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Nachrichten: Reitsport Langer Ritt an Europas Spitze
Sport Reitsport Nachrichten: Reitsport Langer Ritt an Europas Spitze
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08:31 18.09.2014
Von Jessica Bunjes
Ohne Sattel kann längst nicht jeder, ohne Trense kaum einer, aber er kann’s: Der heutige Reitmeister und zweimalige Derbysieger Achaz von Buchwaldt aus Hamburg ritt bei der ersten Baltic Horse Show in Kiel „ohne alles“ im Showspringen mit. Quelle: Jacques Toffi
Kiel

Schon 1955 wurde in Kiel erstmals ein Reitturnier ausgerichtet, seit einem Vierteljahrhundert lässt Peter Rathmann die Pferde auf der Baltic Horse Show (9. bis 12. Oktober) springen.

Das erste Kieler Reitturnier wurde vor fast 60 Jahren in der damaligen Ostseehalle angeklingelt. Es trug den schwerfälligen Namen „Pferdeleistungsschau in der Ostseehalle Kiel vom Landesverband der Reit- und Fahrvereine Schleswig-Holstein“. Mit einem großen Verantwortlichen-Apparat und ebenso großer Unterstützung von Stadt und Land wurde ein Zwei-Tages-Turnier gestemmt. „Der Große Preis der Stadt Kiel war eine Dressurprüfung, der Große Preis von Schleswig-Holstein ein Jagdspringen“, erzählt Peter Rathmann, in dessen Besitz die alten Unterlagen vorübergehend sind.

 Nur fünf Jahre lang, bis 1960, richtete der damalige Landesreitverband das Dressur- und Springturnier in Kiel aus, dann war Schluss. Bis Rathmann kam. Der Pferdemann hob nach 30-jähriger Turnierpause 1990 seine Baltic Horse Show „aus einer Weinlaune“ heraus aus der Taufe, wie er verrät. Zusammen mit seinem Kumpel Jörg Münzner, dem österreichischen Olympia-Mannschafts-Silber-Gewinner von 1992, machte auch er zwei Tage lang ein nationales Turnier. Rund 2500 Zuschauer zählte das pferdeverrückte Duo damals, heute hat das inzwischen viertägige Event gut zehnmal so viele Besucher und etwa 120 Helfer. „Wir konnten jedem Besucher persönlich die Hand schütteln“, flachst der Preetzer, der selbst international geritten ist, bevor er 1968 die Firma Rathmann Druck in Kiel aus väterlicher Hand übernahm.

 Münzner ist 1996 als Veranstalter ausgestiegen, Rathmann blieb dabei. Doch nach nunmehr 25 Jahren ist selbst er „ein bisschen turniermüde geworden“, wie der 73-Jährige lächelnd zugibt. „Es hat sich viel verändert“, sagt er rückblickend, „obwohl die jungen Wilden auch heute noch die starken Reiter sind. Nur man selbst wird im Laufe der Jahrzehnte ruhiger.“ Offensichtliches Beispiel für Zeitenwandel ist die veränderte Unterbringung der Pferde, die sich von engen Ständern zur Luxus-Unterkunft mit 24-Stunden-Bewachung mauserte. „Die Parcours sind technischer und schwerer, die Reiter und Pferde besser geworden“, hat Rathmann beobachtet.

 1994 wurden die Springprüfungen international, Prominenz wie Deutschlands erfolgreichster Springreiter Hans Günter Winkler oder die Dressurlegende, der 1997 verstorbene Herbert Rehbein, ritten in Kiel. Erstmals ausverkauft war die Halle 1996, als Dressur-Königin Nicole Uphoff ihr Top-Pferd Rembrandt verabschiedete. Heute sorgt ein Mix aus Basis- und Leistungssport, gepaart mit Showelementen und Fahr-Duell für ein volles Haus. Zum 25. Jubiläum kommt sogar ein Star-Show-Gast aus Frankreich, der König der Freiheitsdressur, Jean-François Pignon. „Man muss aufgrund der Vielzahl der Angebote viel tun, um eine Veranstaltung attraktiv zu halten“, sagt der Turnierchef, dessen Hauptaufgabe es ist, die Finanzierung des Großereignisses mittels Sponsoren sicherzustellen. „Das ist schwieriger geworden. Sogar ein Paul Schockemöhle hat seine German Classics in Hannover absagen müssen.“

 Während das Reitturnier vor 25 Jahren 350000 D-Mark kostete, wird heute etwa gleich viel allein an Gewinngeldern ausgeschüttet. Das Reit-Event, das zu einer der renommiertesten europäischen Veranstaltungen gewachsen ist, kostet inzwischen fast eine Million Euro.

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