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Segelsport So will Kohlhoff das WM-Rennen gewinnen
Sport Segelsport So will Kohlhoff das WM-Rennen gewinnen
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16:44 12.12.2019
Von Niklas Schomburg
Immer am Limit: Max Kohlhoff kämpft erbittert um das letzte Olympiaticket im Finn. Quelle: Uwe Paesler
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Melbourne/Kiel

Der Container erreichte Melbourne Mitte November: neun Finn-Dinghys aus Frankreich, Kroatien, Brasilien und Russland. Und auch zwei Jollen aus Deutschland – die des Berliners Phillip Kasüske und die des 26-jährigen Kielers Max Kohlhoff. Finn-Segler halten zusammen, nicht nur in Sachen Logistik. Die starken Männer des Segelsports sind ein eigener Schlag, hart zu sich selbst, körperlich immer am Limit.

Seit einiger Zeit scheinen sie noch enger zusammengerückt zu sein. Denn das Ende ist nah: 2020 werden die letzten Olympia-Medaillen im Finn vergeben. Danach fliegt sie aus dem Programm, die älteste olympische Bootsklasse, seit 1952 ununterbrochen dabei. In der Willi Kuhweide in Enoshima, Ort auch der 2020er-Regatten, vor 55 Jahren olympisches Gold holte. Die Segler wie Jochen Schümann oder Sir Ben Ainslie hervorbrachte.

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Geht es beim Weltverband nicht mehr um Segler, sondern nur um Geld?

Max Kohlhoff kann das immer noch nicht so richtig fassen. „Es wurde krasse Lobbyarbeit gegen den Finn betrieben“, sagt er. „Es geht beim Weltverband aktuell nicht mehr um die Segler, sondern ums Geld. Das fühlt sich ein bisschen an wie die Fifa in klein.“ Irgendwie passt es, dass das „World Sailing Events Committee“ diese Entscheidung 2018 auf einer Tagung in den Räumlichkeiten des FC Chelsea in London auf den Weg gebracht hatte. Auch die deutschen Institutionen will Kohlhoff nicht aus der Verantwortung nehmen. „Auch DOSB und DSV sind nicht ganz unbeteiligt“, sagt er. „Wie da sportfachliche Entscheidungen getroffen werden, finde ich schwierig.“

Die Schwergewichtsjolle hat seit Jahren außerhalb der Finn-Szene an Popularität verloren, für manche ist sie im Vergleich zur rasenden Entwicklung im Skiff- und Foilingbereich überaltert, zudem schwer zu beherrschen und alles andere als ein Einstiegsboot ins olympischen Segeln. Das zeigen auch die Ergebnisse der deutschen Segler, die sich noch nicht für die Spiele in Tokio qualifizieren konnten. „Ich sehe, wie es in den letzten sechs, sieben Jahren stetig besser geworden ist – es ist einfach schade, dass es 2024 keine Chance mehr gibt“, sagt Kohlhoff, der gemeinsam mit Trainingspartner Kasüske nach dem letzten Strohhalm greift: Beim Weltcup in Genua im April wird noch ein Ticket für eine europäischen Nation vergeben.

Steckbrief

Max Kohlhoff

(Finn Dinghy)

Geboren: 7. Mai 1993 in Bremen

Wohnort: Kiel

Verein: Norddeutscher Regatta Verein Hamburg

Größe: 1,88 Meter

Gewicht: 95 kg

Beruf: Segler

Trainer: Mark Bulkeley

Größte Erfolge: Deutscher Meister 2019 und 2015, 3. Platz Kieler Woche 2016, 7. Platz Junioren-WM 2016.

Bilanz 2019: 11. Platz Weltcup Miami, 20. Platz Trofeo Princesa Sofía, 29. Platz EM, 5. Platz Kieler Woche, 1. Platz DM.

Segel-WM in Melbourne startet am Montag

Zunächst aber steht der Gold Cup auf dem Programm, die WM in Melbourne. Im Gepäck hat Kohlhoff unter anderem den deutschen Meistertitel, den er im Oktober gewann – und das nach einem echten Höllenritt. „Phillip und ich sind direkt aus dem Traininglager am Gardasee angereist, die Nacht durchgefahren, waren am ersten Wettkampftag morgens um sieben Uhr in Flensburg“, erzählt Kohlhoff und ergänzt grinsend: „Wir wollten sehen, ob das möglich ist – das hat echt Spaß gemacht.“

Segeln ist hart, Finn-Segler sind härter

Nationale Regatten in Sachen Anforderung nicht zu unterschätzen: „Es gibt immer ein extrem großes Masterfeld“, sagt Kohlhoff mit Blick auf die älteren Finn-Segler und die in dieser Klasse so wichtige Erfahrung. „Am Rupenhorn zum Beispiel habe ich gegen Thomas Schmid verloren, der war 1988 Weltmeister. Bei Starkwind sind wir jungen Segler durch die physische Komponente viel stärker, aber sonst ist es immer eng.“

Es sind solche Erfahrungen, die junge Finn-Segler noch stärker machen. Ebenso wie große Enttäuschungen, etwa das bei der EM in Griechenland verpasste Nationenticket. „Da waren wir nicht ganz da, vor allem im Kopf“, sagt Kohlhoff. „Ich habe das öfter, dass ich auf größeren Regatten zu zögerlich segle, das ist mein großes Manko.“ Nach der EM saß der Kieler zwei Monate nicht im Finn, es regierte die totale Enttäuschung. „Ende August aber haben wir uns gesagt: ,Wir ziehen jetzt durch. Do or die’“, sagt Kohlhoff.

Und so geht’s am Montag ohne Zögern in die WM-Rennen. Auch wenn das Olympiaticket noch fehlt, der Gold Cup ist der erste Teil der internen Ausscheidung. Teil zwei und drei werden WM und Trofeo auf Mallorca sein. Eine Woche später folgt die letzte Olympia-Chance in Genua. „Die Anzahl der europäischen Konkurrenten ist sehr hoch – sechs oder sieben starke Nationen haben noch kein Ticket“, sagt Kohlhoff. Dazu gehören Finnland und Frankreich, der Franzose Jonathan Lobert gewann 2012 in London Olympia-Bronze, verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung. „Aber wir lassen uns nicht entmutigen. Wir haben einen Plan für die Regatta, wie wir uns taktisch positionieren“, erklärt Kohlhoff. „Es ist nicht unmöglich, das Ticket zu holen.“ Denn Max Kohlhoff tut alles für die letzte Chance.

Frederike Loewe und Anna Markfort (470er)

Justus Schmidt und Max Boehme (49er)

Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer (Nacra17)

Tina Lutz und Susann Beucke (49erFX)

Max Kohlhoff (Finn)

Svenja Weger (Laser Radial)

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Mit der Weltmeisterschaft in Neuseeland ist für die 49er-Segler und 49erFX-Seglerinnen Teil eins der internen Olympia-Ausscheidung in den Büchern. Tina Lutz und Susann Beucke legten mit Platz fünf stark vor, Justus Schmidt und Max Boehme mussten dagegen einen großen Rückschlag verkraften.

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