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Segelsport Loewe/Markfort mit Konstanz nach Tokio?
Sport Segelsport Loewe/Markfort mit Konstanz nach Tokio?
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12:05 24.10.2019
Von Niklas Schomburg
Sammelten bei der WM erste Erfahrungen im Olympiarevier von 2020: Die Kieler 470er-Seglerinnen Frederike Loewe (re.) und Anna Markfort. Quelle: Junichi Hirai/Bulkhead magazine/470 Class
Kiel

Der Container mit Boot und Ausrüstung für die Regatten in Japan im vergangenen August ist wieder daheim und ausgeräumt, der nächste Transport naht: Frederike Loewe (25) und Anna Markfort (26) stehen nach einer guten Saison vor dem großen Wintertrainingslager auf Lanzarote.

„Wir werden von Anfang November bis Weihnachten in einer großen Trainingsgruppe mit Crews aus Spanien, Israel, den USA, Schweden und der Schweiz trainieren“, blickt Vorschoterin Markfort voraus. Dabei sind auch die deutschen Trainingspartnerinnen Nadine Boehm und Ann-Christin Goliaß (Tutzing) – die Hauptkonkurrentinnen um das Olympiaticket. „Wir haben uns darauf geeinigt, die Zeit bis zur internen Quali gemeinsam zu bestreiten und alles zu teilen, um möglichst produktiv zu sein“, sagt Markfort.

Nationenstartplatz ist schon gesichert

Den Nationenstartplatz für Tokio haben Loewe/Markfort bei der diesjährigen WM in Japan gesichert, am 13. März startet bei der WM auf Mallorca die interne Ausscheidung des Deutschen Segler-Verbands (DSV), deren weitere Teile der Trofeo Princesa Sofía an selber Stelle nur zwei Wochen später und der Weltcup vor Genua im April sind – fünf Wochen geballte Quali-Power.

„Ich sehe das als Zweikampf, in dem man den Blick nach außen nicht verlieren darf“, sagt Markfort. Neben den erfahrenen Böhm/Goliaß haben auch die Juniorenteams Luise und Helena Wanser (Hamburg) sowie Theres Dahnke/Birte Winkel (Kiel) hier und da aufhorchen lassen. Das bis dato fünfte Team Fabienne Oster/Anastasiya Winkel (Hamburg/Kiel) geht seit Kurzem getrennte Wege.

Mehr zu den Seglerinnen

Steckbriefe: Frederike Loewe und Anna Markfort (470er)

Frederike Loewe

Position: Steuerfrau

Geboren: 16. Nov. 1993 in Berlin

Wohnort: Kiel

Verein: Verein Seglerhaus am Wannsee (VSaW)

Größe: 1,67 Meter

Beruf: Studentin Pharmazie

Anna Markfort

Position: Vorschoterin

Geboren: 2. Jul. 1993 in Berlin

Wohnort: Kiel

Vereine: Joersfelder Segel-Club, VSaW

Größe: 1,84 Meter

Beruf: Sportsoldatin, Studentin Pädagogik und Anglistik

Als Crew im Boot seit: 2014

Trainer: Marek Chocian

Größte Erfolge: 2. Platz Junioren-EM 2016, Kieler-Woche-Sieg 2017, 2. Platz EM 2018, 1. Platz Weltcup (WC) Miami 2019.

Bilanz 2019: 1. Platz WC Miami, 8. Platz Trofeo Princesa Sofía, 22. Platz EM, 16. Platz WM, 3. Platz WC Enoshima, 3. Platz IDM.

In der deutschen 470er-Phalanx sehen sich Loewe/Markfort vorn. „Wir waren über die gesamte Saison besser als die anderen Teams – bis auf den Negativ-Ausreißer bei der EM“, sagt Markfort. In der Tat trübt der 22. Platz bei den Kontinentalwettkämpfen ein wenig die Serie aus Weltcupsieg in Miami, Weltcup-Bronze in Enoshima und Platz acht beim Trofeo.

„Das war als amtierende Vize-Europameisterinnen natürlich nicht unser Anspruch“, sagt Markfort. „Da war auch viel Pech, etwa mit einem Mastbruch, dabei. Insgesamt können wir eine klare Leistungssteigerung über das gesamte Jahr vermerken. Mit dem Sieg in Miami zu starten und einer Medaille in Japan abzuschließen, war weit über unseren Erwartungen.“

"Die beste Entscheidung für die Kampagne"

Diese Entwicklung zum Top-Ten-Team in der Weltrangliste ist laut der 26-Jährigen in hohem Maße auch in ihrem Status als Sportsoldatin begründet. Vor zwei Jahren entschied sich Markfort, den Weltcup in Miami abzusagen, obwohl das Boot bereits auf dem Weg in die USA war – und trat stattdessen ihre Grundausbildung an. „Das war die beste Entscheidung für unsere Kampagne“, sagt sie.

„Diese Absicherung ist enorm wichtig. Ich bin überzeugt, dass die Erfolge bei den Weltcups ohne diese Entscheidung nicht möglich gewesen wären.“ Das Studium liegt bei beiden Seglerinnen momentan auf Eis, soll nach den Spielen im heißen Olympiarevier fortgesetzt werden. Der Fokus liegt komplett auf Tokio.

Für den Olympia-Traum bedeutet der Winter harte Arbeit. „Unsere Stärke ist Konstanz über eine lange Serie, jetzt müssen wir an die Einzelergebnisse ran“, sagt Markfort. Es gehe darum, die Ausreißer nach oben zu verbessern. Und in einer Regatta, vor allem bei Hauptevents wie WM, EM oder eben Olympia, sofort voll da zu sein, statt Punktrückständen hinterherzusegeln – was indes meist gelingt. „Aufholjagden können wir“, sagt Markfort lachend. „Offenbar brauchen wir den Druck.“

Tokio als letzte Chance

Mit Druck umgehen zu können, ist Voraussetzung, um in der DSV-Ausscheidung zu bestehen und den eigenen Masterplan umzusetzen: „Im Winter hart arbeiten, die Peaks ausbauen und beim Trofeo die Olympia-Quali im Sack haben“, sagt Markfort.

Es ist die letzte Chance, als eingeschworene Crew olympisch zu segeln – 2024 wird es im 470er nur noch eine Mixed-Konkurrenz geben. „Der Gedanke, das letzte weibliche Team sein zu können, das in die Olympiageschichte eingeht, motiviert noch mal mehr als die Aussicht auf Olympia generell“, sagt Markfort. Dieser Gedanke ist der Traum von einer Medaille in Tokio.

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