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Segelsport Erst Flaute, dann Spätschicht
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21:45 28.06.2019
Von Niklas Schomburg
Alles im Blick: Victoria Jurczok (re.) und Anika Lorenz bauten ihre Gesamtführung im 49er FX mit den Plätzen fünf und sechs aus. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Aus der Ruhe bringen ließen sich die Beteiligten aber nicht, genossen stattdessen Sonne und angenehme Temperaturen. „Bei dem Wetter lässt es sich gut aushalten“, sagte Morten Roos, der sich gemeinsam mit seiner Wuppertaler J/70-Crew die Zeit mit Kartenspielen an Bord ihrer „Tokio“ am Liegeplatz vertrieb. Mit drei Crews sind die Jungs und Mädels von der SVWu nach Kiel gekommen, und kämpften sich am Donnerstag durch die laut Roos „relativ blöde Welle“. Tag zwei als Regenerationsübung nach dem Kabbelsegeln – „Erholung schadet nicht, aber nach einem Tag müssten die Kräfte eigentlich noch da sein“, sagte Roos schmunzelnd.

Auch die geballte Schweriner 420er-Power genoss die Kieler Sonne. „Bisschen entspannen, bisschen was essen“, war das Credo von Alina Blüschke und Elsa Erichsen, die in diesem Jahr ihre Kieler-Woche-Premiere feiern. „Gestern lief es nicht so gut, wir haben Wind und Welle ein bisschen unterschätzt“, erklärte Vorschoterin Erichsen, die gleich auf Wiedergutmachung aus war: „Wenn es nicht allzu spät wird, würden wir heute gern noch segeln, dafür sind wir ja da.“

Wenig Wind: "Total anstrengend!"

Doch der schwach bleibende Wind machte allen einen Strich durch die Rechnung. Das zweite Startfenster ab 15 Uhr nutzten dann immerhin die 49erFX, die mit Mühe zwei Wettfahrten absolvierten. „Das war super anstrengend heute, weil der Wind in Richtung und Stärke total instabil war“, erklärte Victoria Jurczok und ergänzte lachend: „Immerhin kam so viel, dass wir am Rand stehen konnten und nicht ganz im Boot drinhocken mussten.“

Mit den Plätzen fünf und sechs konnte sie gemeinsam mit Anika Lorenz ihre Gesamtführung sogar ausbauen. „Bei solchen Bedingungen ist es wichtig, ruhig zu bleiben“, sagte Jurczok. „Das gelingt gelingt mir meist weniger, aber Anika umso besser. Und so haben wir es gut gerettet.“ Auch ihre Vorschoterin zeigte sich glücklich mit den Ergebnissen. „Wir haben nach wie vor keinen hohen Streicher“, sagte sie – der lautet Platz sechs. „Viele Teams hatten heute Ausrutscher, daher können wir sehr zufrieden sein.“ Mit zehn Punkten Vorsprung auf Willemijn Offerman/Elise de Rutter (Niederlande) steuern die Berlinerinnen auf Kurs Kieler-Woche-Sieg. „Der steht noch nicht auf unserer Erfolgsliste, daher wäre das natürlich schön“, sagte Lorenz. „Aber Erster zu werden während der Regatta ist viel leichter, als den ersten Platz bis zum Ende zu halten.“

Ab 19 Uhr segelten alle Klassen

Nachdem die FX ihre Rennen absolviert hatten, sollten die 49er übernehmen, doch der zarte Wind brach wieder ein – erneute Verschiebung. So zog sich der Tag weiter – ehe es um 18 Uhr doch noch losging. „Da der Seewind durch die schräger stehende Sonne zum Abend hin nachgelassen hat, haben wir die Hoffnung, in allen Klassen noch eine Wettfahrt zu schaffen“, sagte Organisationsleiter Dirk Ramhorst am frühen Abend. Und tatsächlich: Zur Spätschicht gingen alle Segler nochmal auf die Bahn, die ersten Startschüsse fielen um 19 Uhr. Die deutschen 49er wollten die Abendrennen offenbar ganz schnell hinter sich bringen: Sowohl Justus Schmidt/Max Boehme als auch Tim Fischer/Fabian Graf, bis dato Gesamtdritte, kassierten einen Fehlstart. Nach einem insgesamt schwachen Tag fielen sie auf die Ränge elf und 20 zurück. Im Mixed-Katamaran lagen die Kieler Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer zunächst weiter vorn.

Für Sonnabend sind erneut schwierige Bedingungen vorhergesagt, für Sonntag prophezeite Meteorologe Meeno Schrader aber einen krönenden Abschluss mit 30 Grad Lufttemperatur und vier bis fünf Windstärken.

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Flaute am Kieler-Woche-Freitag.
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