen, hervorzuheben, dass er dabei auf die Unterstützung seines Vorgängers Fabian Wohlgemuth bauen kann. „Ich habe mich gestern Abend sehr über eine SMS von ihm gefreut, in der er seine Hilfe für offene Fragen und einen Austausch angeboten hat“, sagt er. „Das werde ich selbstverständlich wahrnehmen.“

Er selbst habe sich überdies auch zu keiner Zeit selbst ins Gespräch gebracht, man sei an ihn herangetreten. Mit der Folge, dass Uwe Stöver jetzt zum zweiten Mal ein Kieler ist. „Es ist für mich das Gefühl des Zurückkommens.“

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