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Segelsport Philipp Buhl: Erst Tränen, dann Tokio
Sport Segelsport Philipp Buhl: Erst Tränen, dann Tokio
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14:22 21.06.2018
Von Niklas Schomburg
Gut gelaunt am Morgen vor dem Regattastart: Laser-Segler Philipp Buhl. Quelle: Sonja Paar
Kiel

Als die anderen Gäste am Mittwochmorgen beim Seglerfrühstück schon mit frischem Kaffee an den Tischen saßen, studierte Philipp Buhl ein paar Meter weiter noch die Segelanweisungen. Für den Laser-Segler der letzte Teil der Vorbereitungen auf den um 13 Uhr erfolgten Regatta-Start. Die Kieler Woche, Heimspiel für den in Kiel lebenden Sonthofener, konnte er schon vier Mal gewinnen. Ein fünfter Erfolg soll gern folgen – und wäre dennoch nur Zwischenstation auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Tokio 2020.

Keine australischen Verhältnisse

„Wir haben noch Verbesserungspotenzial“, sagt Buhl und meint damit alle deutschen Segler in den olympischen Klassen. „Seit 17 Jahren gab es keinen WM-Titel, bei den Australiern pro Jahr mindestens einen. Da ist Luft nach oben.“ Auch für Buhl selbst lief es bei Großereignissen nicht immer optimal, vor allem die Spiele in Rio 2016 waren eine Enttäuschung, als der heute 28-Jährige das Medal Race der besten Zehn verpasste. „Ich bin nach meinem letzten Rennen ins Zimmer gekommen, das ich mit Toni Wilhelm (RS:X-Surfer, d. Red.) geteilt habe, und habe zu ihm gesagt: Ich muss jetzt mal kurz heulen. Die halbe Stunde hat er mir dann gegeben“, beschrieb Buhl. Anderthalb Tage habe er damals überlegt, ob er eine neue Kampagne starten soll. „Aber dann habe ich erkannt, dass es ein absolutes Privileg ist, diesen Sport ausüben zu dürfen“, sagt er. Seit zehn Jahren konzentriert er sich voll aufs Segeln, „das ist wie ein selbstständiges Unternehmen zu führen“, so Buhl.

Erstaunen bei internationalen Seglern

„Der Aufwand, um in die Top Ten zu kommen, ist deutlich geringer als für die Top Drei. Aber wenn man den Sieg will, dann muss man noch mehr ausrasten.“ In Kiel ist er nach den ersten beiden Rennen als Gesamtfünfter auf einem guten Weg. Die Konkurrenz ist groß, und Kiel sei etwas Besonderes. „Man muss nur mal rausgucken. Ich wollte am Montag auf der Förde trainieren, aber es war kein Platz“, erzählt Buhl. „Ein Peruaner im 49er meinte zu mir: ,Ich habe noch nie im Leben so viele Boote gesehen’. Das sagt alles.“

Alles neu macht der Mittwoch: Nach dem Klassenwechsel ist Schilksee nun in fester Hand der olympischen Segelklassen. Und auch die Regattastruktur hat sich geändert: Erstmals arbeiteten Organisatoren und Wettfahrtleiter mit einem Schicht-Prinzip.

Niklas Schomburg 20.06.2018

Am Mittwoch ging es für die Offshore-Segler noch einmal auf die Up-and-Down-Kurse auf dem Stollergrund. Am Abschlusstag der Baltic Pre Worlds fing die „OneSpirit“ von Gordon Nickel (Cuxhaven) die Kieler „Immac Fram“ auf den letzten Seemeilen noch ab und sicherte sich den Sieg bei den ORC III/IV.

Niklas Schomburg 20.06.2018

Der beste Segler aller internationalen Klassen heißt Lars Johan Brodtkorb. Der Norweger gewann den Kieler-Woche-Titel in der Europe und zudem den Commodore-Preis für den punktbesten Segler des ersten Teils. Aber Brodtkorb ist mehr als ein sehr guter Europe-Segler.

Niklas Schomburg 20.06.2018