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News - Tipps, Termine & Vereine Hofauktion in Corona-Zeiten
Sport Reitsport News - Tipps, Termine & Vereine Hofauktion in Corona-Zeiten
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20:35 24.05.2020
Von Reitsport Pressemitteilung
Auktionator Volker Raulf – Bernd Mohr – Stute-Fohlen – Büttner Quelle: www.equ-i-dee.de
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Ellerhoop

Die Pferde sind verkauft. Nicht komplett alle, aber Bernd Mohr, der seinen alteingesessenen und bekannten Betrieb in Ellerhoop beendet und verkauft, darf auf ca. 400.000 Euro Gesamterlös für 50 Pferde blicken. Der 68-jährige hat sich bewusst dazu entschlossen, wird auch seine Anlage verkaufen, sich dann in St. Peter-Ording niederlassen. “Erst mal Abstand gewinnen”, sagt Mohr nach der Auktion, “ich bleib in Holstein und dann sehen wir mal weiter.”

Für ihn endet ein Lebensabschnitt und so gut und gründlich er sich das auch überlegt hat, leicht fällt es nicht. Wohin die Pferde gegangen sind? “Darauf habe ich ja keinen Einfluß”, so Mohr. “Bei einigen fand ich es toll, wer sie gekauft hat Da bin ich froh, dass sie dahin gegangen sind”, räumt der Landwirt, Züchter und Hengsthalter freimütig ein.

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Interessante Kombi
Mindestens so interessant wie die Frage nach dem wirtschaftlichen Erfolg war aktuell die Form der Auktion. Der Ursprungstermin in Ellerhoop musste aufgrund der Beschränkungen durch die Corona-Pandemie gestrichen werden, das die Mischung aus Präsenzauktion und Online-Livegeboten am 23. Mai stattfinden konnte, ist das Ergebnis eines “Ritts auf der Rasierklinge”, denn das Auktionsbüro MennrathS mit Auktionator Volker Raulf und Mohr selbst, hatten drei Ziele ins Auge zu fassen. Neben dem Hauptziel des bestmöglichen Verkaufs eben auch die Berücksichtigung der Corona-bedingten Beschränkungen und gleichzeitig eine einwandfreie freiwillige öffentliche Versteigerung.

Stichwort: Öffentliche Versteigerung
Im Unterschied zur reinen Online-Auktion greift dabei das Fernabsatzgesetz nach Paragraph 312b BGB nicht. Dieses Gesetz regelt Verträge über die “Lieferung von Waren oder die Erbringung von Dienstleistungen, die zwischen Unternehmer und Verbraucher unter ausschließlicher Verwendung von Fernkommunikationsmitteln abgeschlossen wurden”. Dazu gehört das Widerrufsrecht des Käufers binnen 14 Tagen nach Kauf ohne Angabe von Gründen. “Dafür war es von vornherein erforderlich, eine öffentliche Versteigerung zu organisieren, das war ohnehin immer das Ziel”, unterstreicht Volker Raulf. Das Corona-Geschehen forderte Verkäufer und Auktionator dann zusätzliche Herausforderungen ab.

Ellerhoop_Hofauktion_Buettner
Die Vorbesichtigung der Auktionspferde war den Interessanten nach telefonischer Absprache mit Mohr möglich, für Kunden aus dem Ausland allerdings deutlich schwieriger und manchmal auch unmöglich. Um möglichst viele potentielle Käufer zu erreichen, verzichtete MennrathS auf das Prinzip Online-Auktion und bot stattdessen das Online-Bieten live in Echtzeit, sowie zeitgleich die Präsenzauktion an und darin lag die Herausforderung. Wie viele Interessenten dürfen unter welchen Bedingungen in Ellerhoop dabei sein?

Zauberwort Kommunikation
“Wir hatten regelmäßigen E-Mail-Kontakt mit dem Ordnungsamt und Gesundheitsamt des Kreises Pinneberg als genehmigender Behörde”, so Raulf. Personenzahl (max. 50), Abstandsregeln, Gastronomie im kleinen Rahmen, Anwesenheitsnachweis, Anmeldung.

“Am Freitagmorgen um neun Uhr kam die endgültige Genehmigung des zuständigen Kreises”, verrät Volker Raulf –  also gerade mal 24 Stunden vor Auktionsbeginn. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits reihenweise Registrierungen eingetroffen, sowohl für den Besuch vor Ort, als auch für online abzugebende Gebote. Das Prinzip: Wer vor Ort ersteigern wollte, mußte sich registrieren für die jeweils gewählte Gruppe – Reitpferde, Zuchtstuten (z.T. mit Fohlen bei Fuß) oder Aufzuchtpferde. Zwischen den drei Auktionsgruppen mussten im Zeitplan 1,5-stündige Pausen eingebaut werden, um An- und Abfahrt der jeweiligen Interessenten zu gewährleisten und die Anwesenheitslisten zu finalisieren. Wer sich vorab nicht registriert hatte, bekam keinen Zutritt. Mund-Nase-Schutz war verpflichtend, ebenso Abstandsgebote.

Online-Live-Bieten nicht gleich Online-Auktion
Online live bieten war nur Interessenten möglich, die sich vorab registriert und eine Sicherheit in Höhe von 4000 Euro auf dem Auktionskonto hinterlegt hatten. “Sage und schreibe 40 Interessenten haben diese Möglichkeit genutzt”, so Volker Raulf, “und jene, die nicht zum Zuge kamen, bzw. nichts ersteigert haben, erhalten ihre Sicherheit jetzt sofort zurück. Insgesamt acht Pferde sind im Online-Live-Gebot versteigert worden, drei Pferde hatten interessanterweise ausschließlich Online-Bieter.” Möglich war diese Form der öffentlichen Versteigerung unter Einbeziehung des Live-Online-Bietens durch die Zusammenarbeit mit ClipMyHorse.  Vor Ort wurde das “online-Geschehen” transparent umgesetzt. Ein akkustisches Signal verkündete für die Anwesenden das Vorliegen eines Gebots, auf dem Videowall konnte sichtbar gemacht werden, das nun gerade ein Gebot z.B. aus Hamburg oder Düsseldorf vorlag. Das Gleiche sahen die Online-Livebieter.

“Die Stimmung”, sagt Bernd Mohr, “war natürlich ganz anders. Bei einer normalen Auktion wären vielleicht 800 Leute hier gewesen. Aber wir mußten den behördlichen Regelungen folgen.” Und einiges war denn doch ein wenig so wie immer, hat Fotograf Stephan Bischoff beobachtet, der sich ganz offiziell die Genehmigung zum Auktionsbesuch zu Arbeitszwecken eingeholt hatte: “Bieterduelle gab es trotzdem. Da standen sich zwei in der Halle gegenüber, guckten einander an und haben immer weiter gemacht. Bei den hochtragenden Stuten gab es Zurückhaltung, aber das ist sicher nicht ganz so überraschend. Die notwendigen Pausen haben die Atmosphäre sicher beeinflusst, aber derzeit geht es nicht anders und es war hochinteressant zu beobachten, wie eine solche Auktion funktioniert und welche Chancen sich da auftun.”

Lovelli Preisspitze
Preisspitze der Hofauktion war mit 30.000 Euro der fünf Jahre alte Holsteiner Wallach Lovelli von Livello-Calido aus dem Stamm 4815. Die Kollektion umfasste Hengste, Stuten und Wallache von Askari, Uriko, Quiwi Dream, Tinka`s Boy, Vagabond de la Pomme, Colore, Leovisto, Magnus Romeo, Van Gogh und anderen. Die Zuchstuten, teilweise mit Fohlen bei Fuß, repräsentieren durchgezüchtete Holsteiner Stämme. Tragende Stuten, die nicht veräußert wurden, bleiben bestens versorgt beim Nachbarn Carsten Laugks. Der Schritt ist endgültig, Bernd Mohr schaut nach vorn – wenn auch mit etwas Wehmut.  Martina Brüske

Infos: www.mennraths.de, Fotos: www.equ-i-dee.de, Online-Bilder: Claus Büttner

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