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Segelsport Vom Weihnachtsbaum auf die Förde
Sport Segelsport Vom Weihnachtsbaum auf die Förde
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12:01 26.06.2019
Von Ingolf Haake
Mit neuem Pinnausleger rein ins Kieler-Woche-Abenteuer: Jan Laschinsky aus Dänischenhagen im Trapez seines Contenders. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Früher saß Jan Laschinsky im Opti und 420er. Aber wie bei vielen Seglern wurde es irgendwann zeitlich schwierig, aufs Wasser zu kommen. Familie, Beruf, die täglichen Aufgaben und Pflichten – da stand das freizeitliche Segeln hintenan. Hier und da mal mit dem Dickschiff auf die Förde, ein paar Mal Aalregatta, das war’s. Seit einiger Zeit aber war es wieder da: dieses Verlangen, endlich wieder in einem sportlichen Boot über das Wasser zu flitzen. Es gipfelte in einer Hals-über-Kopf-Teilnahme an der Kieler Woche.

Zu Weihnachten gab's von der Ehefrau einen Contender

Laschinsky hatte sich für sein Segel-Comeback den Contender ausgeguckt. Die Einhand-Trapezjolle erfreut sich seit 1967 stetiger Beliebtheit, und auch nachdem sie das Rennen um den angepeilten Olympiastatus 1992 endgültig verloren hatte, als der Laser ins Portfolio aufgenommen wurde, blieb die internationale Klasse ein viel gesegeltes und interessantes Wettkampfboot. Der Dänischenhagener schaffte es aber nicht so richtig, über den eigenen Schatten zu springen. „Das hat dann meine Frau Sarah in die Hand genommen“, sagt er grinsend. An Heiligabend lag ein Contender quasi unterm Weihnachtsbaum.

An Himmelfahrt ging's erstmals aufs Wasser

„Ich war dann ganz hibbelig und konnte es kaum abwarten“, erzählt Laschinsky. An Himmelfahrt war es dann soweit, der 34-Jährige ging mit seinem neuen Boot zum ersten Mal aufs Wasser. „Da hab ich mir dann gleich den Pinnausleger abgebrochen und war schnell wieder an Land“, sagt der Neueinsteiger lachend. Mit neuem Material ging es in den vergangenen Wochen noch drei Mal auf die Förde. „Ich bin immer losgefahren, nachdem ich meine Tochter um sieben Uhr ins Bett gebracht hatte, und war dann teilweise bis 21.45 Uhr auf dem Wasser“, erzählt er. Die Leidenschaft war sofort da – und ein Entschluss auch: „Dann habe ich für die Kieler Woche gemeldet, schließlich ist die ja vor der Tür.“ Nach nur drei Wassereinheiten ist das Ergebnis beachtlich: Unter 48 Teilnehmern um Top-Leute wie Gesamtsieger Søren Dulong Andreasen, Christoph Homeier oder Altmeister Joachim Harpprecht fuhr er am ersten Tag gute Ergebnisse, darunter einen fünften Rang. Bei mehr Wind ging es anschließend etwas nach hinten – am Ende steht ein 23. Platz. Aber das Wichtigste ist ohnehin der Spaß am Segeln.

"Die Klasse ist cool"

Den hat Laschinsky im Contender gefunden. Aber warum gerade dieses Boot? „Die Klasse ist cool, die Segler sind alle extrem gut drauf. Und es ist schon faszinierend, wie viele ältere Segler echte Top-Leistungen fahren, weil sie einfach Lust auf sportliches Segeln haben“, erklärt er und schwärmt auch vom Boots-Charakter: „Es ein sehr sportliches Boot, vor allem durch das Trapez“, erklärt er. „Das ist hier auf den Raumschotkursen richtig abgegangen und hat total Spaß gemacht.“ Auch der Kostenfaktor ist überschaubar: „Du musst nicht viel Kohle ausgeben, um vorne mitzufahren, das ist sehr angenehm.“ Und nicht zuletzt – der Zeitfaktor. „Das Boot ist in zehn Minuten segelfertig. Ich fahre mit dem Fahrrad zum Liegeplatz nach Strande, Großsegel hoch, Pinne ran – kann losgehen. Das ist mir ganz wichtig, damit ich Segeln, Arbeit und Familie unter einen Hut bringen kann“, sagt er.

Der WM-Start 2021 in Warnemünde ist das Ziel

Reines Feierabendsegeln aber soll die Liaison zwischen Laschinsky und seinem Contender nicht bleiben. „Ich will schon mehrere Regatten segeln“, sagt er. Das langfristige Ziel: „Ich möchte 2021 bei der Weltmeisterschaft in Warnemünde an den Start gehen.“ Bis dahin hat der Familienvater auch genug Zeit, seine neue Klasse noch besser kennenzulernen. „Die Klasse ist sehr gesellig, am Sonntag gab es zum Beispiel ein großes Barbecue im Hafen“, sagt er. „Ich werde in der nächsten Zeit Kontakte knüpfen, und tiefer in die Klasse einsteigen.“ So, wie man die Contender-Segler kennt, werden sie den „Frischling“ mit offenen Armen empfangen.

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