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Segelsport Schusswaffe trifft Telefonzelle
Sport Segelsport Schusswaffe trifft Telefonzelle
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21:00 23.06.2014
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Quelle: pae
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Kiel

Nach den Einzelrängen fünf und sieben musste die Bremer „LEU“ die ORC-II-Führung abgeben. „Unsere Fehler spiegeln sich in der Tabelle wider“, meinte Steuermann Albert Schweitzer, „einmal den Spi halb verloren, dann voll eingebremst, daran müssen wir arbeiten.“ Die Kieler Woche sei für die auf Kurzstrecken noch unerfahrene Mannschaft eine gute Übung, um zur WM topfit zu sein.

 Die ist auch das Ziel der „El Pocko“ von Thomas Jungblut. Der Hamburger Segelmacher ist einer von acht Eignern, die das zehn Jahre alte Schiff vor der Verschrottung retteten. „Als wir es übernommen haben, schwammen Gaskocher, Kühlbox und Segelsäcke unter Deck im Wasser“, so Jungblut, „wir haben die alte Möhre restauriert und wollen bei der WM etwas reißen.“

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 Zum Auftakt des Kiel Cups klappte es für die „El Pocko“ deutlich besser als auf den Mittelstrecken. Nach einem vierten Platz und einem Tagessieg ist Steuermann Niels Heyde schon Gesamtfünfter. „Das liegt auch an der Auswertung, denn beim Welcome Race wird ein vereinfachtes ORC-Durchschnittshandikap genommen“, kritisierte Jungblut und rannte bei von der Mosel offene Türen ein. „Wir würden gerne mit Performance Curve rechnen, aber der DSV und die Regattavereinigung Seesegeln wollen das auf den Langstrecken nicht“, so der Regattaleiter. Damit liegen sie indes im internationalen Trend. Das wird bei der WM im August vor Kiel genauso sein.

 Mit kräftiger Wortwahl skizzierte Harm Müller-Spreer, Interimseigner der schnellen Carkeek 47, die er nach der WM an einen Australier weitergibt, die Situation auf Bahn Alpha. „Wir kommen mit 25 Knoten angeschossen, und plötzlich steht eine Telefonzelle im Weg.“ Er meinte die viel kleinere „Solconia“ vom Hamburger Segel-Club (HSC), die aber vorfahrtberechtigt war.

 Die „Platoon“ deckte den Gegner beim Ausweichmanöver des letzten Augenblicks mit ihrem Riesen-Gennaker komplett zu, musste dessen Schoten kappen, um sich zu befreien und das Rennen aufgeben. „30-Fuß-Boote und Schusswaffen passen einfach nicht zusammen auf die Bahn“, polterte Müller-Spreer, der dann allerdings doch zugeben musste, dass er die Lage falsch eingeschätzt hatte und außen herum hätte ausweichen müssen. „Solconia“-Skipper Max Gurgel wurde nach dem Vorfall immerhin noch Fünfter und behauptete Gesamtrang zwei in der ORC III.