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Segelsport Zwei Titel für deutsche Segler
Sport Segelsport Zwei Titel für deutsche Segler
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19:28 30.06.2019
Von Niklas Schomburg
Victoria Jurczok (li.) und Anika Lorenz gewannen im 49erFX zum ersten Mal die Kieler Woche. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

„Dieser Sieg fehlte uns noch auf der Liste – und er tut gut“, sagte FX-Steuerfrau Jurczok. Im Medal Race reichte den Berlinerinnen ein vierter Rang zum Gesamtsieg, weil die Niederländerinnen Willemijn Offerman/Elise de Ruijter nur Zweite wurden. „Wir hatten einen guten Plan und haben den auch durchgezogen – bis zum letzten Vorwindkurs, der war total unnötig“, erklärte Jurczok, nachdem kurz vor dem Ziel sowohl Offerman/de Ruijter als auch Tina Lutz und Susann Beucke (Chiemsee/Strande) vorbeigezogen waren. Nach Rennende lagen sich die Olympia-Neunten von Rio in den Armen. „Wir hatten die Punkte im Kopf und wussten sofort, dass wir gewonnen haben“, sagte Vorschoterin Lorenz.

Kasüske mit taktischer Meisterleistung

Gleiches galt für Finn-Segler Phillip Kasüske, der mit einer taktischen Meisterleistung den Kroaten Milan Vujasinovic noch überflügelte. „Mein Ziel war es, ihn vor dem Start so unter Druck zu setzen, dass er seinen Plan nicht durchführen kann“, erklärte der 24-Jährige. Mit Erfolg: Bis 30 Sekunden vor dem Start fuhr Kasüske ein „Match Race“ gegen Vujasinovic, drängte ihn zu einem schlechten Start und zusätzlich einer Jury-Strafe. Der Kroate kam verspäte in Gang und war an der ersten Tonne Letzter. „Damit war er raus, und ich musste schauen, dass ich den Tschechen und den Australier unter Kontrolle behalte, sie nicht zu viel auf mich aufholen“, beschrieb Kasüske. Der Berliner hielt sich konstant in den Top Fünf, fuhr in der Schlussphase des Rennens auf Rang drei vor und verkürzte so den Rückstand auf Ondrej Teply und Jake Lilley ausreichend. Nach der starken Vorstellung durfte sich Kasüske über Kieler-Woche-Sieg Nummer zwei nach 2016 freuen und ordentlich Selbstvertrauen für die kommende letzte Chance auf das Olympiaticket tanken.

Stuhlemmer geht von Bord

Und die Chancen auf einen dritten deutschen Triumph standen zwischenzeitlich gut: Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer führten das Medal Race der Nacra17-Katamarane souverän an, als ihnen ein verhängnisvolles Missgeschick unterlief: „Der Fehler passierte schon vor der eigentlichen Situation“, erklärte Kohlhoff. „Wir sind nach links gefahren, obwohl die rechte Seite deutlich bevorteilt war. Dann haben wir überhastet gewendet, bei viel weniger Wind als vorher. Alica wollte auf der anderen Seite ins Trapez, war nicht eingehakt und ist zwischen den Rümpfen ins Wasser gefallen.“ Ein Schreckmoment, schließlich befinden sich dort die rasiermesserscharfen Foils. „Es war aber relativ ungefährlich, weil wir aus der Wende heraus so langsam waren“, sagte Kohlhoff und schickte lachend ein Lob an seine Schottin hinterher: „Respekt, dass sie mit Trapezhose und allem so schnell hinter dem Boot her geschwommen ist!“

Mit Stuhlemmer wieder an Bord fuhren die Kieler das Rennen zu Ende, wurden Achte und damit Gesamtvierte. „Wir sind natürlich enttäuscht, aber wir werden jetzt noch enger zusammenrücken“, sagte Kohlhoff. „Wir glauben an den Prozess und unsere Entwicklung.“ Ihren dritten Kieler-Woche-Sieg feierten derweil die Österreicher Thomas Zajac und Barbara Matz. „Hier zu gewinnen, ist ein Mega-Ding für uns. Es war wahnsinnig spannend“, sagte ein strahlender Zajac.

Skurriles 49er-Rennen für Fischer/Graf

Im 49er hatte nach einem schwachen Sonnabend keine Chance mehr auf eine Medaille bestanden. Tim Fischer und Fabian Graf hatten auf Rang zehn immerhin noch den Einzug ins Medal Race geschafft – das geriet jedoch mit viel Pech zum Sinnbild der deutschen Crews. Die jungen Kieler mussten eine durch ein Jury-Boot verursachte Kenterung, eine Kollision und zwei Strafkringel verkraften und gingen als Letzte über die Ziellinie. „Das war das skurrilste Rennen, das wir je gesegelt sind“, sagte Fischer. Die Kieler Justus Schmidt und Max Boehme wurden enttäuschende 22. „Das war echter Mist, den wir da zusammengefahren haben. Vor allem die Goldflotte war katastrophal“, sagte Boehme.

Im Laser Standard sicherte sich der Brite James Cookson den Sieg, der Berliner Nico Naujock wurde Siebter. Im Laser Radial fuhr Svenja Weger (Kiel) beim Sieg der Schwedin Josefin Olsson auf Rang sechs.

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