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Holstein Kiel Holstein Kiel verliert 8:9 n.E.
Sport Holstein Kiel Holstein Kiel verliert 8:9 n.E.
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21:43 30.10.2019
Von Andrè Haase
Janni Serra (li.) entkommt seinem Bewacher Julian Stöckner. Quelle: Patrick Nawe
Verl

Bittere Pille für den Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel. Die Störche schieden nach einer äußerst schwachen Leistung am Mittwochabend in der zweiten Runde des DFB-Pokals aus. Mit 9:8 nach Verlängerung und Elfmeterschießen gewann stattdessen der mit einer großen Leistung aufwartende Viertligist SC Verl, der letztlich verdient ins Achtelfinale des nationalen Cup-Wettbewerbs einzog. Zu tragischen Helden auf Kieler Seite avancierten die finalen Fehlschützen „Emma“ Iyoha und Phil Neumann.

Zusätzliche negative Fakten für die Nordlichter neben der verpassten Prämie aus TV- und Audiopool des DFB in Höhe von 702.000 Euro: Der extreme Substanzverlust vor dem schweren Sonntagsgang zu Arminia Bielefeld und die Verletzung von Torjäger Janni Serra (Verdacht auf Gehirnerschütterung).

1200 Schlachtenbummler aus dem Norden hatten sich auf den Weg in die mit 5000 Zuschauern fast ausverkaufte Sportclub-Arena gemacht. Optimistisch und in bester Feierlaune. Und dem Dresscode dieser Motto-Fahrt entsprechend gekleidet: In „Hollerween“-Kostümen – analog zum nahenden Halloween.

Doch die Zombies, Schlachter in roten Schürzen und Skelette gruselte es in Durchgang eins selbst. Und das gleich mehrfach. Denn die Gastgeber, die in Runde eins den Bundesligisten Augsburg aus dem Wettbewerb eliminiert hatten, ergriffen sofort die Initiative, kamen mehrfach gefährlich vor das Kieler Gehäuse.

Zlatko Janjic (2.), Ahmet Kurt (20.), Nico Hecker (24.) und Aygün Yildirim (35.) verpassten gute Möglichkeiten.

Die erwartungsgemäß aggressiv und leidenschaftlich zu Werke gehenden Gastgeber eroberten sich auch deshalb ein Chancenplus, weil den Störchen ohne den angeschlagenen Mittelfeld-Strategen Jonas Meffert (Kniereizung) ungewohnt viele einfache Ballverluste im Spielaufbau unterliefen. Und dennoch durch Janni Serras Kopfballverlängerung (23.) nach dem ersten, von Alexander Mühling getretenen Eckball mit 1:0 in Front zogen. Der KSV-Zentrumsstürmer war einer der wenigen Kieler Lichtblicke in Halbzeit eins.

Doch auch er konnte den späten Ausgleich nicht verhindern. Salih Özcan (29.) hatte nach einem Zweikampf mit Frederik Lach im Holstein-Strafraum noch Glück. Mit Video-Assistent hätte es eher Strafstoß für Verl gegeben. Doch der kommt im Pokal erst ab dem Viertelfinale zum Einsatz.

In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit aber war es soweit. Yildirim zeigte Phil Neumann die Hacken, flankte und fand den Kopf von Hecker. Der Rest war Jubel des Viertligisten über den Ausgleich und eine zusätzliche Motivationsspritze für den zweiten Durchgang.

Nach der Pause kam Finn Porath für Philipp Sander. Mühling übernahm nun die Position im defensiven zentralen Mittelfeld. Besser aber wurde es aus Kieler Sicht nicht. Yildirim (49.) und Julian Stöckner (52.) hatten das 2:1 für den SC Verl auf Fuß und Kopf.

Immer lauter feuerten die Störche-Fans – ungeachtet aller Patzer und Unkonzentriertheiten der Störche-Profis – ihre Farben an. Und tatsächlich schien der Support zu helfen. Mühling (61.) verfehlte das Ziel aus 16 Metern nur knapp.

Der Schein trügte. Der Außenseiter ließ nicht nach, nutzte die zahlreichen Unzulänglichkeiten in Reihen des schwach agierenden und offensiv einfallslosen Zweitligisten und hatte den Torschrei nach seinem gefürchteten schnellen Umschaltspiel sogar im Sekundentakt auf den Lippen. KSV-Keeper Ioannis Gelios (62.) parierte sowohl gegen Hecker und Kurth bravourös.

Die Spannung stieg von Minute zu Minute. Es entwickelte sich bei winterlichen Temperaturen endgültig ein wilder, heißer Pokalfight. Genau in diese Rolle wollte der durchschlagskräftigere Viertligist die Norddeutschen zwingen. Die hatten in der 79. Minute Pech, als ausgerechnet Torjäger Serra den Rasen mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung verlassen musste. Die Verlängerung erlebte Serra, dick in Decken gehüllt, im Gegensatz zu den Spionen aus Bielefeld und Osnabrück, die nach 90 Minuten genug gesehen hatten, auf der Ersatzbank mit.

In der Nachspielzeit übernahmen die Kieler gegen kräftemäßig abbauende Verler zwar das Kommando auf dem Feld. Klare Aktionen im und am gegnerischen Hoheitsgebiet blieben allerdings weiter aus. Die Ostwestfalen mobilisierten die letzten Reserven, verteidigten mit Mann und Maus, warfen sich in alle Flanken und Schussversuche der Kieler. Und hatten Fortuna auf ihrer Seite, als ein Mühling-Schlenzer (105.) ans Aluminium schepperte. Und vor dem KSV-Kasten? Da verschenkte Janjic (111.) eine 100-prozentige Möglichkeit aus Nahdistanz. Der letzte Aufreger vor dem großen Finale vom Elfmeterpunkt.

KSV-Kapitän Hauke Wahl schwörte seine Kollegen im Mannschaftskreis lautstark noch einmal ein. Ein Verler Betreuer animierte mit heftigen Armkreisen den eigenen Anhang. Die Kieler Fans antworteten mit Holstein-Kiel-Gesängen.

Dann nahm das Kieler Schicksal seinen Lauf. „Emma“ Iyoha hatte nach Chorobas Fehlschuss den Einzug ins Achtelfinale auf dem Fuß. Doch auch der Kieler Joker zeigte Nerven. Anders als der neue Verler Ehrenbürger Jan Schöppner, der nach Neumanns Fehlschuss zum entscheidenden 9:8 traf.

SC Verl: Brüseke – Choroba, Lach, Stöckner, Ritza – Schallenberg (106. Schröder) , Kurt (96. Mikic), SchöppnerHecker (73. Andzouana), Janjic, Yildirim (101. Haeder).

Holstein Kiel: GeliosNeumann, Schmidt, Wahl, van den Bergh – Sander (46. Porath) – Mühling, Lee – Özcan (110. Eberwein) – Serra (80. Khelifi), Baku (57. Iyoha).

Schiedsrichter: Christof Günsch (Marburg) – Tore: 0:1 Serra (13.), 1:1 Hecker (45.+1) – Elfmeterschießen: 1:2 Wahl, 2:2 Janjic, 2:3 Khelifi, 3:3 Lach, 3:4 Mühling, 4:4 Ritza, 4:5 Porath, Choroba verschießt, Iyoha verschießt, 5:5 Schröder, 5:6 Lee, 6:6 Haeder, 6:7 Schmidt, 7:7 Stöckner, 7:8 Eberwein, 8:8 Andzouana, Brüseke pariert gegen Neumann, 9:8 Schöppner - Zuschauer: 5000 – Gelbe Karten: KurtNeumann, Sander.

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