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Nachrichten: Reitsport Turniersport auch für Nicht-Profis und was der Fußball nicht kann
Sport Reitsport Nachrichten: Reitsport Turniersport auch für Nicht-Profis und was der Fußball nicht kann
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16:56 25.05.2020
Von Reitsport Pressemitteilung
Parcoursbesichtigung zu Pferd in Schülp. Quelle: Tara Gottmann
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Schülp/Rendsburg

Jacqueline Reese, Robin Naeve, Thomas Voß –  so lautete der “Einlauf” auf den ersten drei Plätzen beim Reitturnier in Schülp Am Moltkestein unter Corona-Bedingungen. Das Trio gewann und platzierte sich in der letzten von insgesamt 27 Prüfungen auf der Anlage, die erst kürzlich von Ronald und Nadja Kötter erworben wurde und nun schon wieder Gastgeber für ein Turnier unter besonderen Bedingungen war. Es war neben Elmshorn übrigens auch das erste Turnier seit dem Lock-Down, das auch Amateuren und Jugendlichen wieder zugänglich war.

Geteiltes Wissen
Mit strengen Regeln. Turnierleiter Peter Schultes hatte sich Rat geholt bei Merve Henningsen, die das Konzept von Holger Wulschner für Groß Viegeln kannte. Geteiltes Wissen über erfolgreiche Wege ist erstens nützlich, zweitens solidarisch und drittens für Genehmigungsbehörden eine mögliche Erleichterung. “Das war ein schönes Turnier und es hat tadellos funktioniert”, fasst Franz-Peter Bockholt, Richter und Präsident des Pferdesportverband Hamburg zusammen. Vier Tage lang besah er sich neben dem Job im großen Richterhaus Abläufe, Prüfungen und Organisation.

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Größenordnung?
Eine Cormint-Tochter und zwei “Mädels” von Casall machten im letzten S-Springen die Schlagzeilen, alle drei neun Jahre alt. Siegerin Jacqueline Reese saß im Sattel von Dakota, Naeve stellte Casalla R vor und Voß die Stute Quintess. Manchmal 20, manchmal auch mehr als 40 Paare traten pro Prüfung an. Die Resonanz auf die Turnierofferte machte deutlich, dass Turniersport herbeigesehnt wird, andererseits aber kein Riesen-Run einsetzte. Wer nicht unbedingt los möchte, bleibt einfach im heimischen Stall.

Paare, die ihre Prüfung beendet hatten, trabten brav wieder zum Transporterparkplatz, um dort die Pause bis zur nächsten Prüfung zu überbrücken. Am Einritt wachte Peter Schultes selbst darüber, dass Abstände eingehalten wurden und hatte auch umliegende Flächen im Blick. Teilnehmer, die etwa am Parkplatz zu Grüppchenbildung ohne Abstand tendierten, ereilte unüberhörbar die Ermahnung, auf Distanz zu gehen.  

In Elmshorn war am Samstag in zwei A-Springen sogar das Parcours-abgehen mit Pferd erlaubt, schließlich muss man sich dabei nicht zu nahe kommen. Auf den Abreiteplatz durften maximal 12 Paare gleichzeitig. Die Berufsreiter hatten bereits Mitte der Woche die Gelegenheit, ihre Nachwuchspferde über den großen Sandplatz an der Fritz-Thiedemann-Halle zu pilotieren. Sowohl in Schülp, als auch in Elmshorn war eine Meldestelle vor Ort eingerichtet, wurde aber ausschließlich online betrieben.

Nochmal Lüneburg
Und aus Scharnebeck vernahm man die Kunde von einem Dressurturnier mit vier Prüfungen von A bis S. Scharnebeck liegt im niedersächsischen Landkreis Lüneburg. Das ist der Landkreis, der bereits das Pilot-Turnier in Luhmühlen Anfang Mai genehmigt hatte. Praxis kann eben einfach hilfreich sein.

“Laut gedacht”: Was Pferdesport kann – Fussball nicht ….
Wir wissen nicht genau, ob es die aller-allerersten waren, auf jeden Fall zählten diese beiden zu den ersten: Schülp Am Moltkestein und Elmshorn boten die ersten Reitturniere, an denen auch Amateure und Jugendliche teilnehmen konnten. Leistungsvergleich im Reitsport ohne Zuschauer,  geschwaderartig auftauchender Begleitung und ohne Grüppchenbildung am Platz war gleich zweimal möglich. Man muss das nicht bejubeln, denn das ist nicht die Form der Zukunft, man darf es wertschätzen in einem (Deutsch)Land, in dem unter “Sport” zumindest in der veröffentlichten Wahrnehmung hauptsächlich Fussball verstanden und konsumiert wird.

Durchschaubar
Häme ist eigentlich unangebracht, aber wer den Bemühungen einerseits und den Realitäten andererseits im (bezahlten) Fußball zuschaut, kann sich ein Grinsen kaum verkneifen. Das medizinisch-organisatorische Konzept, das der Mediziner Tim Meyer von der “Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb” für die Deutsche Fussball-Liga (DFL) vorgelegt hat, mag ohne Zweifel Spitze sein. Das Lamento und das Tun drumherum – in Teilen erbärmlich und das seit Ende März. Klar geht es um Geld und TV-Verträge – na und? In anderen Branchen geht es auch um Existenzen. Zwei Drittligisten im Osten der Republik erwägen inzwischen Klagen, die erste und zweite Fussball-Bundesliga hat losgelegt, nur der “stinknormale” Fussball, der –  tja – ist wo eigentlich?

Machbar
Weniger vom monetären Sponsorenregen verwöhnte Sportarten machen vor wie es gehen kann. Pferdesport zählt dazu mit Idee + Initiative, erst mit den “Vorreiter-Profis” im Pilotprojekt Luhmühlen, dann in Groß Viegeln, Goch und Wipperfürth und jetzt in Elmshorn, Schülp und Scharnebeck. Die eher überschaubare Publikumsresonanz bei kleineren Turnieren gereicht dem Sport dabei zum Vorteil – nur bedingt ein Grund zur Freude. Erfolgreiche Konzepte wurden und werden geteilt – ganz einfach. Das alles geht geräuschlos über die Bühne. So geräuschlos, dass es medial kaum wahrgenommen wird. Das ist das eigentlich Alarmierende. Oder doch nicht?

Dem Bezahl-Fussball fällt einiges Hausgemachtes vor “die Füsse” – sei es das Handshake-Video von Hertha-Profi Salomon Kalou oder die “Entdeckung der Moral” in Corona-Zeiten in Liga 1 bis 3 – erkennbar abhängig von Auf- und Abstiegschancen. Der DFL-Geschäftsführer Christian Seifert,  zugegebenermaßen gerade nicht im komfortabelsten Job der Welt, hat die Fussballanhänger gelobt, weil sie beim Re-Start der Bundesliga nicht vor den Stadien aufmarschiert sind: “….mir war völlig klar, dass die aktive Fanszene viel zu intelligent ist, um ihren Kritikern den Gefallen zu tun….” Kurz nachdenken: Seit Mitte März war Zeit vorhanden, zu kapieren, worum es geht. Weder ein Kunststück, noch Zeichen besonderer Intelligenz. Und an diesem Punkt bin ich doch erleichtert, derlei “Komplimente” nicht über Pferdesportfans lesen zu müssen. Martina Brüske

Die Ergbebnisse des Turniers finden Sie hier.

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