Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Reiterszene Der kleine Karl kämpft sich ins Leben
Sport Reitsport Reiterszene

Zwillingsgeburt auf dem Birkenhof: Der kleine Karl kämpft sich ins Leben

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:20 27.06.2020
Von Tara Gottmann
Auf dem Ultraschall von Frederiksborger Stute Ronja war ursprünglich nur ein Fohlen zu sehen. Dann gab es eine Zwillingsgeburt. Karl ist noch deutlich kleiner als sein großer Bruder Gustav. Quelle: Tara Gottmann
Anzeige
Preetz

Noch etwas unbeholfen und staksig läuft der kleine Karl hinter seinem Züchter Quint Schneider hinterher. Dann fängt er an zu toben, legt sich danach hin und schläft. Das Hengstfohlen ist etwas ganz Besonderes und laut seinem Besitzer ein „ein großes Wunder“: Er ist ein Zwilling.

Bei Pferden ist es sehr selten, dass Zwillinge lebend geboren werden. Zwillingsträchtigkeiten kommen häufiger vor. „Aber meistens entwickelt sich eins der Fohlen nicht richtig, stirbt ab und kann das andere Fohlen sowie die Stute vergiften; es kommt zu Fehlgeburten“, erklärt der Züchter. Oder es stirbt bei der Geburt. Weil das Risiko zu groß ist, wird normalerweise eines der Embryos zu Beginn der Trächtigkeit getötet.

Anzeige

Auf dem Ultraschall bei Schneiders Frederiksborgerstute Ronja war jedoch nur ein Fohlen zu sehen. Umso überraschender war es, als dann zwei Fohlen geboren wurden. „Wir hatten uns gerade etwas darüber gewundert, dass das Fohlen so klein ist, da kam plötzlich noch ein zweites, viel kleineres“, so der Züchter. Bei seiner Geburt am 16. Juni wog „Karlchen“ lediglich 15 Kilogramm. Sein großer Bruder Gustav brachte 40 Kilogramm auf die Waage.

Normal bei Frederiksborgern seien 45 bis 60 Kilogramm. Und doch zeigte Karlchen bereits da einen starken Überlebenswillen: „Er hat direkt gewiehert und hatte sofort einen Saugreflex, noch vor seinem Bruder“, so Schneider. Doch eigenständig bei seiner Mutter trinken konnte er nicht. Dafür war er zu klein und zu schwach. „Die ersten 48 Stunden waren entscheidend, ob er es schafft. Aber Atmung, Verdauung und Reflexe waren in Ordnung.“ Der Stute wurde die für neugeborene Fohlen überlebenswichtige Biestmilch abgemolken und Karl mit einer Babyflasche gefüttert.

Karl bekommt jede Stunde 250 Milliliter Stutenmilch. Dabei hat er ordentlich Zug drauf, nach zwei Minuten ist die Flasche leer. Foto: Tara Gottmann

Nachdem er die ersten zwei Tage überstanden hatte, sollte Karl eigentlich zu einer Ammenstute kommen. Für seine 1,67 Meter große Mutter ist er zu winzig. In den sozialen Medien wurde ein Aufruf gestartet und tatsächlich eine Ponystute ganz in der Nähe gefunden. „Das hat leider noch nicht funktioniert, weil Karlchen zu langsame Reaktionen zeigt und noch nicht stabil genug ist“, so Schneider. Also wurde er wieder auf den Birkenhof geholt und bekommt nun vom Haflingerhof Seraphin in Seedorf gekaufte Stutenmilch stündlich mit der Flasche gefüttert. „Der Plan ist, das so lange durchzuziehen, bis er aus dem Gröbsten raus ist“, erklärt Schneider. „Wir suchen noch eine kleine Ponystute, die ihn großziehen und sozialisieren kann. Karlchen ist bei Menschen zutraulicher als bei Pferden, er muss die Pferdesprache erst noch lernen.“

Jetzt sind die Zwillinge eine Woche alt. Karl ist inzwischen 70 Zentimeter groß, wiegt 19 Kilogramm und sieht neben seinem 1,15 Meter Bruder noch kleiner aus. „Seine Bänder und Sehnen sind noch ein bisschen zu lang, aber das ist schon besser geworden“, sagt sein Züchter. „Die Tierärzte glauben, dass er sich ganz normal entwickeln könnte. Schon nach der Geburt waren sie von ihm begeistert, denn seine Blutwerte waren alle in Ordnung und sein Immunsystem war überdurchschnittlich gut.“

Züchter Quint Schneider tut alles, damit sich sein Fohlen gut entwickelt. Foto: Tara Gottmann

Damit das so bleibt, wird alles getan. Vier bis fünf Leute gucken in Schichten jeden Tag nach ihm und schreiben Protokoll, wie es ihm geht. Sobald es kühl wird, bekommt er eine Decke angezogen, „von einem Schäferhund, alles andere war zu groß“, nachts wird er noch zugedeckt. Alles, damit er groß und stark wird. „Vielleicht wird er aber auch das erste Frederiksborger Pony“, sagt Schneider. Nur eines scheint sicher: „Alle sind der Meinung, dass er das Maskottchen vom Birkenhof werden soll und hier bleibt.“

Reiterszene Trakehner Verband - Endlich wieder Turnier!
Reitsport Pressemitteilung 23.06.2020
Reiterszene Hörspielserie Bibi & Tina wurde verfilmt - Vierbeinige Filmstars aus Großbarkau
Tara Gottmann 10.06.2020
Reitsport Pressemitteilung 30.05.2020
Anzeige