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Holstein Kiel Holstein Kiel ist Zweitliga-Bilanzmeister
Sport Holstein Kiel Holstein Kiel ist Zweitliga-Bilanzmeister
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14:00 10.09.2019
Von Marco Nehmer
Zwei Neuzugänge, die erst in den Geschäftszahlen zur Saison 2019/20 auftauchen werden: Daniel Hanslik (li.) und Phil Neumann. 2017/18 hat ihr Arbeitgeber, die KSV, den höchsten Gewinn aller Zweitligisten erzielt. Quelle: Sascha Klahn
Kiel

Holstein Kiel ist Bilanzmeister. So oder so ähnlich lassen sich die Finanzkennzahlen der Klubs der Zweiten Liga lesen, die die Deutsche Fußball-Liga (DFL) kürzlich veröffentlicht hat. Demnach hat die KSV im Geschäftsjahr der Saison 2017/18 4,38 Millionen Euro Überschuss erzielt. Ein Erfolg, wie Holsteins Kaufmännischer Geschäftsführer Wolfgang Schwenke betont.

"Augenscheinlich ist das ein Super-Ergebnis", sagt Schwenke, kraft seines Amtes so etwas wie der "Herr des Geldes" im Storchennest. "Unsere Aufgabe ist es, dieses durch die Transfererlöse tolle wirtschaftliche Ergebnis perspektivisch zu benutzen."

In der Tat profitierte die KSV in jenem Geschäftsjahr maßgeblich von den Millioneneinnahmen etwa aus den Verkäufen von Dominick Drexler zum FC Midtjylland für 2,5 Millionen Euro sowie von Kapitän Rafael Czichos zum 1. FC Köln für 1,8 Millionen Euro. Erlöse, die nicht in jedem Jahr eingeplant werden können. Wobei die vermeintliche Regel auch in den ausstehenden Finanzkennzahlen des nachfolgenden Geschäftsjahrs durch die Ausnahme bestätigt werden wird: Dank der Verkäufe von David Kinsombi, Atakan Karazor oder auch Trainer Tim Walter, für den eine Ablöse fällig wurde, ist Schwenke zuversichtlich, wieder einen Millionengewinn ausweisen zu können. "Auch für die Saison 2018/19 wird es ähnliche Zahlen geben", sagt er.

Investitionen in die Infrastruktur als Drahtseilakt

Gleichwohl weiß man bei Holstein die Zahlen einzuordnen. Das Rohergebnis, also im Wesentlichen die Umsatzerlöse, liegen bei 24,3 Millionen Euro. Das bedeutet im Liga-Vergleich: unteres Mittelfeld. Neben den Aufsteiger SV Wehen Wiesbaden, VfL Osnabrück und dem Karlsruher SC haben nur Sandhausen, Heidenheim und Aue geringere Umsatzerlöse, wenngleich die Vermarktungserlöse aus Eintrittskarten, Merchandising, Werbeeinnahmen und TV-Geld zuletzt von Jahr zu Jahr gestiegen sind. "Wir sind nicht reich", sagt Schwenke daher, "aber wir haben durch die Transfererlöse die Möglichkeit, zu investieren, wo es möglich ist."

Und das tut die KSV derzeit, lässt zwei moderne Fußballplätze mit Rasenheizung und Flutlicht auf der Trainingsanlage in Projensdorf bauen – nach Vereinsangaben für drei Millionen Euro. Ein Drahtseilakt. "Wir müssen sehen, wie viel wir investieren können, ohne das Sportliche zu beschneiden, um die Zweite Liga nachhaltig zu sichern. Es geht hier um einen guten Mix", sagt Schwenke. "Ein großes Stadion und beheizte Trainingsplätze sind toll, aber sie bringen nichts, wenn die Mannschaft nicht konkurrenzfähig ist."

Und dafür braucht es Investitionen in den Profikader. Gehälter, Ablösen. Und zwangsläufig auch Honorare für Spielerberater. Auch die weist die DFL-Veröffentlichung aus: 374000 Euro gab Holstein Kiel im Geschäftsjahr 2017/18 für die Entlohnung von Spielerberatern aus. Aus dem ersten Reflex heraus mag der relativ geringe Wert erfreulich sein, genießt die Branche doch nicht den besten Ruf. Andererseits sind die Honorare auch Ausdruck einer gesunden Geschäftsentwicklung: Wer viel für Honorare ausgibt, ist grundsätzlich in der Lage, Transfers abzuwickeln, die in beide Richtungen Ausdruck von sportlicher Qualität sind.

"Warum sollen wir nicht das Freiburg des Nordens werden?"

"Man darf Beraterhonorare und Transfererlöse nicht voneinander trennen", sagt Schwenke, und führt aus: "Regensburg beispielsweise hat halb so viele Beraterausgaben, aber auch deutlich weniger Geld durch Transfers eingenommen." Die mit Abstand höchsten Beraterhonorare in der Liga zahlten übrigens der VfB Stuttgart (10,8 Millionen Euro) und der Hamburger SV (5,4 Millionen Euro), die im betreffenden Geschäftsjahr allerdings auch noch erstklassig waren.

Auch deshalb betont Schwenke: "Es macht keinen Sinn, uns mit dem HSV oder dem VfB Stuttgart zu vergleichen." Aber mit wem denn dann? "Ich finde Freiburg sympathisch", verrät Schwenke. "Die verstehen sich als Ausbildungsverein, schaffen es immer wieder, gute Leute zu holen, arbeiten ganz solide. Warum sollen wir nicht das Freiburg des Nordens werden?"

Seriöses Wirtschaften, ordentliches Haushalten, mit dem Blick für goldrichtige Entscheidungen. Das wäre der Idealzustand. Schwenke jedenfalls ist überzeugt, dass Holstein Kiel vor einer rosigen Zukunft steht. "Unsere Perspektive ist bombastisch gut", sagt er. "Es macht einfach Spaß, diesen Verein weiterzuentwickeln. Und wenn wir in diesem Tempo weiterarbeiten und die Zweite Liga weiter dazugehört, mache ich mir überhaupt keine Sorgen."

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Ulf Paetau (56), ausgestattet mit der DFB-Fußballlehrer-Lizenz, arbeitete zwischen 1988 bis 1995 als Torwart (81 Pflichtspiele), Assistenzcoach und Cheftrainer in Diensten der Störche und stand Holstein-Experte Andreas Geidel beim Holstein-Talk Rede und Antwort.

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