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Zucht „Da schaut die Pferdewelt hin“
Sport Reitsport Zucht „Da schaut die Pferdewelt hin“
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14:18 01.11.2019
Von Frank Scheer
Auf dem Außengelände der Holstenhallen in Neumünster zeigten die geführten Junghengste Ihre Qualitäten in den Gangarten im Dreiecksparcours, hier "Charaktervoll" von Züchter Manfred von Allwörden aus Grönwohld im Galopp. Quelle: Frank Scheer
Neumünster

Auf die Bedeutung der Hengstkörung angesprochen, beginnen die Augen von Harm Sievers zu leuchten. „Das ist ein Highlight. Da schaut die Pferdewelt hin“, sagt der Holsteiner-Züchter. Mit zwei jungen Hengsten ist der Tasdorfer bei der 49. Körung und Elite-Reitpferde-Auktion des Verbands des Holsteiner Pferds in den Holstenhallen in Neumünster vertreten. Gestern startete die Veranstaltung mit dem Freilaufen. 72 Hengste sind um die Zulassung zur Zucht dabei.

Die Herbstauktion in Neumünster ist das Event für Züchter und Eigentümer dieser Pferderasse, deren Entwicklung sich bis in das Jahr 1225 zurückverfolgen lässt. Damals hatte Gerhard I., Graf von Schleswig-Holstein und Stormarn, dem Kloster Uetersen das Recht verliehen, seine Pferde in der Grafschaft Pinneberg weiden zu lassen. Seit 1935 existiert der Verband des Holsteiner Pferds, der seinen Sitz in Elmshorn hat. Seit 1944 gibt es das auch heute noch genutzte Brandzeichen. 4900 Mitglieder hat der Verband. Etwa 70 Verbandshengste, 200 in Privatbesitz und etwa 8000 Zuchtstuten sind heute registriert.

Aufgrund der Rasse-Eigenschaften wie Leistungsbereitschaft, Härte und Springvermögen sind Holsteiner heutzutage nicht mehr nur das bäuerliche Wirtschaftspferd, sondern klassische und erfolgreiche Sportpferde, betonte Sabine Verhaagh vom Presseteam. Die Körung in Neumünster bedeutet für den Züchter die Adelung der Aufzucht und auch viel Geld. 2018 wurden 18 Hengste versteigert, als Höchstpreis wurden für „Cadilo“ 155000 Euro auf den Tisch gelegt. Der Hengst, der bei Klaus-Peter Wiepert in Neuratjensdorf zur Welt gekommen war, wurde in die Schweiz verkauft.

240 der Tiere des Jahrgangs 2017 sind im August bereits in Elmshorn von der Jury unter die Lupe genommen worden. „73 haben es nach Neumünster geschafft, ein Hengst wird nicht vorgeführt“, so Verhaagh weiter. Das Publikumsinteresse war zum Auftakt bereits groß – aus der gesamten Bundesrepublik und Skandinavien waren die ersten Interessenten angereist, wie die Nummernschilder auf dem Parkplatz verraten. Beim Freilaufen vor der fünfköpfigen Körkommission geht’s um „Bewegung und Taktreinheit“. In einer Dreiecksbahn werden die Hengste vor Publikum von einem Helfer über festen und sandigen Boden geführt. Die Gangarten Schritt, Trab und Galopp werden präsentiert.

So manchem der zweieinhalbjährigen Hengste war dabei eine große Nervosität anzumerken. „Das hier ist für die Tiere, die sich ja quasi noch in der Pubertät befinden, schon sehr aufregend und neu“, erklärte die Verbandssprecherin.

Das bestätigte auch Harm Sievers, dessen Schimmel „Dimaro“ nach der Mittagspause präsentiert wurde. Mittwochnachmittag habe man ihn in die Box in die Holstenhallen gebracht, so der Züchter, für den nach 35 Jahren die Körung immer noch ein großes Ereignis ist – und für die Tiere auch. „Dimaro“ sei hellwach, kommentierte er an der Box. Mit einem Apfel ließ sich das Tier aber für kleinen Moment beruhigen. Betreut werden Sievers’ Hengste während der Holsteiner Tage von einer Pferdewirtin. Am heutigen Freitag wird es für die Hengste beim Freispringen in der Halle richtig ernst.

Er gewann die Bronzemedaille 2009 bei den fünfjährigen Geländepferden in Warendorf, belegte Platz neun bei der Weltmeisterschaft der Jungen Vielseitigkeitspferde 2011 und siegte 2014 im Speed Derby in Bonn Rodderberg.

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