Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Segelsport DSV-Crews starten unter Dauerdruck durch
Sport Segelsport DSV-Crews starten unter Dauerdruck durch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:48 27.06.2019
Von Niklas Schomburg
Im Laser sah sich Nico Naujock einer britischen Treibjagd ausgesetzt. Der Berliner verlor am Ende des Tages seinen zweiten Platz, ist als Vierter hinter einem Briten-Trio um den führenden Daniel Whiteley aber immer noch in der Spitzengruppe zu finden. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Auch andere deutsche Teams sind in Schlagdistanz: Tina Lutz und Susann Beucke sind im FX Vierte. „Am ersten Tag hat der Bootsspeed total gefehlt, da waren wir eigentlich nicht konkurrenzfähig“, erklärte die Strander Vorschoterin, nachdem es auf dem geliebten Heimrevier anfangs nur zu Rang neun gereicht hatte. „Wir hatten was ausprobiert, und das ist total in die Hose gegangen. Wir haben das auch viel zu spät realisiert – manchmal ist man einfach etwas betriebsblind.“ Mit dem gewohnten Set-up ging es gestern prompt in die Spitzengruppe.

"Immer die Augen offen halten"

Oben stehen mit Jurczok/Lorenz die Olympia-Neunten von 2016. „Sie haben guten Speed und fahren momentan auch sehr smart, mit einem guten Näschen“, zollte Beucke den Berlinerinnen Anerkennung, die vor der Kieler Woche der britischen Crew Charlotte Dobson/Saskia Tidey einen Besuch abgestattet hatten. „Die Britinnen sind gerade total schnell unterwegs, und wir halten immer unsere Augen überall offen“, beschrieb Beucke die präolympische Phase. „Die Konkurrenz ist stark, und das ist auch gut so, um sich gegenseitig nach vorne zu bringen.“ Für Beucke ist es bereits die dritte Olympia-Kampagne, nachdem sie die interne Ausscheidung 2012 im 470er und 2016 im FX verlor. Wächst dadurch der Druck? „Kann sein, aber Druck ist immer da“, sagt die 28-Jährige. „Wenn man sich für eine Olympiakampagne entscheidet, entscheidet man sich für ein Leben im Dauerdruck.“

Denselben Weg haben die Nacra-Crews Kohlhoff/Stuhlemmer und Johannes Polgar/Carolina Werner gewählt. Auch für Polgar nichts Neues: 2008 war er in Peking im Tornado dabei, 2012 verlor er die interne Ausscheidung im Starboot. Im Nacra will er gemeinsam mit Werner, 2016 in Rio an der Vorschot von Paul Kohlhoff, wieder einen Schritt nach vorn machen: „Wir wollen uns hier weiter verbessern, wieder einen Schritt vorankommen“, so Polgar. Noch läuft es auf der Förde nicht rund, nach einem Fehlstart im zweiten Rennen sind sie Elfte.

Kohlhoff/Werner 500 Meter vorn

Den entscheidenden Schritt weiter sind offenbar Kohlhoff und Stuhlemmer. Rasant unterwegs und mit den richtigen Entscheidungen – im dritten Rennen deklassierten die jungen Kieler die Konkurrenz und kreuzten mit 500 Metern Vorsprung auf die Österreicher Thomas Zajac/Barbara Matz die Ziellinie. „Ja, es klappt ganz gut“, sagte Kohlhoff. „Aber wir dürfen nicht vergessen, dass erst die Hälfte der Regatta rum ist.“ Aber das Glück ist mit den Tüchtigen, denn bei ihrem abschließenden Triumph wählten sie die richtige Seite auf der Starkreuz nicht ganz freiwillig: „Wir hatten eine leichte Berührung mit einem dänischen Boot, mussten aus dem Pulk rausfahren und kringeln“, erklärte der 24-Jährige. „Dann haben wir einfach keine Lücke mehr gefunden. Uns blieb nichts anderes übrig, als da rauszufahren.“

Glück allein kann die starken Leistungen der Nacra-Crew ebenso wenig erklären wie die Dreifach-Führung der britischen Laser-Segler. Das British Sailing Team ist mit einer Handvoll „young guns“, starken Nachwuchsseglern, nach Kiel gekommen. Und die wollen sich beweisen. „Die Kieler Woche bietet immer einen hervorragenden Wettbewerb“, erklärte Sam Whaley. „In diesem Jahr ist die Flotte durch die Kollision mit der WM ein bisschen ausgedünnt, aber es ist immer noch eine harte Konkurrenz.“ Der 22-Jährige liegt nach sechs Rennen auf Gesamtrang drei hinter Daniel Whiteley und Jack Cookson. Auch der Berliner Nico Naujock nutzt die Gunst der Stunde, hat sich auf Rang vier in der Spitzengruppe festgebissen.

Fischer/Graf auf Rang drei

Das gilt auch für Tim Fischer und Fabian Graf im 49er, mit den Plätzen zwei, zwei, eins ging’s vor auf Rang drei, nur vier Punkte hinter den neuseeländischen Top-Stars Peter Burling/Blair Tuke, die gestern in derselben Startgruppe segelten. Im Finn haben die Deutschen die Plätze getauscht, der Kieler Max Kohlhoff ist nun Vierter, Phillip Kasüske hinter dem Australier Jake Lilley Zweiter. „Die absoluten Top-Leute fehlen zwar, aber mit Phillip und dem Tschechen Ondrej Teply sind zwei Junioren-Weltmeister dabei“, erklärte Kohlhoff. „Das Podium wird also hart umkämpft sein.“

Mehr Artikel zur Kieler Woche 2019 finden Sie auf unserer Themenseite

Mehr zum Segelsport gibt's hier.

Impressionen von Tag drei der olympischen Klassen bei der Kieler Woche.
Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

So stark die Felder in 49er und 49erFX besetzt sind, so schmerzlich ist das Fehlen der Weltelite in anderen Klassen. Die 470er waren bereits im Vorwege komplett abgesagt worden, auch bei Finns und Lasern tun sich große Lücken auf. Das liegt vor allem an der kalendarischen Nähe großer Titelkämpfe.

Niklas Schomburg 27.06.2019

Regattabahn frei für Nacra, Finn und Co.: Am Mittwoch gingen die dezimierten olympischen Segelklassen auf die Förde. Besonders spektakulär gerieten die Rennen der 49er, wo die zwei Heim-Teams Justus Schmidt/Max Boehme und Tim Fischer/Fabian Graf der Weltklasse-Konkurrenz die Stirn bieten wollen.

Niklas Schomburg 26.06.2019

Wenn die olympischen Segler der Kieler Woche am Mittwoch erstmals auf die Bahn gehen, sucht man die 470er vergebens. Die Konkurrenz der Zweihandjolle wurde nach nur fünf Meldungen abgesagt. Malte Winkel aber kann offenbar nicht ohne Kieler Woche: Er ging im ersten Teil im Laser Radial an den Start.

Niklas Schomburg 26.06.2019