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Westernreiten: Wettkampf mit Showeffekt

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10:04 08.09.2020
Foto: Joana Sprogøe aus Sülfeld mit dem gescheckten Gambit und dem braunen Brady. Die Sülfelder holte bei den Deutschen Meisterschaften mehrere Medaillen.
Joana Sprogøe aus Sülfeld mit dem gescheckten Gambit und dem braunen Brady. Die Sülfelder holte bei den Deutschen Meisterschaften mehrere Medaillen. Quelle: Anne Pamperin
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Sülfeld

„Er hat ein bisschen was von Genie und Wahnsinn. Aber deswegen ist er auch so gut“, sagt die 32 Jahre alte Westernreiterin Joana Sprogøe über ihr American Paint Horse mit dem klangvollen Namen Gamblers First Murphy, kurz „Gambit“ genannt. Bei den German Paint, den Deutschen Meisterschaften der Paint Horses, im bayerischen Kreuth, gewann das Duo zweimal Gold in den Kategorien Western Horsemanship und Western Riding, zweimal Silber (Amateur Trail und Huntseat Equitation) und holte zudem einen vierten Platz im Trailwettbewerb in der offenen Klasse, in der auch die Profireiter starten.

In verschiedenen Wettkämpfen musste Joana Sprogøe mit ihrem American Paint Horse Gamblers First Murphy, kurz „Gambit“ genannt, ihr Können zeigen. Foto: Anne Pamperin

Die DM-Medaillen waren für Joana Sprogøe bei Weitem nicht die ersten: Seit 2017 steht sie auf nationaler Ebene regelmäßig auf dem Siegertreppchen und wurde 2018 zudem zweifache Europameisterin mit dem mittlerweile zehnjährigen Gambit. „Schade, dass es dieses Jahr keine Europameisterschaften gibt. Aber wir sind ja froh, dass zumindest die DM stattgefunden hat“, sagt Joana Sprogøe. Mit dem 16 Monate alten „Brady“ hat die Amazone noch einen weiteren Wallach im Stall, der zu großen Hoffnungen berechtigt: Bei der DM holte das junge Pferd – bei seinem ersten Auftritt vor einer Jury überhaupt – auf Anhieb Gold in der Klasse Open Halter, einer Zuchtprüfung.

Die Freude am Westernreiten entdeckte Joana Sprogøe im Grundschulalter. „Meine Eltern haben diesen Sport schon ausgeübt. Ich hatte gar keine andere Wahl“, sagt sie lachend. Im heimischen Sülfeld wurde schnell deutlich, welch talentierte Reiterin da im Sattel sitzt. „Meine ersten Wettbewerbe habe ich auf dem Landesbreitensportturnier in Bad Segeberg absolviert. Damals noch mit einem kleinen Welshpony. Meinen ersten Landesmeistertitel habe ich mit elf oder zwölf Jahren gewonnen. So genau weiß ich das gar nicht mehr“, sagt Joana Sprogøe, die bis zu ihrem 17. Lebensjahr Erfolge am laufenden Band feierte.

„Dann hatte ich aber leider unglaublich viel Pech mit meinen Pferden. Eins verletzte sich auf der Weide und musste eingeschläfert werden, ein anderes hatte Kissing Spines, eine Entzündung in der Wirbelsäule, und konnte nicht mehr auf Turnieren geritten werden“, berichtet die Ergotherapeutin, die in Sülfeld eine eigene Praxis für Kinder und Jugendliche mit Problemen führt.

Die vielen Rückschläge und Verluste sorgten für großen Frust bei der erfolgreichen Pferdesportlerin, die Karriere schien so gut wie beendet. „Dann aber bekam mein Vater wohl Mitleid und bot an, mir ein Pferd zu kaufen.“ Joana Sprogøe wendete sich an einen befreundeten dänischen Züchter und fand dort auf Anhieb das, was sie suchte, den hübschen American Paint Horse Wallach „Gambit“, damals gerade einmal zwei Jahre alt. Fünf Jahre später bestritt das Duo die ersten Turniere.

Für Joana Sprogøe ist das Westernreiten viel mehr als nur ein Sport. Die Zusammenarbeit und das Zusammensein mit den Pferden ist ein willkommener Ausgleich zu ihrem beruflichen Alltag. „In den vergangenen Monaten hatte ich sehr viel zu tun. Man merkt, dass viele Kinder unter den Folgen der Corona-Pandemie leiden. Viele hatten wochenlang keine sozialen Kontakte, das Zuhausebleiben und auch das Lernen waren nicht immer einfach für die Kinder“, so Joana Sprogøe.

Joana Sprogøe aus Sülfeld ist eine erfolgreiche Westernreiterin, wie man sieht. Mit ihrem Pferd "Gambit" war sie vor kurzem bei den Deutschen Meisterschaften gestartet. Foto: Anne Pamperin

Auf Turnieren schätzt die erfolgreiche Reiterin die angenehme Atmosphäre und das freundschaftliche Miteinander in der Szene.

„Und während des Wettkampfes stehen Harmonie und Durchlässigkeit an erster Stelle. Es herrscht eine entspannte Zufriedenheit.“ Joana Sprogøe liebt zudem das Drumherum und das Ambiente beim Westernreiten. „Die ganze Show macht einfach Spaß“, sagt die Westernreiterin, die stets mit Hut, langärmliger Bluse und „Chaps“, also Beinkleidern aus Leder oder Kunstleder antritt.

Dass die Saison schon wieder beendet ist, findet Joana Sprogøe schade, aber Langweile kennt sie trotzdem nicht. Zusammen mit Ehemann Matthias baut sie in Schadehorn (bei Bad Oldesloe) gerade ihren eigenen Stall. Trainiert wird weiter, denn trotz der vielen Erfolge hat Joana Sprogøe noch lange nicht genug vom Turniersport. „Ich möchte gerne einmal Europameisterin im meiner Lieblingsdisziplin Trail bei den Amateuren werden.“ Bisher holte sie diesen Titel „nur“ auf nationaler Ebene. Text: Anne Pamperin

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