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Holstein Kiel Holstein Kiels Präsident Schneekloth verurteilt Super-League-Plan
Sport Holstein Kiel

"Selbstherrlich!" - Holstein Kiels Präsident verurteilt Super-League-Pläne

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16:31 20.04.2021
Von Marco Nehmer
Schießt im Namen der KSV gegen die Pläne zur Super League und die Champions-League-Reform: Steffen Schneekloth.
Schießt im Namen der KSV gegen die Pläne zur Super League und die Champions-League-Reform: Steffen Schneekloth. Quelle: Andreas Gora/dpa
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Kiel

Seit dem frühen Montagmorgen wandern Schockwellen ungekannten Ausmaßes durch den Klubfußball. Die Ankündigung von zwölf Topklubs aus England, Spanien und Italien, eine eigenständige Super League zu gründen und damit die europäischen Wettbewerbe auszuhebeln, erschüttert den Profisport in seinen Grundfesten.

Die Uefa geht auf Konfrontationskurs, droht mit Sanktionen, die Verbände prüfen im Ernstfall den Ausschluss der Zwölf - später sollen es einmal 15 sein plus fünf Qualifikanten - aus den nationalen Ligen.

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Und die kleineren Vereine, auf die die Auswirkungen ebenfalls durchschlagen dürften? Wehren sich mit öffentlichen Statements. Am späten Montagnachmittag hat sich auch Zweitligist Holstein Kiel zu Wort gemeldet und die Pläne heftig kritisiert.

"Auch wir als Zweitligist Holstein Kiel und Mitglied der Deutschen Fußball Liga lehnen das Konzept einer Super League entschieden ab", erklärte Klubpräisdent Steffen Schneekloth in einer Stellungnahme. "Dieser Vorstoß von zwölf Schwergewichten in Europa basiert auf ausschließlich wirtschaftlichen Interessen und beschädigt die gewachsenen Strukturen im europäischen Fußball. Die Folgen sind weit in die nationalen Ligen spürbar."

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Steffen Schneeekloth: "Super League ohne jeden sportlichen Wert"

Schneekloth warnte, dass "ein fairer und integrer Wettbewerb innerhalb der jeweiligen nationalen Liga damit zukünftig ausgeschlossen" sei. "Eine solche Super League ohne jeglichen sportlichen Wert ist ausschließlich motiviert von finanziellen Interessen einiger weniger Topklubs aus England, Spanien und Italien."

Bei den zwölf "Abtrünnigen" handelt es sich um den FC Liverpool, Manchester United, Manchester City, den FC Arsenal, den FC Chelsea und Tottenham Hotspur aus England, Real Madrid, Atletico Madrid und den FC Barcelona aus Spanien sowie das italienische Trio AC Mailand, Inter Mailand und Juventus Turin.

"Gerade diese Klubs", sagte Schneekloth, "haben allerdings eindrucksvoll bewiesen, nicht nachhaltig mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln umgegangen zu sein. Diese Klubs verschulden sich von Jahr zu Jahr weiter und treiben durch ihr zügelloses Wirtschaften Gehälter für Spieler und Honorare für Berater in immer größere Dimensionen, die nicht mehr nachvollziehbar sind."

Großbank JP Morgan will Milliarden in die Super League pumpen

Die wirtschaftliche Not dieser Klubs scheine "derart groß, dass sie sich nicht anders zu helfen wissen, als den Investoren das Spielfeld zu überlassen." Am Montagmittag hatte die US-Großbank JP Morgan bestätigt, die Super League mit Millardensummen zu finanzieren. Schneekloth bezeichnete die Pläne als "egoistisch, selbstherrlich und unsolidarisch".

Ungeachtet dessen beschloss die Uefa am Montag einstimmig die ebenfalls heftig kritisierte Reform der Champions League. Ab der Saison 2024/25 werden 36 statt bislang 32 Teams teilnehmen, zudem wird es deutlich mehr Spiele geben, wie der Verband mitteilte.

Schneekloth: "Der Fußball eignet sich nicht als Spekulationsgut für Investoren"

"Neben mehr Spielen, die den Wettbewerb weiter verwässern und den Spielern eine nochmals höhere Belastung zumuten, ist insbesondere darauf hinzuweisen, dass die Uefa damit das seinerzeit eigens eingeführte Financial Fairplay deutlich aufweicht und auch hier Investorengelder zur Finanzierung von Spielerkadern zulässt", echauffierte sich Schneekloth, der zugleich Vize des DFL-Präsidiums ist.

"Der Fußball", schloss Holsteins Klubpräsident in seinem Statement, "eignet sich nicht als Spekulationsgut für Investoren, sondern hat neben dem sportlichen Wettkampf eine übergeordnete gesellschaftliche Bedeutung, die es unbedingt gilt, aufrecht zu erhalten."

Die Entwicklungen stünden "im Widerspruch zu den Bemühungen und Ergebnissen der Taskforce Profi-Fußball, die sich seit dem vergangenen Jahr mit Themen wie Wettbewerbsbalance, Zahlungsströme, gesellschaftliche Verankerung, Ethik-Richtlinien, Fan-Interessen und wirtschaftlicher Stabilität befasst", so Schneekloth.

20.04.2021
Marco Nehmer 19.04.2021
Marco Nehmer 19.04.2021