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Reiterszene Corona bringt den Reitstall aus dem Tritt
Sport Reitsport Reiterszene Corona bringt den Reitstall aus dem Tritt
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12:18 28.03.2020
Von Nicole Scholmann
Angela und Melina Geist und ihr Pferd Edelstein vom Hof Reiherstieg. Die Flasche Desinfektionsmittel gehört mittlerweile zum Alltag in dem Reitstall. Quelle: Nicole Schoolmann
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Henstedt-Ulzburg

Die scheinbar heile Welt auf einem Reiterhof am Reiherstieg in Henstedt-Ulzburg ist seit Corona eine andere. „Das Miteinander findet hier bei uns gar nicht mehr statt“, sagt Angela Geist, die mit ihrem Mann Thomas den Reitstall in dritter Generation führt. Es gelten auf dem Hof strenge Regeln.

Als die Situation rund um das Coronavirus in Deutschland immer brenzliger wurde, machten sich auch Angela und Thomas Geist ihre Gedanken. Gut 50 Pferde und Ponys sind dort von ihren Besitzern, den Einstellern, untergebracht.

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Die Ankündigung der Schul- und Kita-Schließungen haben dann den letzten Anstoß gegeben. „Mir war schnell klar, dass es gerade nicht wie normal weitergeht“, erzählt Angela Geist. Die 43-Jährige stellte umgehend neue und strenge Regeln auf, die seitdem befolgt werden müssen.

Die Henstedt-Ulzburgerin wacht mit Argusaugen („Ich bin hier im Moment der Rottweiler“) auf die Einhaltung der Vorschriften – schon im eigenen Interesse. „Mein Mann Thomas gehört zur Risikogruppe. Außerdem leben seine Eltern auch hier mit auf dem Hof“, berichtet Geist. Da sei es fahrlässig, ein Risiko einzugehen. Weder ihr 51-jähriger Mann noch die Senioren sollen gefährdet werden.

Als erstes wurde den auswärtigen Reitlehrern mitgeteilt, dass sie in der Corona-Zeit nicht mehr auf den Hof kommen und arbeiten dürfen. Angela Geist traf auf das Verständnis der selbstständigen Reitlehrer, die weiterhin im Notfall ihre Hilfe anboten. Der Gruppenunterricht wurde bis auf weiteres eingestellt.

Die 50 Besitzer sowie deren Reitbeteiligungen der auf dem Hof untergestellten Tiere sind morgens zwischen 7 und 8 Uhr auf dem Hof nicht erwünscht, denn zu der Zeit füttern Thomas Geist und der Angestellte die Vierbeiner. „Da hat kein anderer etwas im Stall zu suchen“, macht Angela Geist deutlich.

Der Chef und sein Mitarbeiter haben zurzeit keinerlei Kontakt zu Einstellern. Beide bringen dann die Pferde in kleinen Gruppen auf die Sandplätze, wo die Tiere das Frühlingswetter genießen können. Auf die Weide geht es noch nicht, denn diese würden zertreten werden. „Es ist noch zu nass“, sagt Angela Geist.

Über den Tag verteilt kommen die Reiter nach und nach, um ihre Tiere zu bewegen. Denn nur darum gehe es im Moment: „Das Tierwohl steht an erster Stelle, die Pferde müssen bewegt werden“, sagt Geist. Die sozialen Kontakte, die in einem Reitstall eigentlich dazu gehören, liegen brach. Sonst treffen sich nachmittags immer Teenager, die nach der Schule zu ihren Pferden radeln, im Reiterstübchen ist immer etwas los, es wird geschnackt und gelacht. Jetzt ist es still im Reitstall. Es wird Abstand gehalten.

„Wer sein Pferd bewegt hat, fährt umgehend wieder nach Hause“, sagt Angela Geist. Ausritte in der Gruppe sind nun verboten. In die Sattelkammer darf nur eine Person zurzeit. Händewaschen und das Desinfizieren der Hände gehören mittlerweile schon wie selbstverständlich dazu. Zur Erinnerung hängen im ganzen Reitstall selbstgemalte Hinweisschilder. Schaufel, Besen und Schubkarre dürfen nur mit Einmal-Gummihandschuhen benutzt werden.

Es herrsche eine gedrückte Stimmung. „Man sagt sich aus der Ferne Hallo – und das war es“, sagt die Reitstallbesitzerin. Natürlich sei das schade, „aber wir müssen das jetzt durchhalten. Das ist wichtig!“, sagt sie. Familie Geist lobt ihre Einsteller, die sich vorbildlich verhalten würden. Es gebe auch keine Diskussionen um die neuen Hofregeln. Per Whatsapp-Gruppe werden alle Pferdebesitzer täglich von Angela Geist mit neuen Informationen zu Corona versorgt und an die Regeln erinnert. Klare Ansagen, so Geist, seien das A und O in dieser Zeit. „Das ist angekommen bei meinen Leuten.“

Familie Geist hofft, dass es nicht weitere Einschränkungen wie beispielsweise eine Ausgangssperre geben wird, um Corona einzudämmen. Viele Menschen haben, so Angela Geist, eine emotionale Verbindung zu ihrem Vierbeiner und sehen es nicht als ein Sportgerät an. Vorsichtshalber hat sie ihren Reitern ein Schreiben ausgestellt, in dem bestätigt wird, dass der Besitzer zum Wohle seines Tier zum Stall kommen darf. „Ich hoffe, wir werden die Zettel nicht brauchen“, sagt Angela Geist.

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