Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Segelsport Buden, Bälle und Balladen
Sport Segelsport Buden, Bälle und Balladen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:27 05.07.2014
Von Jörg Meyer
Stein

Derweil spielen sich die schwedische Singer/Songwriterin Sofia Talvik, nicht unbezaubernd im Blumenkinder-Outfit, und die Kieler Folk-Surf-Rocker Superfucker & The Toyboys schon mal die Bälle beim Soundcheck zu. Selbiger lässt Gutes erahnen, doch erst müssen in Brasilien Ball-Chancen in balladesker Dimension verpasst werden. Bis dahin empfiehlt sich ein „Walk on the Wildside“ der Steiner Mole. Weit reicht diese ins Außenfördenass, dort wo es tiefer, um nicht zu sagen tiefsinniger wird. Und ewig rauscht das Meer und der Sommerwind streichelt mild vorahnend die Ohren.
 
Nach dem Fußball-Krimi, nur knapp der Melancholie der Verlängerung entronnen, legt sogleich Sofia Talvik nach. Wer jetzt keinen Liegestuhl ergattert hat, bekommt keinen mehr, denn nicht nur Böhmen, auch Steins Hawaii liegt am Meer – um sich entfernt an Ingeborg Bachmann zu erinnern. Poetisch steht Sofia solcher kaum nach, wenn sie den geheimnisvollen „King Of The Willow Tree“ beschwört – und uns, wir mögen ihr ebenso zujubeln wie vorhin Hummels’ 1:0. Gewünscht, getan, denn die Talvik besingt auch „The War“ (of Love, wie sollte es anders sein) so zart, dass man nicht anders kann oder sollte.
 
Sanft entfacht die sinkende Sonne in ihrem Haar ein güldenes Spiel – die „Golden Goals“ sind eh von gestern – und im märchenhaften A-cappella „Min Ros, Min Lilja“. Das ist so alt-nordisch schön wie der Wind aus Nordost, verheißend weiter gutes Sommerwetter. Einen Waltz bietet Sofia zum Mittanzen, aber wir lümmeln lieber liegegestühlt. Ist gerade so schön, sich von ihr in „The Garden“ entführen zu lassen, auf jene Rückseite des Mondes, wo wie hier ein paar Dünen weiter Schilf wächst.
 
Die zweite hawaiianische Halbzeit bestreiten die Superfucker mit energisch melancholischem Neo-Folk. „Ist ganz schön rockig, sind aber todtraurige Liebeslieder“, belehrt Herr Holst jene, die das nicht eh schon bemerkten. Und gerade dieser Mix macht den Groove aus, der das Quartett, das munter zwischen den Instrumenten hin und her wechselt, so manchen Balladen-Ball direkt in die Bude verwandeln lässt. Etwa im mit zahlreichen Ups versehenen „Downtown“ oder dem „Lullaby“, das so sehnend nach „your helping hand“ schreit, dass es Beatles’ „Help“ glatt in die länger werdenden Schatten stellt. Eine um die andere Ballade der Superfucker bringt manches Eckige ganz rund ins Melancholische, das Folk-Rock schon immer ausmachte. Ein „Practicing Forgetting“, das ganz praktisch erkennen statt vergessen lässt, wie schwer erkämpft die Wege ins Halbfinale der Liebe sind – und vielleicht ja auch in deren Finale.

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!