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Holstein Kiel Wohlgemuth will Holsteins Tugenden sehen
Sport Holstein Kiel Wohlgemuth will Holsteins Tugenden sehen
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07:00 11.09.2019
Von Marco Nehmer
Fabian Wohlgemuth (links) im Gespräch mit Trainer André Schubert. Wohlgemuth will mehr Mut, mehr Kreativität sehen. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Die süße Sünde wartet in der Kabine, während draußen die Profis noch schwitzen. Dienstagvormittag, Fußball-Zweitligist Holstein Kiel hat die Vorbereitung auf das Spiel beim 1. FC Heidenheim (Sbd., 13 Uhr) aufgenommen, arbeitet auf dem Platz in überschaubarer Gruppengröße – die Auswahlspieler weilen bis auf Darko Todorovic noch bei ihren Nationalteams – daran, dass es besser werden möge. Schließlich haben die Störche bislang kaum überzeugt. Immerhin hat Alexander Mühling, wenige Tage nach seinem Geburtstag, einen kleinen Motivationsanreiz dabei: Kuchen für alle.

Mühling, in der vergangenen Woche 27 Jahre alt geworden, ist wieder voll da, kann wie am Montag die gesamte Einheit ohne Probleme absolvieren. Der schmerzhafte Pferdekuss aus dem Spiel gegen Aue (1:1), dazu ein grippaler Infekt, der ihn richtig lahmgelegt hat – Mühling hatte zuletzt Zwangspause, war auch nicht beim biederen Test in Meppen (1:1) dabei. "Für mich war es eine Woche, in der ich richtig runterfahren konnte", sagt er. Eine notwendige, aber auch irgendwie heilsame Auszeit. Nach Wochen, in denen es zuletzt sportlich nicht besser, eher schlechter wurde.

"In den letzten zwei Spielen war es ein Rückschritt", sagt Mühling, und sucht nach einem Erklärungsansatz, der tief blicken lässt: "Wir haben vielleicht zu sehr versucht, die geforderten Inhalte wie zum Beispiel Läufe in die Tiefe umzusetzen, und haben darüber vergessen, die grundlegenden Dinge zu zeigen."

Top-Werte, kein Übertrag

In der Tat ist das Grundlegende, das Zwingende im Spiel der Störche, ein wenig verblasst. Aufwendig ist der KSV-Fußball zwar immer noch: Holstein hat die meisten Ecken in der Liga, ist beim Ballbesitz in der Spitzengruppe, verzeichnet die meisten Pfosten- und Lattenschüsse, spult die höchste Laufleistung der Liga ab. Nur schafft die Mannschaft auf dem Platz bislang nicht den Übertrag. Und: Trotz der vermeintlich guten Statistiken sieht das Spiel meist behäbig aus. Keine Inspiration. Wenig Lösungen.

Lösungen – es ist das Wort, das Sportdirektor Fabian Wohlgemuth vermehrt im Munde führt. Er will Lösungen sehen. Konkret: Die Elf müsse jetzt die "bewährten Tugenden wie Antriebsfußball, Kreativität und Mut zur Aktion noch exponierter auf den Platz bringen". Eigenschaften, die das Kieler Spiel in den vergangenen Jahren trotz großer Fluktuation im Kader ausgezeichnet haben. "Diese Tugenden muss unser Team prägen. Dies erwarten unsere Fangemeinde, der Verein und die Spieler selbst", sagt Wohlgemuth.

Für die Mannschaft, aber auch für Trainer André Schubert ist das nun der klare Arbeitsauftrag: zurück zum Spielwitz. Mehr Dynamik, weniger Fußball nach Schema. "Wir müssen unser vielseitiges Offensivspiel konstanter auf den Platz bringen", sagt Wohlgemuth, "und unsere Angriffspotenziale effektiv einsetzen" – und zwar, das unterstreicht der Geschäftsführer Sport: von Anfang an, nicht erst in Halbzeit zwei. Denn dann war es in den vergangenen Spielen meist schon zu spät, um mehr mitzunehmen.

"Wer so häufig in Rückstand gerät, wird nicht viele Punkte holen"

Fünfmal ist Holstein Kiel in fünf Spielen in Rückstand geraten. Einmal konnte das Ergebnis noch umgebogen werden (2:1 gegen Karlsruhe). Gegen Sandhausen und Aue reichte es nach dem 0:1 nur noch zu einem Punkt. Gegen Darmstadt und St. Pauli folgte irgendwann das zweite Gegentor – zu viel für die Störche. Auffällig dabei: Das 0:1 fiel entweder früh in der ersten Halbzeit (4., 11., 19. Minute) oder direkt nach dem Wiederbeginn (48., 49. Minute).

„Es ist nicht so, dass wir nicht wach wären", sagt Mühling, mahnt aber auch: "Wer so häufig in Rückstand gerät, wird es immer schwerer haben, Punkte zu holen. Eine Führung würde mal guttun" Hier landet man wieder bei Wohlgemuths Forderung: Das Offensivspiel muss effektiver werden. Hier muss sich Schubert Lösungen einfallen lassen.

Die Auswärtstour nach Ostwürttemberg wird in jedem Fall ein echter Gradmesser. "Das ist ein unangenehmer Gegner, der auch fußballerisch stark ist", sagt Mühling über die Heidenheimer, die nach fünf Spieltagen die gleiche Bilanz wie Holstein aufweisen: ein Sieg, zwei Remis, zwei Pleiten. Spiele wie diese muss man mit der richtigen Haltung angehen. Kurz: mit Tugenden. Die Verantwortlichen werden ganz genau hinschauen.

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