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Erst in Verruf, jetzt in neuem Glanz

Stadtmeisterschaft Kiel: Erst in Verruf, jetzt in neuem Glanz

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09:55 25.08.2020
Von Karina Dreyer
Foto: Vorbildliche Haltung: Vivien Anni Sophie Gundlach auf Gothenburg bei einer Springprüfung der Stadtmeisterschaft des Reiterbundes Kiel.
Vorbildliche Haltung: Vivien Anni Sophie Gundlach auf Gothenburg bei einer Springprüfung der Stadtmeisterschaft des Reiterbundes Kiel. Quelle: Karina Dreyer
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Kiel

Sarah Holst kennt den Reitverein Rossgarten seit vielen Jahren. „Ich war nie in einem anderen Stall, hier bin ich reiterlich aufgewachsen“, sagt sie. Seit Anfang 2018 ist sie nun auch die Pächterin, hat mit Lebensgefährte Alexander Bischoff, ihrem Team und sehr viel Herzblut die heruntergewirtschaftete Anlage wieder auf Vordermann gebracht. Am vergangenen Wochenende wurde die Stadtmeisterschaft des Reiterbundes Kiel dort ausgetragen.

Der 1958 gegründete Reitverein in der Melsdorfer Straße 109 ist nah an Kiel und auf einem städtischen Erbbaugrundstück gelegen. Über viele Jahre lief der Betrieb als Pensions- und Reitstall. „Dann wurde vom damaligen Pächter wenig bis gar nichts mehr investiert, da war die Situation schon schwierig“, sagt Alexander Bischof, Vorsitzender des Vereins. Der nachfolgende Pächter habe den Hof dann aber komplett heruntergewirtschaftet, die Pferde seien teilweise nicht gefüttert worden. Es habe kein Schulunterricht mehr stattgefunden und Einsteller wären rausgeschmissen worden, nur noch wenige Pferde hätten in den Boxen gestanden. „Der Verein geriet in Verruf. Als die Katastrophe absehbar war, ist der damalige Vorstand zurückgetreten“, sagt Karolin Erbe, heute zweite Vorsitzende.

Sie packen beim Reitverein Rossgarten mit an (v.l.): Pächterin und Schriftwartin Sarah Holst, Vorsitzender Alexander Bischoff und Karolin Erbe, stellvertretende Vorsitzende. Foto: Karina Dreyer

Neun Monate blieb der Pächter insgesamt, dann wurde er erfolgreich herausgeklagt. Der Verein stand vor einem Scherbenhaufen, ein neuer Vorstand hielt den Betrieb und die Versorgung der Pferde in seiner Freizeit aufrecht. Anfang 2018 entschloss sich dann Sarah Holst, den Rossgarten zu pachten. „Seitdem haben wir den Hallenboden erneuert, der Longierzirkel ist fertig, es gibt eine Drainage für den Dressurplatz und wir haben neue Schulpferde angeschafft“, zählt sie als Beispiele auf. Viel Geld, Nerven und Herzblut sind geflossen, „es ist mein Traum, hier alles auf Vordermann zu bringen“. Mittlerweile sind alle 40 Pensionsboxen belegt, es gibt sogar eine Warteliste. Noch gibt es keine Homepage, aber der Verein ist auf Facebook und Instagram sehr aktiv. „Unser Manko ist der Mangel an Parkplätzen. Wir haben zwar eine Koppel, aber die brauchen wir für die Pferde. Es gibt hier kein Platz für Erweiterungen“, sagt sie.

Nach dem Corona-Shutdown startete der Schulreitbetrieb vor ein paar Wochen wieder, Anfang Juli konnte der jährliche Abzeichenlehrgang mit anschließender Prüfung stattfinden. Und nun sogar auch mit einem Sicherheitskonzept die Stadtmeisterschaft Kiel, die alljährlich durch den Reiterbund veranstaltet wird. „Wir sind sehr glücklich, dass die Pächterin und der Verein voll hinter allem stehen und es ermöglicht haben, dass die Stadtmeisterschaft nun tatsächlich auch in Kiel stattfinden kann“, sagte Kirsten Denkert, stellvertretende Vorsitzende des Reiterbundes Kiel.

Am Sonnabend und Sonntag zählten die Veranstalter der Stadtmeisterschaften knapp 100 Starts in der Dressur und beim Springen. Bei der Großen Tour Springen ergatterte Anna-Lena Hoffmeister mit Cornelius Maximus H den ersten Platz, gefolgt von Christoph Wulf mit Crossfire J. Und auf dem dritten Platz Julia Rieth mit Dukes Night Out. Bei der Kleinen Tour Springen gewann Ken-Christian Horst mit Happy's Quirada, gefolgt von Annika Sievert mit For my Joy Maja und auf dem dritten Platz Juliane Trojahn mit Cristall 6. Bei der Großen Tour Dressur schaffte es Emmelie Kohtz mit Dexter Morgan auf den ersten Platz, Zweite wurde Karlotta Elise Nüss mit Lille Sol und Dritte Alva Luiza Roth mit Titus 202. Bei der Großen Tour Dressur gewann Annika Sievert auf Ivana 7, gefolgt von Julia Rieth mit Dukes Night Out und auf dem dritten Platz Karolin Wüsten mit Kaiser-Kurt JJ.

Die Ergebnisse der Stadtmeisterschaft und weiterer Turniere finden Sie hier.