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Holstein Kiel Karazor und der Druck von allen Seiten
Sport Holstein Kiel Karazor und der Druck von allen Seiten
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18:45 16.10.2019
Von Marco Nehmer
Noch nicht ganz der "Alte": Atakan Karazor hat beim VfB Stuttgart seine Schwierigkeiten. Quelle: dpa
Stuttgart

Wenn eine Wand aus 50.000 Menschen beim Risikopass raunt, wenn sie die Mannschaft mit Energie auflädt und nach vorne peitscht – aber auch, wenn sie mit ihren Pfiffen wie eine Bremse im Kopf und in den Beinen wirkt. Dann weiß man: Das ist nicht Kiel. Das hier ist der VfB Stuttgart. Das hier ist das neue Fußballer-Leben von Atakan Karazor. „Ich wusste nicht, was mich erwartet. Aber ich habe mich auf mehr Druck eingestellt“, sagt er. „Diese Erwartung wurde erfüllt.“

Atakan Karazor freut sich, "die alten Jungs wiederzusehen"

Atakan Karazor, seit vergangenem Sonntag 23 Jahre alt, ist in einer anderen Welt angekommen. In einer Welt, in der alles größer ist. Die Stadt, das Stadion, das Selbstverständnis – der VfB Stuttgart ist nicht Holstein Kiel, Karazors voriger Arbeitgeber. Sein voriger Kosmos. Nun berühren sich beide Welten. Am Sonntag (13.30 Uhr, im KN-Liveticker) gastiert Karazors Ex-Klub in der Mercedes-Benz Arena. „Das Spiel gegen Kiel ist für mich etwas Besonderes“, sagt Karazor. „Ich hatte dort eine sehr gute Zeit, habe viele Freunde gefunden. Es ist schön, die alten Jungs wiederzusehen.“

Mit vielen von ihnen hatte Karazor noch bis zum Sommer zusammengespielt. Zwei Jahre war er, der großgewachsene, in guten Momenten äußerst elegante Mittelfeldspieler, Teil dieser Mannschaft, hatte mit ihr Erfolg und erreichte in dieser Zeit selbst ein neues Level. Von Borussia Dortmund an die Förde gekommen, absolvierte er in Holsteins erster Zweitliga-Saison nach dem Wiederaufstieg vier Spiele – um dann unter Tim Walter im Laufe der Spielzeit 2018/19 zu explodieren. Gerade in der Rückrunde wuchs Karazor über sich hinaus, wurde phasenweise zur prägenden Figur auf dem Platz.

"Es gab Spiele, in denen ich nicht ich selbst war"

Mitte Mai dann die Nachricht: Atakan Karazor wechselt zum VfB Stuttgart. Wenige Tage später wurde auch der Transfer von Walter ins „Ländle“ kommuniziert. Der Musterschüler ging vor, sein Förderer kam nach – mit dem Auftrag, den kurz darauf durch die Relegation gerasselten Bundesligisten wieder aufzurichten. Karazor, so die allgemeine Lesart, werde der verlängerte Arm des Trainers auf dem Platz sein. Allein schon durch die Kenntnis der innovativen, radikalen Spielidee Walters. Ein Systemvorteil. Oder?

„Wir sind direkt mit einem Heimsieg gestartet, ich habe positive Rückmeldungen für meine Leistung bekommen“, erinnert sich Karazor an das 2:1 zum Zweitliga-Auftakt gegen Mitabsteiger Hannover 96. „Danach ging es aber, da bin ich selbstkritisch, bergab mit meiner Leistung. Woran es lag, kann ich nicht genau sagen. Vielleicht habe ich mir selbst zu viel Druck gemacht.“

In der Tat ist er noch nicht der Atakan Karazor, den man sich in Stuttgart erhofft hat. Sein Spiel ist zu fehlerbehaftet. Zu wankelmütig. „Es gab Spiele, in denen ich nicht ich selbst war“, sagt der gebürtige Essener, der zweimal nur auf der Bank saß, im Training bei den Führungsspielern um Mario Gomez Hilfe suchte, um mit dem Druck klarzukommen.

Düstere Erinnerungen an Augsburg

Es scheint ihm allmählich zu gelingen. Im Spitzenspiel bei Arminia Bielefeld (1:0) zeigte Karazor eine gute Leistung, gehörte zuletzt auch gegen den SV Wehen Wiesbaden wieder zur Startformation. Und damit zu jener Elf, die ein unfassbares Spiel ablieferte. Unfassbar nicht zuletzt deshalb, weil der VfB mit 1:2 als Verlierer vom Platz ging. Trotz unglaublicher Dominanz, 85 Prozent Ballbesitz, 828 gespielten Pässen, 29 Torschüssen, vier Pfostentreffern.

Ob er so ein Spiel schon mal erlebt habe? Ja, sagt Karazor ohne Zögern, und nennt das 0:1 im Pokal-Achtelfinale gegen den FC Augsburg. Eines der besten und zugleich bittersten Spiele der jüngeren Holstein-Vergangenheit. „Da haben wir das Spiel gemacht, unglaubliche Torchancen herausgespielt. Und mit dem zweiten Torschuss von Augsburg das Tor kassiert.“

Die jüngste VfB-Pleite brachte Unruhe in Stuttgart

Damals im Tor des FCA: Karazors heutiger Teamkollege Gregor Kobel. „In der Kabine beim VfB hat er mir gesagt: ’Wir haben damals geglaubt, dass wir gegen Barcelona spielen.’“ Ein Lob dem System Walter. Aber von Lob kann man sich eben auch nichts kaufen. Das gilt auch und gerade in Stuttgart. Der VfB muss seine Dominanz in Erfolg ummünzen. Bislang klappt das, der Topfavorit auf den Aufstieg ist punktgleich mit Tabellenführer HSV. Aber jeder der sechs Siege war knapp. Und die jüngste Pleite hat Unruhe reingebracht. Zur Unzeit, geht es doch nach dem KSV-Spiel in Pokal und Liga gleich zweimal in den Volkspark nach Hamburg.

„Es ist ein gewisser Druck da“, sagt Karazor. Aber mit Druck kennt er sich ja aus. Druck ist seine neue Fußball-Wirklichkeit.

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In einer anderen Tabellenkonstellation wäre es ein Highlight zum Genießen - so aber ist es für Holstein Kiel ein unangenehmer Gang. Das Spiel in der Zweiten Fußball-Bundesliga beim VfB Stuttgart am Sonntag wird schwer. Tim Walter hat am "Ländle" eine neue Dominanzmaschine gebaut - mit Schwächen.

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