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Segelsport Drei Titelchancen für deutsche Segler
Sport Segelsport Drei Titelchancen für deutsche Segler
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20:36 29.06.2019
Von Niklas Schomburg
Justus Schmidt und Max Boehme (li.) fuhren im 49er auf einen enttäuschenden 22. Platz. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

In den Skiffklassen mussten die Athleten des Deutschen Segler-Verbandes (DSV) aber ordentlich Federn lassen. Justus Schmidt und Max Boehme (Kiel) kamen nach einer ordentlichen Serie in den Gruppenrennen an den beiden Finaltagen nicht über die Ränge 16, 17 und 18 hinaus und kassierten obendrein eine Fehlstart-Disqualifikation. Das Medaillenrennen ist auf dem Heimatrevier damit überdeutlich futsch, die Kieler müssen sich sogar hinter dem Nachwuchsteam Jakob Meggendorfer/Andreas Spranger (München) auf Platz drei der deutschen Rangfolge einreihen - insgesamt steht ein enttäuschender 22. Rang. "Das war echter Mist, den wir da zusammengefahren haben, vor allem die Goldflotte war katastrophal", sagte der Kieler Vorschoter Boehme. "Vielleicht hatten wir zu wenig Wettkampfpraxis, weil wir im Training andere Schwerpunkte gesetzt haben. Aber es war generell einfach der Wurm drin, wir sind nie in den Rhythmus gekommen."

Beinahe wäre das Medal Race in der topbesetzten 49er-Klasse am Sonntag sogar ohne deutsche Beteiligung über die Bühne gegangen. Tim Fischer und Fabian Graf hatte ihre dritte Gesamtposition bereits am Freitag deutlich eingebüßt und kamen auch im letzten Rennen der Goldflotte am Sonnabend nicht über Rang neun hinaus. Glück für die Kieler WM-Dritten von 2018, dass die direkten Konkurrenten aus Neuseeland, Isaac McHardie und William McKenzie, nur auf Rang 16 einfuhren und damit punktgleich auf Platz elf landeten.

Aber nicht nur die deutschen Teams hatten zu kämpfen: Die Topfavoriten Peter Burling und Blair Tuke (Neuseeland) finden sich nach einer schwachen Serie nur noch auf Rang fünf wieder, haben zehn Punkte Rückstand auf die führenden Polen Lukasz Przybytek und Pawel Kolodzinski. Burling nahm es gelassen: „Das Wetter ist super, der Wind schwierig. Aber es ist gut, hier zu sein und sich in der starken Konkurrenz zu messen.“ Das Medal Race verspricht für Sonntagmittag Höchstspannung: Sogar für die neuntplatzierten Kroaten Sime und Mihovil Fantela ist danke der engen Punktabstände noch alles drin.

Schwarzer Tag für FX-Crews

Bei den Frauencrews in der FX-Klasse büßten die führenden Berlinerinnen Victoria Jurczok und Anika Lorenz durch einen Frühstart im einzigen Tagesrennen viel von ihrem komfortablen Vorsprung ein, gehen aber als Erste ins Medaillenrennen. "Das ist keine sichere, aber eine gute Ausgangssituation", sagte Steuerfrau Jurczok über die sechs Punkte Vorsprung auf die Niederländerinnen Willemijn Offerman/Elise de Ruijter. Das zweite deutsche Team mit Tina Lutz und Susann Beucke erwischte mit Rang 24 ebenfalls eine rabenschwarze Wettfahrt, geht von Rang fünf ins große Finale. Sie haderten mit den Windbedingungen. „Ein kleiner Fehler heute und du wirst sofort zehn Plätze nach hinten gereicht", sagte Lutz, für die der dritte Kieler-Woche-Sieg außer Reichweite ist.

Am Freitag hatte Nacra-Steuermann Thomas Zajac noch gesagt, er freue sich, dass der Kieler Skipper Paul Kohlhoff wieder dabei sei - Geschenke an den Lokalmatadoren aber verteilt der Österreicher gemeinsam mit Vorschoterin Barbara Matz nicht. Durch einen dritten Rang gestern setzte sich der olympische Bronzemedaillengewinner von 2016 an die Spitze des Gesamtklassements, drei Punkte vor den Dänen Lin Cenholt/Christian Peter Lübeck und sechs vor Kohlhoff und seiner Schottin Alica Stuhlemmer. In Kiel fühlen sich Zajac und Matz pudelwohl, 2017 triumphierten sie, im vergangenen Jahr wurden sie Zweite. "Die Kieler Woche ist ein absolutes Highlight, es gibt wenige Regatten, wo annähernd so viel los ist wie hier. Und auch die TV-Übertragung ist fantastisch", sagte Zajac. "Für den österreichischen Segel-Verband ist die Kieler Woche ein Pflichttermin, sie ist in Österreich auch sehr bekannt."

Deutsche Finn-Segler gut platziert

Besser lief es sowohl wind- als auch ergebnistechnisch auf den Außenbahnen. Im Finn geht der Berliner Philipp Kasüske von Rang zwei ins Medaillenrennen. "Das ist bisher wirklich gut gelaufen, ich habe mir nur sehr wenige Fehler erlaubt", sagte Kasüske nach einem anstrengenden Tag mit zwei abgebrochenen und zwei beendeten Wettfahrten. Drei Punkte beträgt sein Rückstand auf den Kroaten Milan Vujasinovic. "Er hat sich wirklich gut auf die Bedingungen eingestellt und mit vier Siegen in Folge eine starke Serie hingelegt", sagte Kasüske, der optimistisch ins große Finale geht. "Auf der Innenbahn ist immer alles möglich", sagte der Berliner über die ungewohnte Regattabahn India. "Es wird bestimmt tricky, relativ drehig." Auch der Kieler Max Kohlhoff ist auf Rang fünf gut platziert, hat nur zwei Punkte Rückstand auf Rang drei.

Auch Svenja Weger ist durchaus zufrieden mit ihrer Vorstellung im Laser Radial. "Ich hatte mir ein bisschen mehr ausgerechnet, aber Platz sechs ist absolut okay", sagte die Kielerin. "Das Feld ist gut besetzt, die ganze nordische Flotte ist da, und auch die Japanerin und die Türkin fahren immer vorne mit." Okay ist zwar okay - den richtigen Schlüssel für das Heimatrevier fand die 25-Jährige in den vergangenen Tagen aber nicht. "Ich war sehr inkonstant, hatte zu viele große Ausrutscher nach unten", erklärte Weger auch mit Blick auf die erste Wettfahrt des Sonnabends - ein 15. Rang. "Ich habe ein paar Fehlentscheidungen getroffen, vor allem auf der Startkreuz. Ich habe mich mittig gehalten, der Wind ging aber eher über links." Mit einem Tagessieg im zweiten Rennen aber beendete Weger die Flottenrennen zufriedenstellend und geht auf Rang sechs ins Medal Race. Der führenden Schwedin Josefin Olsson reicht dort am Sonntag bereits ein sechster Rang für den Kieler-Woche-Sieg.

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