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21:57 23.06.2019
Von Niklas Schomburg
Da strahlt sogar Wolfgang Hunger (re.): Der Rekordsieger der Kieler Woche und sein Vorschoter Holger Jess fuhren im 505er zu vier Tagessiegen und damit zur souveränen Gesamtführung. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

„Dass wir hier jemals anderes Wetter als jetzt gerade haben, ist nur eine Legende“, witzelte Regatta-Organisationsleiter Dirk Ramhorst am Ende eines perfekten Auftaktwochenendes. Ein Highlight waren die ersten fünf Wettfahrten der Europameisterschaft der OK-Jollen.

Erwartungsgemäß liegt der Schwede Fredrik Lööf vorn – doch der Wismaraner Jan Kurfeld ist dem dreimaligen Olympiamedaillen-Gewinner (unter anderem Gold im Starboot 2012) und zweimaligen Ocean-Race-Teilnehmer auf den Fersen. „Freddy ist der Mann, den es zu schlagen gilt, eine lebende Legende“, sagte Kurfeld. „Das war im Vorwege klar, und das stellt sich momentan auch so dar. Aber es sind nur sechs Punkte, es ist alles drin.“

Konnte Kurfeld die erste Wettfahrt am Sonnabend noch für sich entscheiden, hinkte er dem schwedischen Profi-Segler anschließend immer einen Schritt hinterher. „Mein Problem waren die Starts, ich war an der ersten Tonne meist nur Achter oder Neunter, während Lööf vorneweg gesegelt ist“, erklärte Kurfeld. „Sonst war er eigentlich nicht schneller als ich.“

Kurfeld will jetzt ins Risiko gehen

Die zurückhaltendere Starttaktik war allerdings begründet. Denn erstens sind Starts mit rund 100 Booten an der Linie nicht eben simpel, zweitens ist Kurfeld ein gebranntes Kind: Bei der vergangenen WM in Neuseeland handelte sich der Kieler-Woche-Sieger von 2018 gleich in den ersten vier Wettfahrten zwei Frühstarts ein – das Rennen um eine Top-Platzierung war schnell vorbei.

„Ab jetzt werde ich aggressiver starten und angreifen“, kündigte Kurfeld an, dessen Trainingspartner André Budzien der Musik auf Rang 13 etwas hinterherfährt. „Er ist momentan nicht so gut drauf“, sagte Kurfeld über den Schweriner, der sich bei der WM 2018 hauchdünn gegen Lööf und Kurfeld durchgesetzt und zum Weltmeister gekrönt hatte. „Da waren wir in der Lage, Lööf zu schlagen“, blickte Kurfeld zurück. „Auch vor der Kieler Woche haben André und ich zusammen trainiert, wenn auch nicht so intensiv wie vor der WM im letzten Jahr. Aber wir pushen uns gegenseitig, das klappt super.“

Hunger/Jess wiedervereint und wieder schnell

Einen Platz weiter vorn als Kurfeld in der OK-Jolle liegen die wiedervereinten 505er-Segler Wolfgang Hunger und Holger Jess (Strande/Eckernförde). „Wir sind sehr zufrieden. In der ersten Wettfahrt am Sonntag fehlte es im noch schwächeren Wind etwas an Performance“, erklärte Steuermann Hunger, mit 21 Titeln Rekordsieger der Kieler Woche. Und Vorschoter Jess ergänzte: „Es ist relativ einfach, wenn man so lange zusammen gesegelt ist wie wir, dann braucht man nicht so viel Training und Wasserzeit. Wir haben nur Ostern und Pfingsten je zwei Tage auf dem Wasser verbracht, sind aber ganz gut unterwegs.“

Gemeinsam waren Hunger und Jess unter anderem drei Mal Weltmeister (2001, 2003, 2005) und gewannen sieben Mal die Kieler Woche, ehe sich die Wege trennten. Hunger nahm den Münchner Julien Kleiner an die Vorschot, Jess die Kielerin Meike Schomäker an die Pinne. Beide waren weiter erfolgreich, schnappten den einen oder anderen Titel dem jeweils anderen vor der Nase weg. „Meike hat sich mittlerweile vom Segeln zurückgezogen, und Julien ist in Bayern mit Familie fest verankert – wir beide wollten aber die WM in Australien gern segeln“, erklärte Hunger über das Event im vergangenen Januar.

118 Nachwuchs-Skiffs färben die Förde bunt

Und es geht weiter. In den sechs Wettfahrten des Auftaktwochenendes in Kiel zeigten die Titelhamster der Konkurrenz vier Mal das Heck, liegen mit sieben Punkten Vorsprung vorn. „Das Beste aber war, beim Reinfahren in den Hafen zu sehen, dass hier mehr als 100 29er unterwegs sind, dass die nächste Generation Segler schon in den Startlöchern steht“, sagte Jess. Die Nachwuchs-Skiffs gaben in der Tat ein großartiges, buntes Bild ab. Die für einige junge Crews etwas problematische Welle meisterten dabei die Finnen Ville Korhonen und Edvard Bremer am besten, mit Finn Walter/Marcus Borlinghaus (München) und Jonas Schupp/Moritz Hagenmeyer (Dießen am Ammersee) liegen zwei deutsche Crews aber in Schlagdistanz.

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