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Segelsport Segler machen ordentlich Welle
Sport Segelsport Segler machen ordentlich Welle
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20:59 24.06.2019
Von Niklas Schomburg
Nicht nur im Laser 4.7 hatten die Segler am dritten Wettfahrttag Schwerstarbeit zu leisten. Dabei war es nicht der Wind, der ihnen zu schaffen machte, sondern die Welle. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Seine Entscheidung, die 29er-Konkurrenz nur vier statt der angekündigten fünf Rennen segeln zu lassen, stieß bei den Aktiven auf Gegenliebe. Jonas Schupp und Moritz Hagenmeyer (Dießen am Ammersee) wäre es vermutlich sogar sehr recht gewesen, wenn nach drei Wettfahrten Schluss gewesen wäre. „Wir haben im letzten Rennen leider einen Fehlstart kassiert“, erklärte Steuermann Schupp, und sein Vorschoter ergänzte: „Vorher hatten wir mit Platz 13 einen geringen Streicher, daher konnten wir das noch verkraften. Aber morgen müssen wir ein bisschen aufpassen.“

Selbstvertrauen für die Youth Worlds

Denn bei den für die Youth Worlds qualifizierten Bayern kommt am Finaltag etwas Druck ins Spiel: Sie führen das international hochkarätig besetzte, 118 Starter umfassende Feld an. „Gestern waren wir noch Dritte, jetzt sind wir trotz des Fehlstarts auf Platz eins vorgefahren – das lief wirklich super!“, freute sich Schupp. „Und wir sind zuversichtlich, dass wir uns da oben halten können.“ Doch an der Spitze ist es mehr als eng, im Ein-Punkte-Takt folgt die skandinavische Armada mit den norwegischen Jugend-Weltmeistern Mathias Berthet/Alexander Franks-Penty, den Schweden Marius Westerlind/Olle Aronsson und den Finnen Ville Korhonen/Edvard Bremer.

Und auch die Mädchencrew mit Elena Krupp und Clara Borlinghaus strahlte. „Wir sind sehr zufrieden und auch glücklich darüber, dass es einen guten Vergleich mit den anderen für die Youth Worlds qualifizierten Teams gibt“, erklärte Skipperin Krupp. Nur die Schwedinnen Martina Carlsson und Amanda Ljunggren liegen auf Platz 17 vor den Bayerinnen (24.). „Wir können hier ordentlich Selbstbewusstsein für die Youth Worlds tanken, der internationale Vergleich läuft sehr gut“, sagte Vorschoterin Borlinghaus.

Lööf segelt dem EM-Titel entgegen

Dasselbe könnte auch Fredrik Lööf mit Fug und Recht behaupten. Der Schwede wird seiner Rolle als Top-Favorit auf den Europameistertitel gerecht, liegt vor den abschließenden zwei Wettfahrten 14 Punkte vor dem Zweitplatzierten Valerian Lebrun (Frankreich) und 20 Punkte vor dem Wismaraner Jan Kurfeld, der das erste Rennen gestern aufgeben musste. Auch der Schweriner André Budzien, Weltmeister von 2018, kommt nicht an Lööf heran. „Bei mir läuft es insgesamt nicht befriedigend“, bekannte Budzien, der mit neuem Boot auf der Förde unterwegs ist. „Das Boot ist ein Nachbau eines sehr schnellen Modells der Schreiber-Werft von vor 40 Jahren. Es hat Potenzial, aber die Kieler Woche läuft eher unter dem Motto ,Erfahrung sammeln’.“

Erfahrung im Segeln auf allerhöchstem Niveau hat EM-Überflieger Lööf – aber wie „verirrt“ sich ein Profi-Segler mit drei olympischen Medaillen und zwei Volvo-Ocean-Race-Teilnahmen in die OK-Jolle? „Ich wollte wieder zurück zum ursprünglichen Segeln“, erklärte Lööf. „Ich bin ja auch hin und wieder noch professionell unterwegs, vor zwei Jahren war ich Teil des Artemis-Teams (schwedischer America’s-Cup-Teilnehmer, d. Red.). Aber das ist immer auch Stress, und für die Zukunft möchte ich mehr Zeit für meine Familie und einfach Spaß haben.“

Als 16-Jähriger erstmals in Kiel

Und schließlich sammelte der heute 49-Jährige seine ersten Kieler-Woche-Erfahrungen in der OK-Jolle – im Jahr 1986 als 16-Jähriger. „Daran habe ich tolle Erinnerungen“, sagte Lööf über die Zeit mit seinem Vater Max-Ingvar, der 2011 starb. „Wir haben mit vielen anderen Seglern auf dem Campingplatz übernachtet, und ich wusste als Jugendlicher gar nicht, was da um mich herum so passiert. Aber die Kieler Woche war und ist immer Segeln und Party“, beschrieb der Schwede grinsend. Besser feiern lässt es sich meist mit Erfolg, und Lööf deutete schelmisch an, dass er nun, 33 Jahre später, genau über die Abende nach dem Segeln Bescheid wisse.

Wie genau die Ungarn Szabolcs Majthényi und András Domokos ihre Abende aktuell verbringen, ist nicht überliefert, wohl aber ihre blütenreine Weste: Im Flying Dutchman machen die mehrfachen Weltmeister Jagd auf Kieler-Woche-Sieg Nummer sechs. Und wie: Neun Siege in neun Rennen sprechen eine deutliche Sprache. „Sie liegen völlig verdient vorn, haben auf der Bahn teilweise riesige Vorsprünge“, erklärte Kai Schäfers, der an der Schot von Kay-Uwe Lüdtke 2017 und 2018 in Kiel triumphierte, aktuell aus terminlichen Gründen aber als Skipper gemeinsam mit Andreas Happich unterwegs ist. „Es gibt niemanden im Feld, der ihnen etwas entgegensetzen kann.“

Alle Ergebnisse: www.manage2sail.com

Mehr Artikel zur Kieler Woche 2019 finden Sie auf unserer Themenseite.

Klicken Sie hier für weitere Fotos vom dritten Wettfahrttag der Segelregatta.

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