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Segelsport Deutsche Segler fitter als je zuvor
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11:00 29.06.2019
Von Niklas Schomburg
Ein gutes Team: Paul Kohlhoff und seine athletische Vorschoterin Alica Stuhlemmer auf ihrem Nacra 17. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Rückblende: Nach Platz 13 bei seinen ersten Olympischen Spielen als jüngster Skipper der Flotte hatte sich Kohlhoff von Vorschoterin Carolina Werner getrennt und mit der damals 18-jährigen Alica Stuhlemmer ein neues Team gebildet.

Ende Dezember 2017 kam bei einem Trainingslager auf Mallorca die dramatische Diagnose für den damals 22-Jährigen: Hirnblutung. Die Ursache schien inoperabel. Ein spanischer Neurochirurg wagte den lebensgefährlichen Eingriff einen Tag vor Heiligabend dennoch und rettete Kohlhoff das Leben.

Mit eingeschränkter linker Körperhälfte und einem beschädigten Sehnerv des rechten Auges, das lange Zeit Doppelbilder produzierte, kämpfte sich Kohlhoff zurück ins Leben. „Mein Sport hat dabei eine wichtige Rolle gespielt“, sagt er. Als Mensch ist er an der Seite des jungen Konditionswunders Stuhlemmer gereift, hat frühere Allüren überwunden. Kohlhoff ist besonnener, konzentrierter geworden. Er ist wieder da, offenbar besser als zuvor.

"Schön, ihn wieder zurück zu sehen"

Das freut auch die Konkurrenz: „Paul hatte ein schweres letztes Jahr. Schön, ihn wieder zurück zu sehen“, meint Rio-Bronzemedaillengewinner Thomas Zajac aus Österreich. Ist das schwere Jahr abgehakt? „Ganz geht das nicht, glaube ich. So etwas fährt immer ein bisschen mit“, sagt Kohlhoff. „Aber ich fühle mich fitter als vorher, körperlich und mental.“

Nachdem die Saison 2018 spät und mit Trainingsrückstand begonnen hatte, holte die junge Kieler Crew schnell auf. „Im Winter haben wir festgestellt, dass wir mehr Wettkampfpraxis brauchen“, erklärt Kohlhoff. „Unser Fokus liegt in diesem Jahr ganz klar auf Regatten und dem Kräftemessen mit den Top-Teams.“

Beim Europa-Auftakt auf Mallorca fuhren Kohlhoff/Stuhlemmer im WM-reifen Feld mit viel Pech auf Rang elf, ließen aber mit zwei Siegen und drei dritten Rängen aufhorchen. Nach einer eher enttäuschenden EM in Weymouth zeigen sie in Kiel, das der Weg nach Tokio nur über sie führt.

Polgar/Werner setzten auf intensives Training

Die nationalen Konkurrenten mit dem Hamburger Polgar und Kohlhoffs ehemaliger Vorschoterin Werner aus Kiel können momentan nicht mithalten. Wie als Verfolger in der Wettfahrt haben sie sich für den „Split“ entschieden, wählen für die aktuelle Saison Training statt Wettkampf.

„Wir haben uns nach Kiel zurückgezogen und hier mit intensivem Training auf allen Ebenen begonnen, auch im mentalen Bereich“, sagt Werner. Polgar ergänzt: „Ziel ist es, die Trainingszeit zu maximieren und die Reisezeit zu minimieren.“ Doch trotz aller Bemühungen wirkt es nicht so, als könnten sie die Kräfteverhältnisse umkehren.

Kohlhoff und Stuhlemmer haben nicht nur intern die Nase vorn, sondern steuern rasant darauf zu, in Tokio gar Medaillenkandidaten zu sein. „Es läuft gerade gut, aber die Olympia-Kampagne ist ein stetiger Prozess“, sagt Kohlhoff.

Zunächst muss ohnehin erst das Nationenticket her, das die Deutschen bei der WM in Århus verpassten. „Daher arbeiten wir in diesem Jahr vor allem auf die WM in Neuseeland im Dezember hin“, sagt Werner. Dort soll der nächste Schritt zu den Spielen folgen.

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