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Segelsport So soll vor Schilksee gesegelt werden
Sport Segelsport So soll vor Schilksee gesegelt werden
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16:52 23.04.2020
Von Niklas Schomburg
Anderthalb Meter Abstand, bitte: Die Regatten der Kieler Woche sollen unter Wahrung der aktuell geltenden Vorschriften stattfinden. Quelle: Uwe Paesler
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Kiel

"Wir haben in den vergangenen Jahren viele Diskussionen darüber geführt, wie wir den Markenkern der Kieler Woche, das Segeln, stärken können - dass es nun so kommt, war aber nicht abzusehen und natürlich auch nicht gewünscht", erklärte Dirk Ramhorst am Donnerstag im Rahmen eines Pressegesprächs im Ratssaal des Kieler Rathauses. Der Organisationsleiter der Kieler-Woche-Regatten betonte gleichzeitig: "Es wird keine Rumpf-Kiwo, sondern eine Kern-Kiwo."

Die etablierten Bootsklassen aus internationalem, olympischen und Seesegelprogramm bleiben im Portfolio, die foilenden Motten und Waszps etwa werden 2020 nicht auf der Förde segeln. "Wir machen keine Klassenexperimente", sagte Ramhorst, "sondern legen den Fokus auf die Klassen, in denen wir in der Vergangenheit große Felder hatten, auch schon durch allein deutsche Beteiligung." Man werde "einer angemessenen Zahl von Seglerinnen und Seglern" die Möglichkeit geben, in gewohntem Umfang die Kieler Woche zu segeln. Konkret bedeutet das: Die Gesamtteilnehmerzahl darf die 1000 nicht überschreiten.

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Planungen auf Grundlage aktueller Vorschriften

Denn, und auch das ist klar: "Eins zu eins können die Regatten nicht wie im Juni durchgeführt werden", so Ramhorst. Über allem steht die Einhaltung der Vorschriften und Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie: Mindestabstand, Hygiene und alle weiteren aktuell gültigen Regelungen. "Wir planen aktuell auf Grundlage der momentan bestehenden Regeln", sagt Ramhorst. Sollten diese bis zum September gelockert werden, gebe das mehr Luft zum Atmen, so der Regattachef.

Vieles ist noch vage, alles ist im Fluss. "Wir müssen unsere Entscheidungen immer wieder an die neuen Entwicklungen anpassen", erklärte Philipp Dornberger, Leiter des Kieler-Woche-Büros der Stadt und damit Chef-Organisator. Und das gilt auch für das Segeln: "Das Portfolio steht grundsätzlich, aber wir werden auf geänderte Vorgaben und auch die Meldungen reagieren", erklärte Ramhorst. "Es ist dabei alles möglich - auch dass einzelne Klassen bis zur Kieler Woche noch komplett abgesagt werden."

Positives Feedback aus den Segelklassen

Um die Segler nach Kiel zu holen, arbeiten die Organisatoren mit Flexibilität, unter anderem Stornierungsoptionen für Hotels. Abzuwarten bleibt, ob Reisebeschränkungen bis zum September gelockert oder aufgehoben werden. "Von den deutschen und auch den internationalen Klassenvereinigungen kommt sehr positives Feedback zu unseren Planungen", sagte Ramhorst. "Weil die Segelsaison bis zum 31. August ja so gut wie komplett ausfällt, hoffen alle darauf, in Kiel segeln zu können." Wie es aber wirklich wird, steht aktuell noch in den Sternen. "Vielleicht wird es auch eine Kieler Woche wie direkt nach dem Zweiten Weltkrieg mit Feldern aus vielen deutschen und einigen nordeuropäischen Seglern", sagte Ramhorst. "Wir werden sehen."

Das Grundgerüst des Konzepts aber steht. Der Olympiahafen in Schilksee soll für die Segelwettbewerbe in die drei Zonen "Nord", "Süd" und "Strand" aufgeteilt werden, für die Segler wird es Rückzugsorte geben. Das gesamte Eventareal wird komplett auf die Sportler und nicht auf Besucher ausgerichtet, Buden und Verkaufsstände wird es nicht geben. Das Segeln selbst bereitet beim Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln die wenigsten Probleme. "Es geht immer darum, wo, wann und wie die Segler an Land kommen", sagte Ramhorst. Wenn alle an Land sind, dürfen es nach aktueller Vorschrift nicht mehr als 1000 sein. "Wir haben daher maximale Meldezahlen für die jeweiligen Klassen." Offen ist noch, wie die Regeln im Offshore-Bereich eingehalten werden sollen, wo bis zu zwölf Segler auf einem Boot segeln.

Organisatoren wollen auf neue Entwicklungen reagieren

Die Planungen laufen, werden in den kommenden Monaten aber von vielen Faktoren abhängen. Wie die Meldemoral der Segler werden wird, kann aktuell niemand einschätzen. Sie hängt auch von der Bedeutung der Regatten ab, sind Meisterschaften in die Kieler Woche integriert, dürfte der Zuspruch deutlich größer sein. Aktuell gibt es Gespräche über die Integration der Europameisterschaft der 470er, die ursprünglich für Mai im französischen Hyères geplant war. Auch bei den 29ern, für die die Kieler Woche traditionell Teil des Eurocups ist, ist eine Meisterschaftslösung denkbar.

Um den Segelsport trotz aller Widrigkeiten in die Öffentlichkeit zu transportieren, wollen die Organisatoren die Medienarbeit deutlich ausbauen. "Wir werden die Arbeit in den Sozialen Netzwerken intensivieren. Und das Thema "Kieler Woche TV" ist ein sehr großes", erklärte Ramhorst. "Statt auf der Bühne in Schilksee wollen wir die Segelregatten über Streams den Menschen nahebringen."

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