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Segelsport Neues 470er-Team holt EM-Silber
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Neu formierte 470er-Mixed-Crew Theres Dahnke und Matti Cipra holt EM-Silber

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20:35 11.05.2021
Von Niklas Schomburg
Theres Dahnke (li.) und Matti Cipra segelten als neu formiertes Mixed-Team bei der 470er-EM in Portugal zum Vize-Europameistertitel.
Theres Dahnke (li.) und Matti Cipra segelten als neu formiertes Mixed-Team bei der 470er-EM in Portugal zum Vize-Europameistertitel. Quelle: Joao Costa Ferreira / Prow Media
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Vilamoura/Portugal

 „Wir sind ganz entspannt an die Regatta rangegangen, haben uns keinen allzu großen Stress gemacht, das war vielleicht das Erfolgsrezept“, sagte Steuerfrau Dahnke. „Viel besser hätte es für den Anfang nicht laufen können.“

An der Algarve musste die neu formierte Crew nur den neuen israelischen Europameistern Nitai Hasson und Saar Tamir geschlagen geben. Und das nach nur kurzer Zeit gemeinsamen Trainings in Kiel und einer Woche vor der EM vor Ort. „Wir haben für den Anfang schon einen sehr guten Weg gefunden, miteinander zu sprechen und die Aufgaben an Bord zu verteilen“, erklärte Dahnke. „Natürlich sind während der Regatta Dinge aufgetaucht, bei denen es Verbesserungsbedarf gibt. Aber davon konnten wir schon viel umsetzen, wir haben uns im Laufe der Regatta gesteigert und sind immer sicherer geworden.“

470er als Mixed in Paris olympisch - oder doch nicht?

Nach aktuellem Stand wird der 470er, in Tokio noch in geschlechtergetrennten Konkurrenzen am Start, bei den Olympischen Spielen 2024 (Paris) im Segelrevier von Marseille als Mixed-Klasse gesegelt – im Zuge der offenbar bevorstehenden Ausmusterung der überdies als neue Klasse geplanten Disziplin „Mixed Double Hand Offshore“ steht die Entscheidung allerdings wieder auf dem Prüfstand.

Ein Zurück zu einer weiblichen und einer männlichen Konkurrenz in der 4,70 Meter langen Zweihandjolle wäre die nächste Stufe im olympischen Klassenchaos. „Ich hoffe, dass es jetzt nicht schon wieder zurückgeht“, sagte Dahnke. „Es wäre einfach blöd, das schon wieder alles umplanen zu müssen.“

Denn gerade erst haben sich viele neue Mixed-Crews zusammengetan. Neben Dahnke, die die Qualifikation für Tokio gemeinsam mit Birte Winkel knapp verpasst hatte, und Cipra, den dasselbe Schicksal an der Vorschot von Birtes Bruder Malte Winkel ereilte, gingen in Vilamoura auch Daniel Göttlich und Anna Markfort (Berlin/Kiel) an den Start und wurden - in umgekehrter Konfiguration mit Mann an der Pinne und Frau an der Vorschot - Fünfte.

„Es ist schon beeindruckend, wie unsere Mixed-Teams mit der Silbermedaille und Platz fünf auf Anhieb Zeichen setzen konnten“, erklärte Nadine Stegenwalner, Sportdirektorin des Deutschen Segler-Verbands (DSV). „Sie haben sich damit für die kommenden Jahre auf Kurs Marseille 2024 in gute Positionen gebracht. Das war ein vielversprechender Auftakt, der sehr zuversichtlich stimmt.“

In der aktuell olympischen 470er-Frauendisziplin kämpften sich Luise Wanser und Anastasiya Winkel (Hamburg/Kiel) im Medaillenrennen noch auf EM-Platz acht vor. Für sie war bereits vor dem EM-Start Malte Winkel als Ersatz-Coach eingesprungen, nachdem sich Stammtrainer Riccardo de Felice verletzt hatte. Bei den 470er-Männern erreichten Simon Diesch/Philipp Autenrieth (Friedrichshafen/Augsburg) in der fünftägigen Serie Platz neun.

Leise Selbstzweifel überwunden

Für Theres Dahnke wurden mit dem Vize-Europameistertitel auch die Bedenken zerstreut, mit denen sie sich im Vorwege der Regatta zeitweise trug. „Mir ist zwischendurch schon mal der Gedanke gekommen, dass ich vielleicht nicht gut sein könnte, nicht erfahren genug im Vergleich zu Malte, der ohne Frage der bessere Steuermann ist. Vor allem wenn im Training mal etwas nicht geklappt hat“, erzählte die 22-Jährige.

Denn Unterschiede bietet eine Mixed-Crew im Vergleich zu rein weiblichen und rein männlichen Tandems reichlich. „Birte und ich hatten immer etwas Probleme bei stärkerem Wind. Jetzt mit Matti, der deutlich größer und schwerer ist, ist es einfacher, sowohl bei Wind ab 15 Knoten als auch Rockbedingungen ab acht Knoten“, erklärte Dahnke.

Das Rocken oder Pumpen ist bei Wind unter acht Knoten als „unerlaubter Vortrieb“ verboten, es bezeichnet die Technik, bei dem der Vorschoter an den Armen hängend durch ruckartige Körperbewegungen das Achterliek des Großsegels zum Fächern bringt – ähnlich dem Flügelschlag eines Vogels. Dadurch verbessert sich insbesondere die Höhe am Wind. „Dabei ist Matti im Vorteil, weil er mehr Gewicht ins Trapez reinballern kann“, so Dahnke.

Im Sommer Studium, ab Herbst dann voller Fokus auf Olympia 2024

Aber auch für den athletischen Cipra bringt Dahnke an der Pinne etwas anderes ins Spiel als sein ehemaliger Steuermann Winkel es tat: „Ich bin einfach 15 Kilo leichter und 20 Zentimeter kleiner als Malte – wenn sich Matti jetzt an Bord bewegt, passiert viel mehr, als wenn Malte am Steuer säße“, sagte die Geographiestudentin, die sich im Sommer nun zunächst auf den Abschluss ihres Studiums konzentrieren will, ein Praktikum im Bereich ihres Nebenfaches, der Meteorologie, plant. „Nach der verpassten Quali für Tokio heißt es auch, den Kopf frei zu bekommen und den 470er mal liegen zu lassen“, so Dahnke. Matti Cipra wird sich währenddessen anderen Segelprojekten widmen, unter anderem für „OneKiel“ in der Bundesliga an den Start gehen. Die verschobene Kieler Woche steigt in diesem Jahr ohne 470er und andere olympische Klassen.

Ab Herbst soll der volle Fokus auf der Olympiakampagne liegen. Wobei voll nicht ganz wörtlich zu nehmen ist – schließlich steht über den Winter noch Dahnkes Bachelor-Arbeit an. „Man braucht einfach ein gutes Zeitmanagement“, sagte sie.

Finanziell steht die Crew aktuell auf recht ordentlichem Fundament, profitiert vor allem vom Plauer Wassersportverein, der das gesamte Material bezahlt, als auch Dahnkes Zugehörigkeit zur Bundeswehr und dem bis Jahresende weiterlaufenden Kaderstatus der Steuerfrau. Das ist umso wichtiger, da Cipras Kaderzugehörigkeit am 30. April endete, nachdem die deutschen 470er-Männer das Nationenticket für Tokio verpasst hatten.

Niklas Schomburg 21.04.2021
Niklas Schomburg 20.04.2021
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