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Segelsport Neuer Rekord zum heißen Abschluss
Sport Segelsport Neuer Rekord zum heißen Abschluss
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19:52 25.06.2019
Von Niklas Schomburg
Der Nachwuchs liegt in guten Händen: Die „alten Hasen“ Heiko Kröger, Holger Jess und Wolfgang Hunger (v. li.) tragen Ole Schweckendiek, den mit 14 Jahren jüngsten Gesamtsieger der Kieler Woche 2019. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Ole Schweckendiek kürte sich durch seinen souveränen Triumph im Laser 4.7 zum jüngsten Kieler-Woche-Sieger dieses Jahres.

„Natürlich bedeutet mir die neue Bestmarke etwas“, erklärte ein gleichermaßen entspannter wie hochzufriedener Hunger nach zwei Rennen im zumeist leichten, aber böigen Wind. „Ich bin ja in den vergangenen fünf Jahren erfolglos mitgesegelt – daher bin ich sehr froh, dass es jetzt zum Jubiläum der 125. Kieler Woche geklappt hat.“ Drei starke Tage mit insgesamt fünf Wettfahrtsiegen legten den Grundstein für den Erfolg, da konnte die wiedervereinte Crew auch ein Finale ohne Tagessieg verkraften. „Wir wussten, dass wir gewinnen, wenn wir im ersten Rennen in die Top Ten fahren, und das hat auf Rang sechs auch geklappt“, erklärte Hunger. Und das obwohl sich der Strander mit seinem Eckernförder Vorschoter nach dem Start mitten im Getümmel der „Fiven“ wiederfand. „Das war ein richtiges Gewusel“, beschrieb Hunger grinsend. „Ein sehr interessantes Rennen. An der Luvtonne waren wir nur 13., und auch danach gab es einige spannende Manöver.“

Saisonhighlight gewonnen, EM vor der Brust

Ursprünglich hatten Hunger/Jess geplant, im Falle eines vorzeitigen Sieges zum letzten Rennen nicht mehr anzutreten. „Aber wir haben das dann noch als Training und Speedtest genutzt“, sagte Hunger. „Die Briten waren heute wirklich sehr stark, und wir brauchten nochmal den Vergleich, bevor es in ein paar Wochen zur EM nach Sønderborg geht.“ Denn auch nachdem der Strander Orthopäde mit Holger Jess einen Vorschoter gefunden hat, der – im Gegensatz zu seinem ehemaligen Schotten Julien Kleiner aus München – für Trainingseinheiten vor Ort ist, fehlt immer noch ein Vergleich mit anderen Booten. „Es gibt hier vor Ort leider keine Sparringspartner“, so Hunger. „Vielleicht kommen im nächsten Frühjahr vor der WM in Schweden ein paar Teams zum Trainieren nach Kiel, das wäre klasse.“

Die wiederaufgenommene Partnerschaft mit Holger Jess, die zunächst nur für die WM in Australien im vergangenen Januar geplant war, soll erst einmal fortgesetzt werden. „Wir segeln jetzt die EM in Dänemark zusammen und planen auch die Teilnahme an der nächsten WM. Und dann schauen wir mal weiter“, sagte Hunger, für den das Jahr mit neuem Rekord in der Tasche schon jetzt ein hervorragendes ist. „Auch wenn die EM noch kommt: Die Kieler Woche war für mich das Saisonhighlight.“

Erst gewonnen, dann Luft raus

Die Saison von Ole Schweckendiek hatte gleich zwei Highlights: Erst der dritte Platz in der U16-Wertung bei der Jugend-EM der Laser 4.7 im französischen Hyères, jetzt der souveräne Sieg bei der Kieler Woche – als jüngster Gewinner 2019. „Das war cool“, fasste der 14 Jahre junge Kieler zusammen. Ähnlich wie Hunger/Jess reichte Schweckendiek ein gutes Ergebnis im ersten Tagesrennen zum Gesamterfolg, so erklärt sich auch der Ausreißer nach unten in der Abschlusswettfahrt, als er 16. wurde. „Ich hatte vorher noch keinen echten Streicher, und im vorletzten Rennen bin ich Erster geworden“, beschrieb Schweckendiek. „Als ich dann wusste, dass ich gewonnen habe, war ein bisschen die Luft raus. Da wollte ich einfach nur noch ein bisschen Spaß haben.“ Gut gelaunt kündigte Schweckendiek an, im kommenden Jahr gern wieder bei der Siegerehrung dabei sein zu wollen – dann allerdings im Laser Radial. „Ich steige bald um, für den 4.7 bin ich schon ein bisschen schwer“, erklärte der strahlende Kieler-Woche-Sieger.

Kröger feiert Titel Nummer zwölf

Den dritten deutschen Sieg bei den internationalen Klassen fuhr 2.4mR-Segler Heiko Kröger ein. Für den Kieler ist es Triumph Nummer zwölf beim weltgrößten Segelevent. „Jeder Sieg ist immer wieder etwas Tolles, die Kieler Woche etwas Besonderes. Und ich freue mich riesig, dass es so gut gelaufen ist“, erklärte der Paralympics-Sieger von 2000. Contender-Segler Christoph Homeier gab am letzten Tag einen möglichen Sieg aus der Hand, war im Leichtwind dem Dänen Søren Dulong Andreasen nicht gewachsen und wurde Dritter hinter Max Billerbeck, der sich noch knapp an Andreasen heranfuhr. Im Flying Dutchman war auch am letzten Tag kein Vorbeikommen an den Ungarn Szabolcs Majthényi und András Domokos, die als bestes Team aller Klassen mit einer perfekten Serie glänzten.

Lööf unangefochten zum EM-Titel

Mit dem Sieg im ersten Tagesrennen hatte Fredrik Lööf es am Dienstag geschafft: Der Schwede verteidigte seinen Titel von 2018 und ist erneut Europameister in der OK-Jolle. Direkt nach Zieldurchgang machte sich der Schwede auf den Weg zurück in den Hafen – seinen Nichtantritt im Abschlussrennen konnte der 49-Jährige getrost streichen.

Dass der erwartete Triumph des Schweden am Ende mit 24 Punkten Vorsprung vor dem Franzosen Valerian Lebrun und gar 43 vor seinem Landsmann und Bronzegewinner Thomas Hansson-Mild überdeutlich ausfiel, lag auch daran, dass der lange Zeit ärgste Konkurrent Jan Kurfeld durch zwei Strafen aus dem Rennen genommen wurde. Nachdem der Wismaraner bereits am Montag wegen Pumpens ein Rennen aufgeben musste, ereilte ihn das Jury-Schicksal auch am letzten Tag: Als er in der Verfolgerfahrt nach dem Abfallen wieder anluvte, wertete die Jury seine Körperbewegung als Pumpen. Mit der erneuten Gelben Flagge war nicht nur das Rennen beendet, sondern Kurfeld auch mit der Meisterschaft durch. „Einige werten die Aktion so, andere anders“, ärgerte er sich und ging zum Abschlussrennen nicht mehr an den Start. Mit dreimal voller Punktzahl rutschte er noch auf Platz 22 ab.

Alle Ergebnisse: www.manage2sail.com

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