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Reiterszene „Ich wollte nie weg von zu Hause“
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Profireiterin Kimberly Hinrichs: Ich wollte nie weg von zu Hause

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10:29 27.08.2020
Von Johanna Voth
Foto: Kimberly Hinrichs reitet die dreijährige Holsteiner Stute Kaviera. Beide schaften es ins Feld des Bundeschampionats, das jedes Jahr im nordrhein-westfälischen Warendorf ausgetragen wird.
Kimberly Hinrichs reitet die dreijährige Holsteiner Stute Kaviera. Beide schaften es ins Feld des Bundeschampionats, das jedes Jahr im nordrhein-westfälischen Warendorf ausgetragen wird. Quelle: Johanna Voth
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Rendsburg-Klint

Sie ist bis zur schweren Klasse in der Dressur platziert und hat sich in der Szene einen Namen mit der Ausbildung von jungen und schwierigen Pferden gemacht. Jetzt hat die 28-jährige Kimberly Hinrichs aus Rendsburg-Eckernförde eine Holsteiner Stute zum Bundes-championat, dem wichtigsten Turnier in Deutschland für Nachwuchspferde, qualifiziert. Am ersten September-Wochenende darf sie nach Warendorf reisen.

Das Bundeschampionat ist das Jahreshighlight für alle Ausbilder. Hier kommen die besten Nachwuchstalente Deutschlands zusammen. Bei einem Sichtungsturnier wurden Kimberly Hinrichs (28) und die dreijährige Kaviera für das Championat ausgewählt. „Sie ist ein sehr talentiertes, ganz besonderes Pferd, mit dem das Training jeden Tag Freude bereitet“ sagt Hinrichs voller Vorfreude auf die nationale Meisterschaft in Warendorf.

Kimberly Hinrichs und ihr Bruder Cedric haben fast alle ihre Turnierpferde selbst ausgebildet. Foto: Johanna Voth

Ihr Erfolgsrezept liegt im Familienbetrieb: Die Dressurreiterin hat sich bewusst für die Arbeit mit jungen Pferden und Reitern und gegen eine Karriere in einem großen Turnierstall entschieden. Auf der Reitanlage am Klint in Rendsburg, die ihre Eltern im Jahr 2006 übernahmen, baute die Familie einen Pensionspferdebetrieb mit Reitschule auf. Seit dem Kindergartenalter reiten sie und ihr Bruder Cedric, ein Leben ohne Pferde war für sie schon immer undenkbar. Und auch ein Alltag abseits des elterlichen Hofs sei für sie nicht in Frage gekommen. Bereits in Pony- und Juniorenprüfungen hocherfolgreich, entschloss sich Kimberly nach dem Abitur, das Reiten zum Beruf zu machen.

Sie hatte jahrelang Unterricht bei Karin Winter-Polac in Lürschau bekommen, dort Erfahrungen in der Ausbildung von jungen Pferden gesammelt. Dann bot die passionierte Züchterin von Holsteiner Dressurpferden der jungen Reiterin an, bei ihr in Ausbildung zu gehen. Hinrichs sagte zu. „Ich konnte in dieser Zeit nebenbei auch weiterhin bei uns zu Hause arbeiten und reiten, was mir sehr wichtig war“, sagt Hinrichs. „Ich wollte nie weg.“

Während der Lehrjahre und durch die Zucht ihres Vaters wuchs auch ihre Leidenschaft für die Rasse der Holsteiner Pferde, die besonders im Springen erfolgreich sind. Nachdem Hinrichs ihre Ausbildung abgeschlossen und danach zwei Jahre lang für Familie Kasch und das Gestüt Heitholm in Melsdorf geritten hatte, wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und führt seit 2016 den Hof am Klint gemeinsam mit ihrem Vater. „Meine Eltern haben mich immer unterstützt und bis heute frage ich meine Mutter häufig um Rat. Mein Bruder Cedric und ich haben fast alle unsere Turnierpferde selbst ausgebildet. Das war viel Arbeit, die Geduld erfordert, aber auch Spaß macht.“

Für den Unterricht mit Kindern auf den elf Schulponys des Betriebes nimmt sie sich nachmittags Zeit, nachdem sie ihre Beritt- und Turnierpferde geritten hat. Dazu gehört unter anderem der Hengst Clarksville, den sie in der aktuellen Saison bereits in Dressurpferdeprüfungen der Klassen L und M siegreich und platziert vorstellte. Zudem hat sie außerhalb der Decksaison auch den Prämienhengst der Holsteiner Körung 2019, Fidano, unter dem Sattel. „Während der Anfangszeit der Corona-Pandemie waren Reitunterricht und Turniere nicht erlaubt. Die Pferde wollten aber trotzdem ihre tägliche Bewegung, weshalb wir noch mehr zu tun hatten.“

Um ihrem Pensum von bis zu 15 Pferden täglich gerecht zu werden, beginnt Hinrichs‘ Arbeitstag bereits um halb sechs am Morgen. Mittags widmet sie sich ihrem Fernstudium der sozialen Arbeit. „Durch den Kinderreitunterricht war mir früh klar, dass eine Karriere außerhalb des Sattels eine soziale Komponente enthalten muss, damit sie mir gefällt, falls ich das Reiten irgendwann nicht mehr beruflich ausüben kann.“ Der Nachmittag ist reserviert für ihre Schüler, der Abend für ihren Verlobten Christopher.

An den Wochenenden stehen viele Turniere auf dem Plan, so auch am ersten September-Wochenende. Dann stehen die Bundeschampionate in Warendorf an, die in diesem Jahr Corona-bedingt auf zwei Wochenenden entzerrt wurden. „Schade, dass keine Zuschauer zu den Championaten zugelassen werden“, sagt Hinrichs. Ihre Sportpartnerin ist Kaviera, eine fuchsfarbene Dreijährige, die in diesem Jahr bereits zur Siegerin der Stutenschau bei den Dressurpferden des Holsteiner Verbandes gekürt wurde. Hinrichs: „Mit so tollen Partnern fühlt es sich gar nicht nach Arbeit an.“

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